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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Reisen.

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Ländern, in Altbayern, Tirol, Österreich in Gestalt der während ihrer Vakanzen um-ziehenden und ein Viatikum suchenden Studenten zu suchen sein dürften, waren viel aufReisen, oft mehr als in der Schule; aber dieses ihr Herumfahren in aller HerrenLändern geschah nichts weniger als im Namen der Pädagogik, sondern war eben Folgeder jämmerlichen Schulverhältnisse jener Zeit. Als diese, namentlich infolge der Refor-mation sich besserten, ging etwas von dem ascetischen Ernste der Zeit auf die Schulenüber; diese trugen noch vorwiegend ein kirchliches Gewand und man übersah dabei, daßdas Wörtlein:Wartet des Leibes" im Grund auch für die Jugend in der Bibel stehe.Die einseitige Richtung auf die Bildung des Geistes ließ keine rechte Sorge für dieAusbildung des Körpers aufkommen. Erst Locke, Rousseau und die philanthropischeSchule lenkten hierauf die Aufmerksamkeit. Die Gymnastik der Griechen erwachte wieder,wenn gleich in anderer Gestalt, und an die regelmäßigen Leibesübungen (Gutsmuths)schloffen sich bald auch in den Erziehungsanstalten jener Richtung größere kraftstärkendeSpaziergänge, Märsche und endlich jeweilige Reisen. Die Zöglinge Salzmanns inSchnepfenthal z. B. machten in ihren Ferien gewöhnlich unter Führung und Aufsichtvon einem oder mehreren Lehrern solche Ausflüge in die Nähe und Ferne; dieReisender Salzmannschen Zöglinge" geben eine Beschreibung davon. In Karl Ritters, desersten Salzmannschen Zöglings, Leben von Kramer vergegenwärtigt sich uns diesesMoment der Erziehung aufs neue.

Schon der Zug nach demHinaus!", der in jedeni kräftigen Knaben liegt, istbedeutungsvoll. Tiecks Wanderlied ist der Jugend so recht aus dem Herzen gesungen:Über Reisen kein Vergnügen,

Wenn Gesundheit mit uns geht;

Hinter uns die Städte liegen,

Berg und Waldung vor uns steht.

Jenseits blickt der Himmel heiter,

Rege Sehnsucht treibt uns weiter.

Es ist aber nicht bloß die Befriedigung dieses ahnungsvollenHinaus in dieFerne!" was für jugendliche Reisen spricht, sondern es lassen sich auch manche bleibendeVorteile nennen. Da ist die Übung und Kräftigung des Leibes; denn unserepädagogischen Reisen sind natürlich Fußreisen, wo der junge Wanderer sich, in derRegel wenigstens, nnt eigenen Kräften von dannen hilft. Wenn hier und da eine min-der anziehende Strecke auf einem'Leiterwagen durchfahren wird, wenn sich da und dorteinmal ein Kahn auf dem Flusse bietet oder ein See zu überschiffen ist, so fördert dasnur den Zw ck solcher Reisen. Wir lassen auch das Dampfgefährte zu Wasser oderzu Land für einige Zeit als Erholung gönnende oder Zeit gewinnende Abwechselunggelten; aber im ganzen sei Fußgehen die Regel. (Vgl. den Art. Fußreisen II, 767.)Man ist manchmal versucht, unsere männliche Jugend um der Leichtigkeit und Bequem-lichkeit willen, mit der sie jetzt ihre meisten Reisen mittels der Eisenbahn macht, wahr-haft zu bedauern. Wie mancher Schulweg vom Lande in die Stadt, der sonst rüstigabmarschiert wurde und der den jungen Schulpilger für sein Leben lang knochen- undwetterfest machte, wird jetzt abgefahren; fahrende Schüler in neuer Erscheinung.Die schönen Reisen der Gymnasiasten und Studenten in die Vakanz und aus derselben,das omuiu inen insouin xorto auf dem Rücken, den Ziegenhainer in der Hand, lie-bendes Sehnen oder Erinnern im Herzen, das muntere Reiselied im Munde, das ver-schwindet mehr und mehr. Man drückt sich bequem in eine Dampfwagenecke und kommtwie in Schlaf und Traum zum Ziele; selten genug gehen Studenten zu Fuß in dieFerien. Auch das bißchen Poesie, das sich unserer wandernden Handwerkerjugend auf-that, wenn es in die Fremde gieng, ist nun vom Geraffel der alles ausgleichendenEisenbahn verscheucht. Wir wollen nicht griesgrämlich mit den Fortschritten unserer Zeitrechten; sie sind unaufhaltsam und haben auch ihre Lichtseiten. Aber da manche Übungund Stärkung der jungen Leibeskraft, wozu früher das Leben selbst gezogen, nun in-folge der so sehr geförderten Reisemittelwegfällt, so hat die Erziehung umsomehr dar-