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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
Entstehung
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Reinlichkeit.

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Von großer Wichtigkeit ist in dieser Hinsicht die Reinlichkeit des elterlichenHauses, in dem das Kind zunächst seine Welt hat. Wie für jede andere Tugend,so wirkt das Bild der Umgebung, in der das Kind aufwächst, auch für die mehr-genannte maßgebend, grundlegend. Das Kind hat an dem, was es von seinen erstenSehübungen an um sich her an Menschen und Dingen erblickt, einen Maßstab, andem es unwillkürlich alles andere bemißt und daran ihm mehr und mehr das Schöneder reinen Gestalt und das Häßliche in jeder Art der Verunreinigung zum Bewußtseinkommt. Das Beispiel der eigenen Reinlichkeit entbindet die Eltern zwar nicht von dererziehenden Sorgfalt und Arbeit, um das Kind immer mehr zur Vermeidung alles Un-reinen zu gewöhnen; aber diese Arbeit kann in solchem Falle auch ihres Erfolges ziem-lich sicher sein, während Kindern aus unreinlichen Häusern die Unreinlichkeit anhängt.Es fehlt ihnen der hierfür gebildete Blick; sie sehen den Schmutz nicht als Schmutz,er hat für sie nichts Beleidigendes. Es wird solchen Leuten, die in Schmutz undUnsauberkeit ausgewachsen sind, darin mehr und mehr wohl, heimlich und bequem,während sie sich in Orten und Umgebungen, wo der Geist der Reinlichkeit waltet, fastunbehaglich fühlen. Es bildet sich da mehr und mehr ein Geist der Unsauberkeit, dersich auch leicht noch mit andern verwandten Geistern, mit einer gergesenischen Ab-stumpfung gegen alles Edle und Schöne, mit geschlechtlicher Unreinigkeit, faulem, schand-barem Geschwätz u. dgl. mehr vergesellschaftet.

Vom Schulalter an tritt auch die Schule in die Arbeit ein. Sie muß ihreKinder nehmen, wie sie kommen, aus reinen und unreinen Häusern. Höhere Schulen,die ihre Zöglinge aus den gebildeteren Ständen ziehen, genießen einen fühlbaren Vorzug;die Volksschule hat auch hier mehr aus dem Groben zu arbeiten. Wir fragen bei dieserArbeit zuvörderst nach den Räumlichkeiten. Das Schulgebäude sei zwar kein Palast,aber anständig und wohl erhalten; der Zugang zur Thüre nicht durch Kot und Pfützen,sondern wohl gebahnt; Streifeisen vor derselben, vor den Thüren zu den Schulzimmernzweckmäßige Streifbretter. Im Schulzimmer, das nach Weite und Höhe geräumig genugsein muß, vor allem reine Luft. Es ist noch weit nicht von allen Lehrern begriffenund praktisch bezeugt, daß reine, rechtzeitig und zweckmäßig erneute Luft ein wesentlichesLebens- und Gesundheitsmittel für den Lehrer selbst und namentlich für die in der Ent-wicklung stehenden Kinder sei. Mancherlei skrophulose Erscheinungen, schwerer Atem, derneuentdeckte Schulkropf u. dgl. stehen damit im Zusammenhang. Auch das geistige Lebender Jugend ist dabei nicht ganz unbeteiligt. Eine dumpfe Schulluft wirkt auch auf dieKöpfe und Herzen derselben verdummend ein. Schlimm genug, daß die meisten Eltern,besonders auf dem Lande und in ärmeren Häusern, von der Wichtigkeit der Luft fürdie eigene und ihrer Kinder Gesundheit keine Ahnung haben. Die Schule muß hier-gegen mit Wort und That einschreiten. Reiner Boden! Diesen bei dem täglichenEin- und Ausgehen einer Kinderschar in der Weise rein zu halten, wie den Zimmer-boden in einem Privathause, ist unmöglich. Aber der Kanipf mit Schmutz und Staubmuß auch da nach Kräften ausgenommen werden. Von Zeit zu Zeit Stadt undLand, Natnr und Art der Schulen bestimmen die Zeiträume Hauptreinigung. Sonstthun Besen, Kehrwisch und Staublappen täglich das ihrige. Auf dem Lande ist es garnicht übel, ältere Kinder, besonders Mädchen, in paffender Abwechslung mit dem täg-lichen Auskehren der Schulzimmer zu betrauen. Es ist ein Dienst für das gemeineBeste und zugleich eine Übung, durch die sie auch an die Reinhaltung der eigenenWohnungen erinnert werden. Das Schulzimmer soll eben, was Reinerhaltung betrifft,für die Kinder wir denken dabei namentlich an Landgemeinden ein Muster sein.Mit allem Ernste ist darüber zu wachen, daß der Boden des Schulzimmers nicht mitAbfällen von Papier oder Obst bedeckt werde. In Schulen, wo der Lehrer kein Augedafür hat, bilden sich unter Tischen und Bänken von dem, was die Kinder, sei es vorder Schule, sei es in der Zwischenzeit verspeisen, oft wahre Miststätten. Ein Kästchenoder ein ähnliches Gefäß zur Aufnahme von Abfällen hilft die Reinhaltung des Bodens

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