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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Reisen.

als wir älteren Leute ihn bisher gehabt und gebraucht. Unsere Zeit ist durch und durchweltbürgerlich und großdeutsch angelegt; wir können dem nicht wehren. Unsere Sorgebleibt nur, daß unsere Söhne den sichern Führer mitbekommen, damit sie sich in denjetzt so leicht fahrbaren Wegen der Welt und Zeit nicht verfahren und unter der Viel-heit von Eindrücken, die auf sie eindringen, nicht zerfahren. Am schlimmsten ist wohlderjenige Teil unserer Jugend daran, dessen Eltern selbst in der jetzt so ruhelos dahinfahrenden Zeit kaum mehr eine Heimat haben, sondern als Nomaden höherer Ordnungbald in diesem, bald in jenem Lande ihr Zelt aufschlagen. Engländer auf der großenTour, Diplomaten, reiche Rentner, Schauspieler, reisende Künstler, leider auch Beamteund Offiziere sind mehrfach in diesem Falle und ziehen ihre Kinder in dieses Wander-leben mit hinein. Hier wird das, was bei der übrigen Jugend nur Würze ist, zurgewohnten Nahrung, das Konfekt zum täglichen Brot. Solchen Wandervögeln, die, wiedie Taube Noahs, nicht finden, wo ihr Fuß ruhen könnte, sollte die elterliche Liebe,wenn sie wirklich lieben will, vor allem eine sichere Arche verschaffen, einen festen Ortfür ihre Ausbildung, ein gutes Haus in einer mit tüchtigen Lehranstalten gesegnetenStadt, eine gute Erziehungsanstalt oder des etwas; denn wo die schrillende Pfeife derLokomotive immer wieder den Vogel von den kaum angebrüteten Eiern aufscheucht, dakann Unterricht und Erziehung nicht gedeihen.

Um nur noch mit einem Worte die weibliche Erziehung in dieser Hinsicht zuberühren, so ist klar, daß größere Massenausflüge von mehreren Tagen für Mädchenunzuträglich sind. Bei Schulen oder Erziehungsanstalten von Mädchen könnte es sichetwa einmal um eine gemeinsame Wanderung oder Fahrt nach irgend einein anziehen-den Punkte handeln, zu der ein Nachmittag oder höchstens ein Tag in der guten Jahres-zeit verwendet würde. Im übrigen ist die Tochter an Vater und Mutter gewiesen.Verwandtschaftliche oder freundschaftliche Verbindungen tragen je und je auch eine Be-suchsreise ein.Im Frühling und Sommer," sagt K. von Raumer über die Erziehungder Mädchen (Pädag. III. S- 437),gesellen sich zur abendlichen Feierzeit Spazier-gänge, an denen die ganze Familie teilnimmt. Bei dem gegenwärtig so erleichtertenVerkehre kann die Mutter auch, sobald sie nicht mehr durch kleine Kinder an das Hausgebunden ist, mit den ihrigen schöne Gegenden und kunstreiche Städte besuchen. Kehrensie dann zurück, reich an inneren Bildern und schönen Erlebnissen, geistig gestärkt undgefördert, so blicken sie gern und oft in lieber Erinnerung an das Erlebte zurück."Und mit der Mutter abwechselnd, fügen wir hinzu, mag es auch je und je der Vaterthun. So bleibt solchen Ausflügen das Familienmäßige als Grundcharakter weiblicherErziehung gewahrt, bis die Hochzeitreise, die nachgerade unvermeidliche, die Tochter vonVater und Mutter ablöst. Damit kehrt sie aber auch der Pädagogik den Rücken undläßt ihr, die noch manchen guten Rat und Wunsch im Herzen trüge, das Nachsehen.

Für die Reiseausflüge der Knaben und Jünglinge giebt die Erfahrung folgendesDutzend Regeln an die Hand. 1. Der junge Wanderer sei gesund und wo es sichum Mafsenwanderung handelt, nicht eigentlich schwächlich. 2. Wenig Gepäck. Die alteWanderregel sagt:Wer wandern will, Der schweig fein still, Geh gleichen Schritt,

Nehm' nicht viel mit, So darf er nicht viel sorgen." 3. In guter Frühe aufge-brochen; je früher, je besser. Den vollen Tag vor sich haben, ist ein großer Vorteil.4. Ohne reichliches Frühstück aus der Herberge. Das spart viel edle Zeit. Ein Marschvon etlichen Stunden giebt treffliche Würze zum wohlverdienten Morgenimbiß. 5. Kein aus-gedehntes Mittagessen, am allerwenigsten eines an der Wirtstafel. Kalte Speisen und Ge-tränke, etwa weiche Eier; dagegen Abends nahrhafte Mahlzeit. 6. Marsch nicht zu rasch,nicht übertrieben, nicht zu groß angelegt. Man muß Zeit haben. Je und je eine kleineRast im Freien. Mit zu großen Märschen kann man sich viel verderben. 7. KeineVorläufer, keine Nachzügler! Beides kann große Verlegenheiten bringen. Vor jedemOrte, Stadt oder Dorf, gesammelt. 8. Je und je ein munteres Lied. Gesang ist da-bei die beste Feldmusik. 9. Keine Feldflaschen. Im Trinken enthaltsam. Durst er-