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Reisen.
dem Bisherigen mannigfaltig und wir freuen uns für jeden Knaben und Jüngling, demdie Gunst zu teil wird, von der Eichendorf singt:
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,
Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisenIn Berg und Wald, in Strom und Feld.
Doch darf man sich auch von Reisen und Ausflügen allein nicht zu viel versprechen.Sie sind immerhin nicht das eigentlich nährende Brot, sondern mehr eine angenehme,würzige Zukost. Sie bekommen ihren rechten Wert erst im Zusammenhang mit derübrigen Erziehung. Namentlich setzen sie, abgesehen von einem empfänglichen Sinn undoffenen Blicke, die Grundlage einer tüchtigen Arbeit und Übung voraus. Je mehrman auf die Reise mit hinausnimmt, desto reicher die Ausbeute. Das über den Rheinfliegende Gänslein kommt, nach dem alten Spruch, als Gigag wieder heim. Wermeinte, daß ein Reisemarsch von einigen Tagen für sich schon die Knaben körperlich ab-härten würde, der wäre im Irrtum. Nur bei einem gewissen Grade von Übung undHärtung werden sie die sich bietenden Anstrengungen munter und mit Lust ertragen.Es wird dadurch die in vernünftiger Gewöhnung gewonnene Kraft und Gewandtheitmehr bewährt und belohnt, als daß sie mit einigen wenigen Tagen zu gewinnen wäre.Schwächlinge und Träge erliegen leicht, werden eine Last für die übrigen und habendavon leicht mehr Schaden als Nutzen für Leib und Gemüt. Dagegen macht demKnaben, der auf dem Turn- und Spielplätze bereits Glieder und Kräfte geübt hat,jeder Sprung über den Bach, jede Gelegenheit, die erlernte Kunst praktisch anzuwenden,hohe Freude. So darf man auch seine Erwartungen in Beziehung auf die Bildungdes Sinns für die Natur und ihre Schönheiten nicht zu hoch spannen. Der Sinn fürdie Schönheit der Natur, für landschaftliche Anmut oder Großartigkeit schläft noch beiden meisten Knaben. Sie vermögen sich noch nicht liebend in die bedeutsamen Gestaltendesselben hineinzusetzen. Naturverständnis setzt einen gewissen Grad entwickelten Geistes-und Gemütslebens voraus. Die Natur spricht in Hieroglyphen; der Geist des Menschenmuß dein Schlüssel dazu mitbringen. Der Knabe lebt selbst noch zu unmittelbar in der
Natur, sie ist ihm noch nicht gegenständlich genug geworden, das innere Leben hat noch
zu wenig feste Gestalt gewonnen, um sich in dem Spiegel der Natur wiederzufindenund ihre stumme Pantomime zu deuten. Es ist immer mehr das Einzelleben derSteine und Pflanzen, der Tier- und Menschenwelt, was ihn anzieht. „Die Knaben,"sagt Kapff einmal in seiner Schweizerreise einer großartig schönen Landschaft gegenüber,„waren bald fertig. Es fehlt ihnen noch an Einsicht und Übersicht." So stand ein-mal der Direktor mit einer Schar von etwa fünfzehnjährigen Zöglingen auf dem Turm desKölner Doms und schaute mit Entzücken auf das deutsche Rom und das weite Land
umher. Da bringt der Türmer ein Mäuslein in der Falle und läßt es in die Tiefe
springen. Weg war alle Natur- und Geschichtsandacht über dem tragischen Geschickeder armen Kirchenmaus. Also keine sanguinischen Hoffnungen für die Bildung desNatursinns! Doch sind darum die Anschauungen einer großen, schönen Natur für denjungen Geist nicht verloren, wenn er auch darüber nicht Laut giebt.
Auch die Ausbeute, welche man sich von Reiseausflügen für geographisches, ge-schichtliches und vaterländisches Verständnis verspricht, ist wesentlich von der voraus-gegangenen Bildung des Sinns und dem bereits vorhandenen Wifsensschatz abhängig.Berge, Flüsse, Städte, Schlösser, Denkmäler, Kirchen, Klöster sehen sich ganz andersan, wenn ein tüchtiger Unterricht vorgearbeitet hat und die Anschauung gleichsam nurdie Illustration zu dem bereits bekannten Texte liefert. Wie anders steht der Jüng-ling auf dem letzten Mäuerlein der alten Hohenstaufenburg, wie anders liest er das:»Um transidat Oassar« in der alten Kirche am Fuße des Staufenkegels, wenn seineEinbildungskraft ihm die Gestalten, Zeiten und Thaten der Helden aus seinem Ge-schichtsunterrichte vergegenwärtigt, die einst hier ein- und ausgegangen sind! Dasselbegilt auch von dem Einflüsse, den der Anblick des fremden Lebens und Treibens unter