Reinlichkeit.
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haben schon beim ersten Anblick von Europäern deren Kleider zum Leibe selbst gerechnet.Ihre Anschauung ist nicht ganz ohne Grund. Die Kleider, welche die Blöße desMenschen decken, stehen in näherer Beziehung zu seinem Wesen, als man gewöhnlich an-nimmt. Der Nock macht nicht den Mann, aber er stellt ihn dar. Der Lehrer hatzwar bei der Wahl der Kleidung nicht dreinzureden; aber er kann manches für derenSchonung und Reinhaltung thun. An den Kindern höherer Stände, besonders Mädchen,geschieht manchmal des Guten zu viel: Reinheit und Feinheit schlägt in Putzsucht undModethorheit um. Hier gilt es zu mäßigen und die Jugend vor fratzenhafter Über-treibung zu schützen. Den meisten Kampf aber bereitet die Armut. Hier muß oft dasnächste Beste Vorhalten und es fehlen nicht selten die Mittel, je und je auch Wille undGeschick, die armen, brüchigen Kleider auch nur ordentlich zusammenzuflicken. Dennochstehe als Regel fest: Kleider unbefleckt, doch wohl geflickt. Man dulde keine Risse undLöcher in denselben und treibe Kinder und durch sie Eltern zum Wahrnehmen undBesten: solcher Schäden. Bei größeren gilt ein Hilfdirselbst! Die Beinkleider derKnaben sind oft bei üblem Wetter, wo man nicht wehrt, tage-, ja wochenlang, „mitjedes Weges Unterschied besprengt". Da thut je und je eine Musterung not. Klopfstockund Bürste nicht zu schonen. Die Fußbekleidung macht auf dem Laude Not. Ist sienicht täglich gewichst oder geschmiert, sie sei wenigstens gereinigt. Selbst bei jungenBarfüßern im Sommer wird man sich die Wasserscheu verbitten müssen.
Sehen wir 3. die Schulgeräte der Kinder. Wie werden oft die Bücher ver-derbt, mit Tinte besudelt, mit Eselsohren an den Ecken entstellt, durch spielendesRupfen und Zupfen geschunden, bei älteren und höheren Schülern wohl auch mit Ein-schreiben und Randzeichnungen verunziert. Reine, geschonte Bücher, reine, sorg-fältig gehaltene Hefte! Der Lehrer dulde weder gesudelte, noch besudelte Arbeiten.Kalligraphische Sorgfalt ist ein Förderungsmittel der Reinlichkeit. Die gesudelte, dieverkleckste Seite ohne Gnade abzuschreiben. Das lehrt aufmerken, macht vorsichtig.Fließblatt, unbedruckt, soll nie fehlen. Schiefertafeln nie mit der bloßen Hand zu löschen,Federn nicht mit den Fingern auszuwischen, noch weniger an den Kleidern. Schwämm-lein, Lümplein!
Besondere Beachtung erfordern 4. die leiblichen Aussonderungen. Der Gebrauchdes Schnupftuchs dünkt immer noch manchem Landbewohner überflüssig; Ärmel oderSchürze muß da bei den Kindern noch manchmal helfen. Die Enkel des Spiegel-schwaben finden wohl auch sonst in deutschen Gauen ihre Brüder. Ein Tüchlein ge-hört zur anständigen menschlichen Ausrüstung, auch behufs des Fußbodens, der nichtzum allgemeinen Spucknapfe werden darf. — Viel Not macht der Abtritt und seinerichtige Benützung. Ist es schon eine Art Ehrensache des Menschen in einem Privat-hause, diese geheimen Stätten möglichst rein zu halten, so wird dies Gebot noch dring-licher in einem Schulhause, wo Hunderte von Kindern und jungen Leuten mit ihrenBedürfnissen auf denselben Ort angewiesen sind, und diese Massenhaftigkeit des Bedürf-nisses wird noch gewichtiger durch die aus verschiedenen Gründen wünschenswerte Gleich-zeitigkeit ihrer Befriedigung. Es gilt hier die Rücksichten, welche Naturbedürfnis, Ord-nung, Reinlichkeit, Schamhaftigkeit und Sittlichkeit fordern, miteinander zu vereinigen.Vor allem ist eine solche bauliche Lage der Abtritte nötig, daß die Luft des Hausesnicht dadurch verpestet werde. Tie Schulhäuser lassen in dieser Beziehung häufig nochviel wünschen. Die Orte sind nicht gehörig abgelegen, oft nicht geräumig genug, nichtzweckmäßig eingerichtet. Wo irgend möglich, sollten sie nicht im Schulhause selbst, son-dern neben demselben stehen. Die Wasserrinnen sollten im Interesse der Schamhaftigkeitstellenweise abgeteilt sein. Die Schule kann hierin von den Eisenbahnhöfen lernen, diegleichfalls für die Möglichkeit massenhafter Befriedigung solchen Bedürfnisses zu sorgenhaben. Zur Verhinderung des rohen und verunreinigenden Stehens auf die Sitzbretterhat sich die schiefe Richtung derselben in einem Winkel bewährt, der das Stehen daraufunmöglich macht, ohne doch den Hauptzweck zu verhindern. Es lohnt sich, täglich einen