Kirche. Sofern sie einem Artikel des Orscko zum Inhalt und Objecte dient, so-fern es also ein Gegenstand christlichen Glaubens ist, das; es eine Kirche giebt, undsofern der Glaube ihr bestimmte Attribute beilegt, ist davon im katechetischen Unterrichtzu handeln. Ebenso gehört es zum erweiterten Religionsunterricht, das Wichtigste ausder Geschichte der Kirche mitzutheilen. Die Form und die Ausdehnung, in welcher dieszu geschehen hat, ist verschieden, je nachdem der Charakter des gesammten Unterrichtsein mehr wissenschaftlicher oder ein populärer ist; während die Oberclasse eines Gym-nasiums eine Darstellung im Zusammenhänge gestattet oder erheischt, ist in der Volks-schule nur Raum zur erzählenden Schilderung einzelner Persönlichkeiten, Thatsachen undZustände, namentlich solcher, die das Verständnis und Interesse für die eigene Kircheund Confession in der Gegenwart fördern, die also auf historischein Wege das kirchlicheBewußtsein wecken oder stärken. Hievon unten. Gegenwärtiger Artikel hat es indesnicht mit der Kirche als dogmatischein oder historischem Lehrgegenstand zu thun, sondernes ist von ihr selbst nach ihrer Bedeutung für die Erziehung zu reden. Diese redueirtsich auf die zwei Momente, daß 1) die Kirche selber eine pädagogische Aufgabe zulösen hat: sie ist Erzieherin und soll es sein, und daß 2) es auch eine Erziehung fürdie Kirche giebt, d. h. eine solche, die den Zögling dahin bringen, dazu bilden will,daß die Kirche etwas an ihm habe, nämlich einen treuen Sohn, ein lebendiges Gliedan ihrem Leibe, einen Mitträger ihrer Sorgen und Mithelfer an ihrer Arbeit, undmit alle dem eine Stütze ihrer Existenz, einen Bürgen für ihre Fortdauer. Beides, daßdie Kirche das erziehende Subject und zugleich der Zweck der Erziehung ist, faßt sichin die Bezeichnung: kirchliche Erziehung zusammen; von dieser ist hier zu sprechen.Was wir aber darunter zu verstehen haben, läßt sich weder darstellen noch als etwasrechtmäßiges und nothwcndiges begründen, wenn man nicht den Begriff der Kircheselbst zuerst genau feststellt; wir sind daher genöthigt, einige Sätze hierüber demjenigenvoranzuschicken, was sofort die Pädagogik speciell angeht.
I. Wenn die evangelischen Bekenntnisse von der Kirche die Definition geben, siesei ooiiKroZatio sanotorum, so ist hiemit freilich der Streit darüber nicht erledigt, inwelchem Sinne die Mitglieder dieser Congregation sanoti seien, ob in streng ethischemSinne, so daß nach donatistischer Weise alle sittlich nicht reinen Individuen durch kirch-liche Zucht müßten ausgeschieden werden, um einen Rest von wirklich Heiligen zu be-halten, oder ob es in dem Sinne gemeint ist, daß alle, die das Sacrameut der Taufeempfangen haben, durch die ihnen hiemit ertheilte Weihe zu sanotis werden, uuan-gesehen, inwieweit ihr realer sittlicher Zustand hinter dem Grade wirklicher Heiligkeitnoch zurück sein mag. Dieser Punet wird immer zwischen den religiösen Genossen-schaften streitig bleiben; die Secten stellen sich nothweudig auf die erstere, die Kirchen,wenn auch mit Unterschied in Betreff der Vorbehalte, auf die andere Seite. Destoklarer aber und bestimmter ist mit jener Definition gesagt, daß die Kirche wesentlicheine Versammlung, eine zur Einheit zusammentretende Mehrheit von Menschen ist, die,so verschieden sie sonst sein mögen, sich in ihrem Glauben eins wissen und darum auchin gemeinsamer Weise — dürch Bekenntnis und Gottesdienst, wie durch gegenseitigeLiebe — dieses Einssein im Glauben bethätigen. Daß und warum eine solche Ge-meinschaft nur auf dem Boden des Evangeliums möglich, daß es somit nur ein Miß-brauch des Kirchenuamens, ein Product modernen Schreiberregiments ist, wenn in christ-lichen Staaten jüdische Kirchenräthe eingesetzt sind, darauf ist hier nicht einzugehen.Desto wichtiger ist es, obige sowohl der Etymologie als dem biblischen Sprachgebrauch
Püdag. Vncyklopädie IV. 3. Ausl. 1