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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

Erziehung sein soll, fand man in den spartanischen Frauen ein derbes Wesen und einenfast männlichen Charakter. Das Ideal des Weibes näherte sich eben so weit als möglichdem des Mannes. I- Deuschle t.

M.

Mädchcncrzichnng. Die Ansichten über die Erziehung der weiblichen Jugendwerden immer davon abhängig bleiben, wie über die Bestimmung des Weibes undüber das Wesen der weiblichen Natur gedacht wird. Denn da die Erziehung niemalsdarauf ausgehen kann, an dem Menschen herausbilden zu wollen, was gegen seineNatur streiten oder außerhalb derselben liegen würde, da vielmehr alle vernünftige Er-ziehung nur in der Entwicklung der von Gott verliehenen Anlage ihre Aufgabe erkennenmuß, so müßen auch die besonderen Ziele der Mädchenerziehung in dem Begriffe derWeiblichkeit gesucht werden und gegeben sein. Der nothwendige Ausgangspunct fürdie pädagogische Erörterung der Mädchcnerziehung ist daher in der Frage zu nehmen,worin die Eigenthümlichkeit des weiblichen Lebens im Gegensatz zummännlichen bestehe. Der Beantwortung dieser Frage ist in dem vorliegenden Werkebereits ein besonderer Artikel gewidmet worden. Der Artikel »Geschlechter" hat denauf der Basis des natürlichen Lebens erwachsenden Unterschied des geistigen Geschlechts-charakters und die aus diesem Unterschiede abzuleitenden allgemeinen pädagogischenFolgerungen ausführlich dargestellt. Der Inhalt jenes Artikels muß daher, umWiederholungen zu vermeiden, an diesem Orte durchaus vorausgesetzt werden, da dergegenwärtige Artikel, der das Ganze der Mädchenerziehung, vom Standpuncte desHauses betrachtet, zu seinem Gegenstände hat, sich zu dem dort Gegebenen nur ver-halten kann, wie die in Licht und Schatten ausgeführte Zeichnung zu dem das Ganzebeherrschenden Umriß.

Der Unterschied der Geschlechter ist zunächst ein psychologisches Problem, welches,wie alle Urgegensätze des Lebens, niemals ganz gelöst werden wird. Mit Recht nenntdarum Carns (Psyche S. 256) das Verhältnis der Geschlechter zu einander ein irra-tionales und weist darauf hin, wie schon das, was in beiden Geschlechtern in dem »absolut unbewußten Seelenleben gleichartig und verschieden ist, so außerordentlich ver-schlungen und mannichfaltig erscheint, daß eben dadurch jedes Geschlecht dein anderenein Geheimnis, ein Jncommensurables bleibt, welches nur durch ein anderes Jncom-mensurables, durch das Geheimnis der Liebe, zum vollen Verständnis gebrachtwerden kann.

Hierin liegt schon die Andeutung, daß auch die wissenschaftlichen Bestimmungender Geschlechtsdifferenz nicht bloß der Psychologie entnommen werden können, sonderndaß es die Ethik ist, welche diesen Unterschied in seiner geistigen Bedeutung zu ent-wickeln hat. »Für den Menschen ist es charakteristisch, daß für ihn dieser natürlicheUnterschied eine geistige Gestalt annimmt, daß er zu einem Glicde wird in dein freiensittlichen Organismus, und dies ist nur dadurch möglich, daß die geschlechtlich bestimmtenIndividuen trotz ihres wesentlichen Gegensatzes die identische geistige Allgemeinheit insich tragen, sich selbst bestimmende persönliche Wesen sind." »Die Individuen sind füreinander nicht bloß Exemplare verschiedenen Geschlechts, sondern Personen mit geistigerEigenthümlichkeit, die einander als solche anerkennen, und die in ihrer gegenseitigenBeziehung ihres persönlichen Werthes gewiß sind." (v. Schaller: Das Seelenlebendes Menschen, 1860. S. 102.) Diese Erkenntnis der gleichen persönlichenBerechtigung beider Geschlechter, mit welcher die volle sittliche Gestalt der Ehe unddie Einsicht, daß erst in der Vereinigung beider Geschlechter die volle Menschlichkeit sichdarstelle, gegeben ist, gehört aber durchaus der christlichen Lebensanschauung an und istein integrirender Theil der heilsamen Wahrheit, welche der Welt in Jesu Christo auf-gegangen ist. Daß das weibliche Geschlecht erst durch das Christenthum auf eine höhereStufe des geistigen und sittlichen Lebens erhoben worden, ist in neuerer Zeit lebendiger