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7,1 (1886) Reinlichkeit - Schiller
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Reinlichkeit.

Toga zu würdigen und stieß sich an der cynischen Vernachlässigung des Äußern. DerWert, den man auf Baden und Bäder für reich und arm legte, ist zugleich ein Zeugnisfür den Reinlichkeitssinn der alten Culturvölker. Auch die Gebildeten unter unfernheutigen Heidenvölkern, der Bramme in Indien, der Mandarin in China, halten aufreinen Leib und reinen, schmucken Anzug. Die reine Erscheinung des Menschen zeugtfür Bildung und Selbstachtung. In dem Maße, als diese überhaupt entwickelt ist, trittauch jene ins Licht. Doch vermochte und vermag die bloß äußerliche und eben nuraus dem natürlichen Menschen stammende Reinlichkeit und wäre sie bis aufs äußerstegetrieben, nicht die Reinigkeit des inneren Menschen zu bewirken. Die wahre, diechristliche Reinlichkeit geht von der inwendigen Reinigung des Herzens und Gewissensaus. Der von allem ungöttlichen, unheiligen Wesen gereinigte und sich in der dar-gereichten Geisteskraft von oben fort und fort reinigende Geist dringt aus dem Hei-ligtum des inwendigen Menschen heraus und leuchtet als ein Licht auch in das leib-liche Leben hinein. Als auf dem Berge der Verklärung das sonst verborgene Licht derGottesherrlichkeit aus dem Herrn auf Augenblicke hervorleuchtete, da ward (Luk. 9, 29)die Gestalt seines Angesichts anders, und sein Kleid ward weiß und glänzte." Etwasvon dieser Durchleuchtung des Leibes und der Kleidung, von dieser Beleuchtung dernächsten Umgebung vollzieht sich bei jedem wahren Christen, etwas von dem Lichtglanze,der sein Inneres durchleuchtet, fällt auch auf seine leibliche Erscheinung. Wer dasVolk auch in seinen niedrigen und ärnieren Schichten kennt, der weiß aus Erfahrung,daß wahrhaft christlicher Sinn und Wandel in der Regel auch mit leiblicher Reinlich-keit verbunden ist. Die Stuben der frommen Armut sind gewöhnlich gekehrt, geordnet,die Kinder derselben gewaschen, gekämmt, ihre Kleider verhältnismäßig sauber und geben,auch wenn sie schadhaft geworden, Zeugnis, daß die Nadel nicht müßig gewesen.

Aus alledem leuchtet von selbst die pädagogische Bedeutung der Reinlichkeit ein.Die Gewöhnung zu dieser Tugend ist kein geringer Teil der Arbeit, durch welche derMensch und sonderlich das Christenkind seinem Bildungsziele zuzuführen ist. Das Eben-bild Gottes und Nachbild Christi soll auch in einem reinen Leibestempel wohnen undder Tempel in reiner Umgebung stehen. Es war darum dem höchsten Erzieher, dersein Volk Israel zog,wie ein Vater seinen Sohn zeucht", nicht zu gering, die Reini-gung des inneren Menschen auch durch allerlei leibliche Waschungen und Reinigungenabzuschatten und vorzubilden, und sein Knecht Mose hat, wie Zeller sagt,auch dasSchäufelein nicht vergessen" (5 Mos. 23, 13), mit dem Beisatze:Darum soll deinLager heilig sein." Zeller fügt noch bei:Reinlichkeit gehört zur äußeren Heiligung";und das englische Sprichwort sagt nicht mit Unrecht: olsaulinsss is naxt to Aockliimss.Rechnen wir noch hinzu, wie eng Reinheit und Schönheit verschwistert sind (das Schönekommt vom Schonen," sagt Rückert), ferner, wie innig sich Reinlichkeit und Ordnungs-sinn berühren, nehmen wir dazu den Einfluß, den die persönliche und örtliche Reinlich-keit oder ihr Gegenteil auch auf die leibliche Gesundheit übt, ja, wie selbst das Gedeihendes Haushaltes hiermit berührt wird, so ist gewiß die Forderung an die erziehendenPersonen in Haus und Schule wohlbegründet, daß sie den Sinn für leibliche Reinheitmit aller Sorgfalt wecken, nähren und bilden.

Das Erste und Beste muß hierbei schon in der Kinderstube geschehen. Schondie Wiege fordert dazu auf. Kleine Kinder, reine Kinder! Die Mutter, die ihrenSäugling fleißig badet, ihr Kindlein nach jeder Beschmutzung wäscht, seine Windelnund Kleidlein immer wieder von geschehener Verunreinigung säubert und es nach undnach auch selbst zu rechtzeitiger Reinigung anhält, legt dafür den Grund. Das Kindwird so gewöhnt, den Schmutz als etwas Ungehöriges zu erkennen und zu meiden. Eslernt so sich vor Beschmutzung hüten oder dieselbe alsbald wieder entfernen, sich rei-nigen und rein halten. Es ist ihm alsdann selber nicht mehr wohl, wenn es etwasUnsauberes an sich sieht. Und dies gilt sogleich auf der ersten Stufe von seinem Leibe,namentlich Gesicht und Händen, von seinen Kleidern und seinem kleinen Besitztum.