32 Religiöse Unterweisung in der Familie.
die Neigungen des Einzelnen zu achten, weil damit am leichtesten die Einwilligung unddie Teilnahme für eine zugleich den Zwecken der Gesundheitspflege und des Bildungs-planes dienende Ausfüllung der Zeit gewonnen wird.
Bei der sittlichen Führung ist freilich mit großer Geduld und Milde gegenüberden Äußerungen der Verstimmung und Unlust zu verfahren, es wäre aber verkehrt,wollte man die körperlich begründete Reizbarkeit oder Verdrossenheit durchaus gewährenund zu einem Fehler des Charakters heranwachsen lassen. Ein sorgfältiger Beobachterwird leicht erkennen, inwieweit das Spiel der moralischen Unart zu dem pathologischbegründeten Mißverhalten hinzutritt und nach dem bei allen Nervenleiden ähnlicher Artgeltenden Grundsatz muß man einzelnen willkürlichen Übertreibungen des Affekts raschund entschieden durch ein ernstes Wort, auch ein strengeres Zuchtmittel entgegentreten;jeder Mediziner weiß, welche guten Dienste im rechten Augenblick ein Glas Wasser,das man ins Gesicht schleudert, bei einem absichtlich gesteigerten hysterischen Anfallhervorbringt. Das ganze Verhalten des Erziehers ist ferner auf die Kräftigung derWillensherrschaft über die psychische Verstimmung zu richten und liegt die Schwierigkeitim Anwenden dieses allgemeinen Grundsatzes auf die fraglichen Zustände nur in dengroßen Schwankungen des Befindens und der Stimmungen des Gemeingefühls.
R. Kühler.
Reliefkarten, s. Landkarten.
Religiöse Unterweisung in der Familie. Daß in der Familie religiöse Unter-weisung stattfinden muß, darüber kann in der christlichen Erziehungswissenschaft keinZweifel sein. Das Haus ist die von Gott geordnete erste Pflegstätte des religiösenLebens und auf dem Gebiete der Offenbarung kann dies Leben nur durch Unterwei-sung gedeihen. Die unmittelbaren Einflüsse der Familienfrömmigkeit als der das Hauserfüllenden geistlichen Luft, wie sie ohne geschehene Unterweisung nicht möglich wären,können nur durch mitfolgende Unterweisung Klarheit, Bestimmtheit und Nachhaltigkeitempfangen. Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aber aus dem WorteGottes. Die Predigt, auch in der einfachsten Gestalt des elterlichen Gesprächs mitden Kindern doch immerhin Predigt, geschieht eher im Hause als in der Kirche. DasHaus bleibt, wenn die Kirche geworden ist als die Gemeinschaft der Gläubigen aus vielenHäusern, immer ein Kirchlein in der Kirche. Den Hausvätern ist zunächst der Befehlgegeben, den Namen des Herrn allen, die im Hause wohnen, zu verkündigen; den Elternist zunächst die Aufgabe gestellt, ihre getauften Kinder, die sie in der Zucht und Ver-mahnung zum Herrn aufcrziehen sollen, mit Gottes Gesetz und Evangelium bekannt zumachen. — Die Kirche freilich, die allen Menschen die Hilfe zur Seligkeit bringen soll unddie mit dem Hause durch die Taufe der darin gebornen Kinder zuerst in Berührunggekommen ist, kann sich der religiösen Unterweisung am wenigsten entziehen, sie kann sichmit dem, was im Hause geschieht, nicht genügen lassen. Sie hat darüber zu wachen,daß ihr fort und fort aus den Häusern neue, lebendige Glieder zugeführt werden, daßdie aus den Häusern in die Kirche tretenden Kinder nicht im Hause unkirchliche An-schauungen empfangen, daß die Mängel der häuslichen Unterweisung, ob sie nun durchmangelnde Erkenntnis oder durch eine falsche Richtung des Lebens entstanden sind, auf-gehoben werden. Die Kirche steht über den Familien anregend, leitend, läuternd, zu-sammenfassend. Aber ohne die vorbereitende und begleitende Hilfe der Familie kann siekeine nachhaltige Wirkung auf die Jugend üben. Wie will sie offne Thüren finden,durch welche ihre Diener in die Häuser eintreten und durch welche die Kinder aus denHäusern zur Kirche kommen, wenn die Eltern die Thüren nicht aufthun? — Auch dieSchule, solange sie in christlichem Geiste gehalten wird, kann die religiöse Unterweisungnicht Unterlasten. Sie wird den dringenden Wunsch haben, ihrem sonstigen Unterricht,der nicht bis in die heiligsten Tiefen des Menschen eindringt, den religiösen zuzufügen,welcher eine weihende, vertiefende und erwärmende Kraft hat, sie wird auch der religiösenMotive zur Erziehung nicht entbehren können, und woher soll sie dieselben nehmen,