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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Reisenutcrstützuiig.

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die Keime zu besonderen Vorzügen und Tugenden treten da im großen auf, unv leichterkennt man, wie sehr der Unterrichtsbetrieb, die Haltung der Lehrer und Schüler, derTon, in dem beide miteinander verkehren, abhängig ist neben anderem auch von demCharakter des Stamms. Hier Beweglichkeit der Zunge, des Auges, aller übrigen Glieder,die Lust und das Bedürfnis aufzntreten und sich auszusprechen, die Beachtung desLehrers und der Mitschüler auf sich zu ziehen, dort tiefäugige Aufmerksamkeit und be-klommene Schüchternheit, bei welcher die geistige Thätigkeit sich in innerlichem Verarbeitenoffenbart, und der gewonnene Besitz still und bescheiden im Innern sich ablagert. Hierein lebhafter, an den Lenker einer Volksversammlung, manchmal an den Führer einerAbteilung Soldaten erinnernder Lehrer, dort ein sinniger, gemütvoller Bortrag vollWärme und Würde.

Durch die Auffassung solcher nach Stämmen und Völkern sich richtender Grund-verschiedenheiten aber wird das Verständnis für die Verschiedenheiten der einzelnenSchüler geweckt und ein taktvolles Eingehen auf diese, soweit es sich mit den gegebenenNormen eines Klassenunterrichts verträgt, ja diesem Leben einzuhauchen vermag, veranlaßt.

Aus dem Bisherigen folgt, daß zwar für jeden Lehrer eine wissenschaftliche Reisevon großem persönlichen und dienstlichen Interesse sein wird und muß, der Nutzenaber nur dann im Verhältnis zum Aufwand stehen wird, wenn gewisse Vorbedingungenerfüllt sind, und ein bestimmter Zweck vor den mit allem Reisen verbundenen Zer-streuungen schützt.

Vor allem muß ein gewisses Lebensalter, eine gewisse Reife des Urteils erreicht,die wissenschaftliche Ausbildung schon bis zu einem gewissen Grade vollendet sein, damitdie Menge neuer und unerwarteter Eindrücke nicht den Sinn für ein ernstliches Studiumerstickt. Für die Reise selbst aber, ihre Dauer und Ausdehnung, dürfte die Erfahrung,daß zur innerlichen Verarbeitung der Eindrücke eine gewisse Zeit erforderlich ist, denlängeren Aufenthalt an einem Orte behufs der Erreichung wissenschaftlicher Zwecke imallgemeinen wünschenswerter erscheinen lassen, als den Besuch möglichst vieler Orte.

Daß aber die Universitäten in erster Linie als das Ziel jeder wissenschaftlichenReise in Betracht kommen müssen, liegt in der Natur der Sache und versteht sich füreinen Lehrer ans mehr als einem Grunde fast von selbst. Denn sie sind die Punkte,an denen das geistige Leben am stärksten pulsiert. Hier findet ein Lehrer seine bestenVorbilder, hier tritt ihm der Glanz der Wissenschaft in verschiedenfarbiger Brechungentgegen: hier sind meist die bedeutendsten Sammlungen, die Niederschläge früheren Fleißesund früherer Gelehrsamkeit, hier findet er den Einfluß am unmittelbarsten sich äußern,welchen das wissenschaftliche Leben und Streben auf die Jugend hat, und selbst die Er-fahrungen, die er im geselligen Kreise der Studierenden sammelt, können ihm von Wertwerden. Unstreitig ober giebt es kein fruchtbareres Mittel, sich die Schätze und Vorzügeeines anderen Volkes zum Bewußtsein zu bringen und anzueignen, als mit strebsamenGenossen vereint sich studierend in seine Wissenschaft und Kunst zu vertiefen.

Da aber viele Hochschulen, und zwar gerade die wichtigsten, entweder in der Haupt-stadt des Landes oder doch wenigstens in bedeutenden Provinzialstädten sich befinden,so ist mit dem Besuch der Hochschulen zugleich Gelegenheit geboten, sich auch mit anderenals den streng der Wissenschaft dienenden Einrichtungen und Bestrebungen bekannt zumachen, eine Gelegenheit, welche ein reges, geistiges Leben in so mannigfaltiger Weisehervorruft. Es versteht sich, daß ein junger Lehrer, soweit ihm die Verfolgung seinesHauptzweckes es nur immer gestattet, sich angelegen sein lassen wird, auch solchenNebengewinn einzuheimsen.

Gilt das seither Gesagte von den Lehrern im allgemeinen, so haben wir noch aufbesondere Zweige des Lehrerberufs hinzuweiscn, für welche das Reisen fast schlechthinnotwendiges Bildungsmittel für ihren Dienst ist.

Hierher gehören in erster Linie die künftigen Lehrer der lebenden Sprachen. Zwarum das Schrifttum eines fremden Volkes kennen zu lernen wird niemand den Aufent-