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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Miidchcnerzichmig.

durch stete Unterbrechungen alle Zwecke des Unterrichts illusorisch macht; 2) der imganzen dürftige Standpunct der intellectuellen Bildung, welchen trotzso vieler auf dieselbe gewendeten Zeit und Mühe das weibliche Geschlecht, selbst inden höheren Ständen, in Deutschland einniimnt und 3) die Störung des häus-lichen Lebens, welche durch diese Ueberladung der jungen Mädchen mit Lehrstundenund Arbeiten dieser Art entsteht und welche das gemüthvolle und ruhige Zusammen-leben der Familienglieder fast ganz aufhebt. Wie tief die geringe Berücksichtigungdieser schwer zu leugnenden Wahrheiten mit den tiefsten Schäden unseres nationalenLebens zusammenhängt, worauf mit gutem Rechte Waitz (a. a. O.) deutet, wird keinementgehen können, der von der Bedeutung des weiblichen und des häuslichen Lebensfür die Entwicklung eines Volkes eine Ahnung hat. Aber das Verständnis für dieseDinge ist ein so seltenes, daß sogar viele Eltern dem ganz verkehrten Grundsätze hul-digen, ein Mädchen müße, so lange sie die Schule besucht, von allen häuslichen Ge-schäften befreit werden. Gerade dies ist das Falsche. Das Mädchen soll vonfrühester Jugend an das Haus und die Sorge für dasselbe als seine Heimat undseine Lebensaufgabe erkennen, es soll niemals aufhören, für dasselbe thätig zu sein unddieser Thätigkeit niemals entwöhnt werden. Es giebt für das Weib keine Lage und keineZeit des Lebens, in welcher es irgend einem höheren Zwecke die Forderungen derHäuslichkeit hintansetzen oder vergessen dürfte, daß es durch jene tausendfältigenKleinigkeiten des persönlichen Dienens eine große, allen heilsame Pflicht erfülle. Isteinmal dem jungen Mädchen bis zum 15. oder 16. Jahre die häusliche Pflichtals solche ganz erlassen oder ganz fremd geblieben, so ist sehr dieFrage, ob sie zu derselben noch einmal die rechte Freudigkeit und fürdie Erfüllung derselben das rechte Geschick von der Schulbank heimbringenwerde. Nur zu oft sehen wir das Gegentheil und nur zu oft schließt sich an jenebloß geistige Beschäftigung der jungen Mädchen allmählig ein Widerwillen gegen deneigentlich weiblichen Beruf an, den keine Zeit vollkommen überwindet. Es versteht sichvon selbst, daß dein Unterrichte seine volle Beachtung, der geistigen Bildung ihre über-wiegende Wichtigkeit für das menschliche Leben eingeräumt werden muß; aber die Be-deutung der Bildung für das Weib und für das häusliche Leben wird überhaupt nichtdarin offenbar, daß ein großer Theil der Zeit auf die Beschäftigung mit rein geistigenObjecten verwendet wird, sondern darin, daß die gebildete Intelligenz und das geläutertesittliche Gefühl alle häuslichen Thätigkeiten und Zustände durchdringe. Auch dasMädchen wird in dem Alter, von welchem hier die Rede ist, das Bewußtsein habenmüßen, daß es die Schule sei, für welche es jetzt vornehmlich zu leben habe, dennhier tritt ihm ein bestimmter Pflichtcnkreis entgegen, der ganz und gar auf seine Per-sönlichkeit gerichtet ist, während alles, was das Haus von ihm fordert, mehr denCharakter der Zufälligkeit trägt; aber es soll auch in diesem allem schon wissen, daßder eigentliche Pflichtenkreis, für den auch die Schule es nur vorbilden will, das Lebenin der Familie sei, daß es daher nach Kräften dahin streben müße, der Erfüllungieser letzten und tiefsten Pflicht immer mehr fähig zu werden. Ohne Zweifel stehtdie Mädchenschule dem Hause näher, als die Knabenschule, denn während diese denKnaben für die Oeffentlichkeit, für die Welt, für das Leben im Staat, in der Ge-meinde rc. vorbereiten will, will jene das Mädchen mit dem vollen und klaren Bewußt-sein seines Berufes in das Haus zurückführen. Darum dürfen die Bestrebungen fürdie intellectuelle Bildung des Mädchens dieses niemals dem centralen Pflichtenkreiseseines Lebens ganz entfremden, und darum muß neben dem Unterrichte für diefortdauernde Beschäftigung in der Häuslichkeit die nöthige Zeit vor-handen sein. Leider wird diese dann auch noch häufig durch Musik- (besondersClavier-) Unterricht beschränkt. Ueber den Werth künstlerischer Bildung der Frauenist oben geredet worden. Eine ordentliche Schule wird durch den Unterricht im Gesängeund im Zeichnen dem Mädchen die elementaren Anschauungen und Fertigkeiten geben,welche dasselbe in das Verständnis ästhetischer Formen einführen können. Ein Weiteres