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Mädchenerziehung.
gespannt werden dürfe. Vorausgesetzt wird freilich, daß dieser Verkehr nicht einseitigauf Knaben beschränkt sei, worauf in manchen Familien, in denen vielleicht ein Mäd-chen neben mehreren Knaben steht, wohl geachtet werden muß, und daß ihre Spielestets überwacht werden. Geschieht dies, so werden sie auf mannigfache Weise päda-gogisch fruchtbar werden. Mit Recht hebt Dorothee Valentiner (über Erziehung undUnterricht des weiblichen Geschlechts S. 25) die Bekämpfung der Launenhaftig-keit und der Unfreundlichkeit hervor, welche hier und anderwärts bei Mädchenfrühzeitig eintreten muß. Alles was an Eigensinn und an selbstisches Festhalten einerder Umgebung feindseligen Stimmung erinnert, sollte dem Mädchen als etwas überausUnrechtes dargestellt, und um jeden Preis sollte verhindert werden, daß das Mädchenin der üblen Laune verharre. Kinder sind im allgemeinen wenig den Anfällen derselbenausgesetzt und solche, die an dauernde Selbstbeschäftigung gewöhnt sind, am wenigsten.Aber in der Gesellschaft mit anderen Kindern zeigt sie sich bald. Von Wichtigkeit istes, sie in ihren ersten Regungen zu unterdrücken, was bei dein schnellen Wechsel kind-licher Gefühle anfänglich leicht durch einen freundlichen Blick, durch ein ermunterndesWort oder durch einen Scherz bewirkt wird. Namentlich Mädchen zeigen im Umgängemit anderen Kindern oft eine Neigung zur Verstimmtheit, die, wenn ihr nicht gewehrtwird, später in ein unliebenswürdiges Schmollen und in eine unweibliche Art, sichvon dem Verkehre mit den Kindern auszuschließen und abzusondern, ausartet. Es istdas zartere Gefühl des weiblichen Wesens, welches leichter von fremden und unge-wohnten, auch wohl unangenehmen Eindrücken berührt wird. Aber je gefährlicher fürdas weibliche Leben die Herrschaft solcher Stimmungen werden kann, desto ernster sollteihr entgegengetreten werden. Mag schon das kleine Mädchen lernen, sich zu fügenund zu resigniren! Es wird ihm einst zu gute kommen. Ein großer Fehler, denbesonders schwache Onkels, Tanten und Großeltern begehen, besteht darin, daß Kinderzu sehr bedauert werden, wenn ihnen irgend eine Freude gestört worden ist.Namentlich dem Mädchen gegenüber sollte inan über dergleichen Störungen ruhig hin-weggehen, sollte sie als etwas behandeln, was sich oft ereigne und was auf unsereStimmung keinen Einfluß haben dürfe. Je weniger diesem Alter gegenüber eine Be-gründung der sittlichen Vorschriften möglich ist, desto nothwendiger ist es, die Heilig-keit und Unumstößlichkeit derselben als etwas sich von selbst verstehendes, worübernicht mehr disputirt und discutirt werden dürfe, hinzustellen. Ueberall werde die sitt-liche Forderung durch Hinweisungen auf die höchste Auctorität des göttlichen Willenszur Belebung und Kräftigung des Gewissens benutzt. Das geschieht am besten durcheinfache Aeußerungen der Art: «das gefällt Gott nicht an dem Kinde", »ein gutesKind thut das nicht", »ein frommes Kind darf so nicht sprechen" rc. Alles, auch dasGeringste, was von ihm gefordert wird, werde dem Mädchen unter dem Gesichts-puncte der Pflicht, der heiligen Pflicht, der unumstößlichen Pflicht gezeigt undnahe gelegt. Für die mancherlei Rücksichten auf das Besondere des weiblichen Lebens,was schon hier gepflegt werden muß, genügt die schlichte Regel, daß ein kleines Mäd-chen so oder so handeln und sein müße. »Ein kleines Mädchen muß reinlich sein, mußfreundlich sein, muß nicht gleich weinen, muß nicht streiten rc., wenn es dem liebenGott gefallen will." Diese Sätze sind ausreichend, um den kleinen Mädchen nichtnur zu sagen, daß es als solches mancherlei zu beachten hat, was einen: Knaben eherverziehen werden könne, sondern auch fühlbar zu machen, daß in alle dem eine gött-liche, heilige Ordnung sich kundgebe. Hat so das kleine Mädchen gelernt, was ihn:geziemt, so wird das Heranwachsende Mädchen dies nicht mehr vergessen.
Die zweite Altersstufe, welche zwischen dem Zahnwechsel und dem Hervor-treten der Pubertät liegt und etwa die zweiten sieben Jahre umfaßt, aber bei vielenMädchen schon früher beginnt und früher endet, unterscheidet sich von der eigentlichenKindheit hauptsächlich durch das entschiedenere Her vor treten der gei st igen Kräfteund durch die bestimmtere Ankündigung der Geschlechtsdifferenz. Obgleichdie erste dieser Erscheinungen die Wirksamkeit der Mutter zurücktreten läßt und dein