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Reisen.
auf zu denken, diesen Mangel einigermaßen durch künstliche Mittel zu ersetzen. — Einesvon den näher liegenden Mitteln zur Förderung dieser Reiseart ist der jeweilige Reiseaus-flug mit jungen Leuten; auf solcher Reise gilt es, die eigene Kraft aufzubieten, Er-müdung nicht zu achten, Wind und Wetter zu nehmen, wie sie kommen, gewohnte Be-quemlichkeiten zu entbehren, Hunger, Durst und sonstige Strapatzen zu ertragen. Dasstählt Kraft und Gesundheit; besonders den Stadtkindern, die seltener ins Freie kommen,thut solche tagelange Bewegung in Gottes freier Luft und Natur auf das viele Sitzenauf der Schul- und Studierbank wohl.
Ein besonderer Vorteil ist die Bereicherung der Naturanschauung. Einfür pädagogische Zwecke unternommener Reiseausflug sucht sich natürlich eine Gegendaus, die auch, was Naturgenuß betrifft, von Bedeutung ist. Wald, Felsen, Berg-gewässer, in ihrem muntern, stürzenden Laufe, die Aussicht von der Höhe auf die fernen.Thäler und Ebenen hinab, die wechselnden malerischen Gebilde, wie neu ist das allesden meisten jungen Wanderern! Da lagern sich Anschauungen im Gedächtnis, die mitheimziehen und dem Mann noch als freundliche Bilder vorschweben.
An die Natur schließt sich das Men scheuleben an in seinem mannigfaltigenTreiben. Die Zeugnisse von der Geschichte alter Zeiten, alte Städte und Städtlcin,Schlachtfelder mit ihren geschichtlichen Erinnerungen wechseln mit den Wahrzeichen derneuen und neuesten Zeit. Hier rauchende Kamine; sie verkündigen eine Fabrik, einEisenwerk, eine Glashütte, und erinnern an den Gesamtfleiß von tausend Händen zueinem Zweck. Dort ein schlanker Dampfer, der rüstig die Wellen des Stroms durch-schneidet. Oder wir steigen gar, das Grubenlicht in der Hand, den tiefen Schachthinab in ein Bergwerk und belausche» den Bergmann, wie er der Erde ihre tief ver-borgenen Schätze entreißt. Überall Beiträge zum Verständnis des menschlichen Lebensund Treibens, seiner Sitten und Gebräuche, seiner Sprache und Art. Der Gesichtskreisder Jugend wird weiter, sie merkt, daß „hinter dem Berg auch noch Leute wohnen".Was er auf der Schulbank und aus Büchern von Land und Leuten gelernt, das trittnun dem jungen Pilger anschaulich entgegen und wirkt auch wieder belebend, berichtigendauf seine Vorstellungen von den Dingen zurück. Der Anblick einer oft genannten Stadt,eines Berges, Stroms, wie wichtig wird ihm dieser für den Schatz seiner Erkenntnis!Die Anschauung fremder Gegenden, Städte, Länder regt an zur Vergleichung mit demHeimischen und Bekannten; sie reizt und schärft das "Urteil, lehrt die beiderseitigen Vor-züge oder Mängel abwägen, hilft das heimische Gute schätzen, das Mangelhafte er-kennen und bessern.
Auch Wille und Charakter können aus solchen jugendlichen Reisen mancheFörderung gewinnen. Selten geht es auf ihnen ohne Anstöße, ohne unerwartete Ver-wickelungen und Abenteuer ab. Daran kann sich Besonnenheit, Klugheit, Geistesgegen-wart, Beharrlichkeit rc. üben und erproben. Ist ein rechter Erzieher der Führer derjungen Wanderschar — und wir setzen das als Regel voraus — so wird das Zu-sammensein auf der Fahrt, das gemeinsame Ertragen der gleichen Mühen und Anstren-gungen, das gemeinsame Genießen der Reisefreudcn, die notwendig gegebene nähere Be-rührung beiderseits auch innerlich näher führen. Da gehen dem Erzieher Herzen auf,die ihm vielleicht bisher verschlossen geblieben, wie sich umgekehrt auch sein eigenes Herzinehr menschlich aufthun kann gegen die jungen Gefährten, als das während der Schulzeitzu geschehen pflegt. Es knüpft sich auf solch einer gemeinschaftlichen Reise leicht einBand des Vertrauens und der Liebe, das auch in der Zeit, da man wieder in dieSchule eingerückt ist, fortdauert.
Auch das wird der Erzieher nicht gering anschlagen, daß mit einem solchen Aus-flug ins Land auf geraume Zeit ei» harmloser Gedanken- und Unterhaltuugs-stoff weiter unter die dabei beteiligten jungen Leute kommt. Im jungen Gemüteist ein natürlicher borror vnoui; es will immer etwas umtreiben, und es ist keine derkleinsten Aufgaben für die häusliche und Anstaltserziehung, zu sorgen, daß die jungen