Druckschrift 
7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
Seite
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Reisen.

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Blick nach diesen Stätten zu thun, einreißender Unsauberkeit gleich anfangs zu begegneirund hierbei die Mitwirkung der Schüler selbst, zu beanspruchen, z. B. durch Auflagealsbaldiger Anzeige einer Vorgefundenen Verunreinigung. Auch die Wände sind reinzu halten. Die Heimlichkeit sowohl als die Natur dieser Orte reizt bekanntlich ebensoden Witz als die Unfläterei zu Inschriften aller Art. Man könnte fast von einer Ab-trittlitteratur reden. Auch die Schule liefert schon ihre Litteraten dazu. Hiergegen giltstrenge, alsbald und alles vernichtende Censur, damit der heimliche Ort nicht eine Stättedes Ärgernisses werde, und außerdem bei Entdeckung des Thäters strenge, ja beschimpfendeStrafe, krineixiis odsta. Beide Geschlechter erfordern natürlich abgesonderte Ortemit entsprechender Einrichtung. Dem massenhaften Andrange zu diesen Stätten könntedurch Benützung derselben während der Unterrichtszeit zwar begegnet werden; allein dieStetigkeit des Unterrichts würde dadurch beeinträchtigt, wiewohl sich immer einzelne Aus-nahmen durch die nötige Rücksicht auf Krankheits- oder Schwachheitszustände aufdrängenwerden. In der Regel gebietet der Hauptzweck der Schule die Beschränkung dafür ausbestimmte Zwischenzeiten: doch möchte der Übelstand des massenhaften Andranges auchwieder sein Gutes haben; denn es liegt eben darin, wenn nur dabei über der nötigenOrdnung gewacht wird, -eine gewisse Sicherung gegen die bekannten Sünden der Un-reinigkeit, die sich je und je an solche Orte flüchten. Behagliches Verweilen an denselbenist cs nicht, worauf der Erzieher zu denken hat. Doch genug von dieser widrigen unddoch so wichtigen Aufgabe, die schon manchem gewissenhaften Schulmanne das Herzbeschwert hat.

Es bleibt uns nur noch übrig, etwas von den Mitteln zu sagen, durch welchedie Jugend in Haus und Schule für Reinlichkeit zu ziehen ist. Einzelne derselbensind bereits gelegentlich genannt worden. Wir beschränken uns darauf, zwei Haupt-punkte hervorzuheben. Einmal: die Erziehenden, sie seien Eltern oder Lehrer, müssensich stets des lebendigen Zusammenhanges bewußt sein und bleiben, inwelchem die Tugend der Reinlichkeit mit ihren Schwestern und mitder Gesamtausgabe der Erziehung steht, und dürfen die in diesen Bereichfallenden Dinge nicht als Kleinigkeiten wegschätzen. Sie sind es, wenn man will, aberauch sie mehren sich, wie alles Kleine, im Entwicklungsleben der Jugend mit der Zeitzu bedeutenden Summen. Der Herr will, daß man ihm die auf seinen Namen ge-taufte Jugend zu einem Volke heranziehe, das vor ihm diene in heiligem Schmuck; dazubedarf es der äußeren wie der inneren Heiligung. Wer sich dieses Willens Gottes klarbewußt bleibt, der wird in dem allerdings beschwerlichen Kleinkriege gegen den zähenFeind nicht so leicht ermüden. Nirgends fast belohnt sich die Treue im geringsten sosicher als in der Erziehung. Dann aber sei man selbst auch in dieser Tugend einermunterndes und ziehendes Vorbild. Jede Krebspredigt ist mißlich; eine Reinlichkeils-predigt aber im Munde eines selbst nicht reinlichen Vaters oder Lehrers ist es in denAugen der Jugend um so mehr, als der Gegensatz zwischen Reden und Thun hier auchder Jugend ins Auge springt. Wer die Unreinheit an den eigenen Kleidern, Büchern,Heften, im eigenen Haushalt nicht sieht, nicht beachtet, der wird sie auch bald an denKindern, an der Schuljugend nicht mehr gewahren. Alle guten Vorschläge der Pädagogikzur Förderung der Reinlichkeit setzen das beständig wachende Auge des Erziehers voraus.Ist dieses geschloffen, so ist durch jene nur der Sand gepflügt.

V. Strebet P (Schräder.)

Reisen. Die Schüler der im Mittelalter bestehenden Schulanstalten waren viel-fach gereiste Leute; hatten sie ja zum Teil ihren Namen vom Reisen oder Fahren:fahrende Schüler oder Scholasten. Die älteren, dieBachanten", zogen mit denjüngeren, denSchützen", in die Kreuz und Quere durch das Land, je nachdem sieder Ruhm einer Schule oder auch der Wandertrieb und abenteuernde Sinn lockte.(S. d. Art. Bachanten, I. S. 838 ans K. v. Räumers Mitteilungen über ThomasPlatter.) Solche fahrende Scholasten, deren letzte Ausläufer noch heute in katholischen