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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Reisen.

Lieder vorgelcsen und gewährten so noch einen freundlichen Nachgenuß. Zu größerenReisen kam es nur in den Ferien gewöhnlich mit denjenigen älteren Zöglingen, dienicht nach Hause gehen konnten. So haben Zöglingsabteilungen von Stetten aus denRhein bis Köln bereist, ein andermal Bayern mit seinem herrlichen Nürnberg, wiedereinmal die Donau von Regensburg bis Linz, das schöne Salzburg mit seinen Um-gebungen und das deutsche Athen, München. Die Gebrüder Paulus im Salon beiLudwigsburg überstiegen mit einer Zöglingsschaar gar einmal die Alpen. Kapff be-schreibt erst in Barths Jugendblättern, dann in besonderer erweiterter Bearbeitung(Stuttgart bei Steinkopf 1843) eine Reise, die er im Jahr 1829 als Lehrer in derErziehungsanstalt Fellenbergs zu Hofwyl mit 20 Knaben von 1014 Jahren durchdie Schweiz gemacht hatte. Man kann diese Reiseschildernng nicht lesen, ohne sichfür die Knaben zu freuen, welche ein solches Land unter einem Führer durchwanderndurften. Es giebt wohl keine irgend bedeutendere Erziehungsanstalt für männliche Ju-gend, wo es nicht seit langem ähnlich gehalten würde, so sehr ist die Überzeugung vonder Zweckmäßigkeit jugendlicher Reisen schon in das Bewußtsein unserer Zeit eingedrungen.Die württembergischen Klosterschulen, die als niedere Seminare je eine Anzahl jungerLeute für den künftigen Kirchendienst vorbilden, haben schon seit geraumer Zeit Ausflügevon einem und mehreren Tagen in ihren Erziehungsplan ausgenommen. Auch unsereLehrererseminare wissen davon zu erzählen.

Der Hanpteinwand, der sich gegen solche Reiseausflüge erheben läßt, dürfte wenigervon pädagogischer als von ökonomischer Natur sein. Reisen kostet Geld. Zwar fordertauch der pädagogische Zweck für solche Ausflüge möglichste Sparsamkeit. Das junge Volksoll nicht hinaus, um sich an den Wirtstafeln gütlich zu thun, sondern soll eher ge-wohnte Bequemlichkeit entbehren. Trotzdem verbieten die Verhältnisse mancher Elternalle und jede Ausgabe, die über das Notwendige hinausgeht. So werden denn weitereAusflüge nie auf allgemeine Einführung zu rechnen haben. Privaterziehungsanstaltengenießen hierin einen Vorzug. Ihre Zöglinge kommen meist aus »ermöglichen Häusern;da machen die Mittel keine oder wenig Schwierigkeiten. Man kann daher die päda-gogischen Reisen immerhin mit Palmer (Pädag. S. 200) als Luxusartikel gelten lassen,wenngleich als sehr wünschenswerte. Übrigens geschieht an höheren und niederenSchulen manches, um auch ärmeren die Ausfahrt zu ermöglichen. Es wäre auch schonetwas, wenn nur je einmal ein Tag zu einer kleineren Wanderfahrt benützt würde.Wo nur Lehrer in rechter Liebe zur Jugend sich gerne dazu hergeben, da läßt es sichohne großen Aufwand machen. Hier und da hat man je im Mai eintägige Züge zurFrühlingslust ins Freie, in Württemberg Maitage genannt. Sie sind in Schmausereienfür jung und alt ausgeartet. Man würde diese mit Nutzen, bei den Knaben wenigstens,in Reiseausflüge umwandeln und dabei wohl sittlich und ökonomisch gewinnen. DasPrivatgymnasium in Stuttgart hat so seiner Zeit jährlich seinen Maiausflug gemachtzur großen Freude der Schüler. Wo das Turnen ernst und munter betrieben wurde,da treibt es immer auch auf denTurnfahrten" solche Reiseblüten. Für die Zög-linge der Volksschule auf dem Lande ist wohl am wenigsten Aussicht auf derartigeFahrten. In den Kreisen, aus denen sie sich bevölkert, steht der Kampf um das täg-liche Brot oder überhaupt der Sinn für materiellen Erwerb so entschieden obenan,daß jeder Spaziergang schon als überflüssig gilt. Ein echter Bauersmann würde miteinem Gange, der ihm nichts eintragen könnte, seinen Namen zu beflecken fürchten, undwäre es ihm wirklich einmal außerordentlicherweise um einen Gang ins Freie alssolchen zu thun, so würde er ihn wenigstens mit einer Haue oder Feldschau oder sonsteinem wirtschaftlichen Vorgeben maskieren. Hier bedarf es der lakonischen Weisung(II. S. 768) nicht:Gehet nicht spazieren!" In diese Anschauung wächst auch dieJugend des Landvolks hinein. Man darf froh sein, wenn nur Kirchen- und Schulbesuchnicht auch als Müßiggang angesehen wird. Auf alle Vakanzzeiten haben schon die Feld-und namentlich Erntegeschäfte (Heu-, Öhmd-, Getreide-, Wein-, Hopfen-, Kartoffelernte)