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Reinlichkeit.
ermöglichen. — Reine Sitze! Die Schultische und Bänke sollten jedesmal vor An-fang der Schule abgekehrt, besser noch abgewischt werden, da sonst die Kleider diesenDienst thun müssen. Zu dieser kleinen Bemühung für das Ganze sind gleichfalls Kinderin bestimmtem Wechsel anzuhalten. Die Sache ist der nötigen Staubhadern wohl wert.Namentlich ist das Hinein- oder Heraussteigen über Tisch und Bänke, um zu einemSitze oder von diesem heraus zu gelangen, aus Fürsorge für die Reinlichkeit durchausnicht zu gestatten. Man halte darauf, daß, wenn einzelne Schüler aus ihren Sitzenherauszugehen haben, diese die im Wege sitzenden Mitschüler ersuchen, aufzustehen undPlatz zu machen, und mache es diesen ein für allemal zur Pflicht, solchem Gesuchezu willfahren. So kommt man menschlich und gesitteterweise heraus und hinein. Ist daszu umständlich? raubt es zu viel Zeit? Was Reinlichkeit und gute Sitte zugleich för-dert, was in der Selbstverleugnung um einer Freundlichkeit willen übt, ist das kleineZeitopfer wohl wert. Oder ist's nicht wirklich eine Roheit, wenn die vielleicht schmutzigenFüße der Ein- und Aussteigenden auf die Sitze der Kameraden treten und, was dannkaum zu vermeiden, ihre Kleider beschmutzen? Daß es aber kein Überfluß sei, solcheDinge noch manchem Lehrer zu Gehör zu reden — und wäre er ein Priester der Imnin-niora am Gymnasium —, beweist die Praxis. — Reine Subsellien! Ohne Farb-anstrich sind sie schwer vor Beschmutzung zu bewahren und sollten darum von Zeit zuZeit gründlich gefegt werden. Bester ist's, wenn sie mit Oelfarbe augestrichen sind. Sowagt sich auch weniger leicht das beschnipfelnde Messer an sie. Dem Verewigungstriebedurch Einschneiden von Namen ist mit Ernst zu wehren, nötigenfalls durch alsbaldigeAusbesserung auf Kosten des Thäters. — Reine Wände! Frei von Inschriftender „Narrenhände". Der trostlosen Nacktheit der Wände sollte neben entsprechendenKarten durch passende Bilder abgeholfen werden, die sich ohne große Kosten beschaffenlasten. Das Gymnasium, welchem Schreiber dieses seine Bildung verdankt (Ansbach),hatte in dieser Beziehung eine Einrichtung, die im Interesse des mit der Reinlichkeitso eng verbundenen Schönheitssinnes Nachahmung verdient. Jährlich wurde eine Anzahlder besten Zeichnungen auf Kosten der Anstalt eingerahmt und nach der Ausstellung zurSchlußprüfung am Ende des Schuljahres im Saale des Hauses aufgehängt. Bon diesemaus empfingen nach und nach die Lehrzimmer je eine Anzahl von solchen Bildern zurBelebung und Verzierung ihrer Wände. Da finden Kinder und Enkel Zeichnungenvon Vater und Großvater. Erscheint hier die Reinlichkeit in ihrer Verwandtschaft mitdem Schönheitssinn, so trat bei einer in der Erziehungsanstalt Stetten bestehenden Ein-richtung noch die weitere Verwandtschaft derselben mit der Ordnung hinzu. Da standein vorne offener, drahtgegittcrter Schrank, in dem alles, was unaufgeräumt liegenblieb oder verloren war, ausgestellt wurde und gegen ein gewisses Strafgeld von denEigentümern gelöst werden mußte. Aus dem Erlöse wurde von Zeit zu Zeit ein schönesBild gekauft, unter Rahmen und Glas gebracht und demjenigen Zöglingskreise zur Ver-zierung seines Zimmers geschenkt, der die „Findel", wie der jugendliche Witz den Schrankbenannte, am wenigsten bedurft hatte. Alles, was den Sinn für Ordnung und Schön-heit weckt und fördert, kommt auch der Reinlichkeit zu gute.
Wenden wir dem Blick nun von dem Raume der Schule weg auf die Jugendselbst, welche denselben täglich erfüllt, von der örtlichen Reinlichkeit auf die per-sönliche, so stehe als unverbrüchliche Ordnung fest: l. Rein am Leibe, vomScheitel bis zur Fußsohle. Die Haare gekämmt oder geflochten! Wo nicht, so schickeman den jungen Strobelkopf alsbald heim, um das Versäumte nachzuholen. Damit be-kommen auch die Eltern eine Mahnung. Zeigt sich im Haare Ungeziefer, so drücke mannicht die Augen zu, verfahre aber schonend, rede besonders mit dem Kinde oder auchden Seinen. Im äußersten Falle setze man es allein. Für Krätzige Verbot des Schul-besuchs, aber Hinweis auf zweckdienliches Heilverfahren. 2. Reine Kleider! DieKleidung, welche den größten Teil des Leibes deckt, mag je nach Stand und Vermögender Eltern noch so verschieden sein, eines sei allen gemein: rein und ganz! Wilde