Reisen.
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de» Menschen üben kann. Auch hier geht es nach der Regel: „Wer da hat, demwird gegeben"; er findet um so mehr, je mehr er hat. — Hiermit ist zugleich auch einWink gegeben über das Alter, in welchem Reiseausflüge von Nutzen sein mögen.
Nicht zu früh! Der Nutzen vermehrt sich im allgemeinen mit den Jahren. Vor dem10., vielleicht 12. Jahre sollte es nicht über Eintagsausflüge hinausgehen, danebenaber tägliches Bewegen und Tummeln im Freien und öfters mehrstündige Spaziergänge.
Daß die Ergebnisse kleinerer wie größerer Reisen der Jugend vielfach durch dieBeschaffenheit des führenden Lehrers und Erziehers bedingt sind, liegt nahe. Sie
werden sich anders gestalten, wo dieser nur mehr aufsehend und hofmeisternd nebenhergeht, und anders, wo er als ein kundiger Führer die Aufmerksamkeit auf alles Merk-würdige zu richten, wo er sich jugendlich in die Art der Jugend zu versetzen weiß, woer bald ernst belehrend, bald heiter scherzend die Beschwerden teilt, die Freuden würztund so die Vorkommnisse der Wanderfahrt auch geistig und sittlich zu verwerten vermag.Namentlich ist es auch eine wertvolle Gabe, wenn der erziehende Führer sang- und
liederkundig ist und so auch dazu helfen kann, daß sich Gesang und Dichtung in das
Wanderleben flechten. Und hat er vollends auch die Gabe des Erzählens, so ist's zwei-mal gut. Solche Reisen werden dann Glanzpunkte im Leben der Jugend und lastenauch dem Erzieher eine freundliche Erinnerung, obgleich er in der Sorge für das an-vertraute Corps keine geringe Last und Verantwortung mit sich trägt.
Werfen wir noch einen Blick auf unsere Zeit, zu deren Kennzeichen u. a. auchdie schnelle Überwindung der räumlichen Entfernungen zu zählen ist. Die Vorteile desDanipfes kommen auch den Reisen der Jugend zu gute. Während früher die Turch-wanderung wenig anziehender Gegenden einen großen Teil von Zeit und Geld auf-zehren konnte, bis man zu der lohnenderen, etwa einem Gebirge, kam, so ist es jetztmöglich, eine Schar von jungen Wanderern in wenig Stunden und um verhältnis-mäßig wenig Geld auf einen Boden zu versetzen, wo die eigentliche Wanderung erst
beginnt. Es wird zwar auch mit diesem Vorteile, den die Zeit bietet, rücksichtlich der
Jugend behutsam umzugehen sein. Man wird wohl thun, solange noch anziehendeGegenden von kleinerem Maßstabe in der Nähe liegen, erst diese zu bereisen und nichtseine junge Mannschaft gleich auf das Große und Weltberühmte losstürmen zu lassen.Ein kleineres Gebirge, die Alb, der Schwarz- oder Odenwald, das Fichtelgebirge, sind,pädagogisch gesehen, der Alpenwelt vorzuziehen. Lieber der Harz und Thüringen oderdie fränkische Schweiz mit ihren reizenden Felsenthälern, Höhlen, Burgen, als die großeeidgenössische mit ihren riesenhaften Masten; lieber die Thäler des Neckar und Main,der Saale und der Weser, als die große Weltstraße des Rheins; lieber zunächst zumUracher oder Triberger Wasserfall, als zum weltkundigen Falle von Schaffhausen.Kleinen Leuten ist auch das Kleine groß. Man pflege das möglichst lang. Nichts ist
widriger als das iM uämirurl bei jungen Leuten, jenes verachtende Messen des Kleinen
an dem etwa schon gesehenen Größeren, wo nichts gesehen, wer nicht das Größte sah.Daher sind auch jene Unternehmerreisen mittels Dampfes, wo man für wenig Geld inetlichen Tagen durch eine ganze Fülle von Bergen, Wassern, Städten hinfliegt und dieMerkwürdigkeiten nach Bädeker absieht, für die Jugend vom Übel. Sie machen ober-flächlich, satt, abgestumpft. Was dem Menschen so leichten Kaufes geboten wird, daSachtet er bald nicht mehr. Der verständige Vater oder Erzieher wird indes auch hierdas wahre Bedürfnis der Jugend mit den Vorteilen, welche unsere Lokomotiven zu Landund zu Wasser bieten, in Einklang zu bringen wissen. „Alles ist euer", auch derDampf. Unserer Jugend ist jetzt leicht erreichbar, wonach sonst der Mann sich lange,oft lebenslang vergeblich gesehnt. Dieser Stand der Dinge hat für sie seine Gefahren.Zum gesunden Wachstum gehört auch im geistigen und sittlichen Leben der Jugend einegewisse Stille. Diese wird jetzt vielfach bedroht. Dennoch sind unsere Kinder nun ein-mal Kinder unserer Zeit, und wir können es nicht verhindern, daß sie, die schon mitDampfwägen spielen, nicht auch einen andern Maßstab für die Entfernungen bekommen,