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ermuntern und vom Unrechten abzuleiten. Ueberschrcitet sie diese Grenze, so werden dieKinder, und vornehmlich kleine Mädchen, sich bald als den Mittelpunct der Gesellschaftansehen und der Anspruch persönlicher Berücksichtigung wird sich in unleidlicher Weisesteigern. Fenclon erzählt von einem kleinen Mädchen, welches, so oft die Eltern etwasim geheimen besprachen, der Meinung war, es werde von ihm gesprochen. Hieher ge-hört auch die Erscheinung, die oft an Mädchen wargenommen worden ist, daß sie mitihren Plaudereien die Erwachsenen nur zwingen wollen, sich mit ihnen zu beschäftigen.Allen diesen Regungen des Egoismus geht man am besten aus dem Wege, wenndas kleine Mädchen seinen unbefangenen Spielen so viel wie möglich ungestört über-lassen und daran gewöhnt wird, sich unbeachtet zu wissen. Gerade dann können dieseSpiele selbst am besten Aufschluß geben über das, was etwa in der Erziehung bisherverfehlt ist. Denn das Mädchen eopirt in seinem Leben mit der Puppe und mit an-deren Kindern noch mehr als der Knabe das reale Leben. Es reflectirt das erzie-hende Walten der Eltern darin und tractirt die Puppe nach denselben Grundsätzen,nach denen es selbst erzogen wird oder erzogen zu werden glaubt, es straft, wie es selbstgestraft wird, und liebkost, wie es selbst geliebkost wird. Hat man Leidenschaftlichkeitoder Sentimentalität in Gegenwart der Kinder geoffenbart, so wird das Mädchen so-fort dieselben Semen mit der Puppe aufführen, wird sie mit leidenschaftlichem Zornebehandeln und dann mit Sentimentalität wieder versöhnen. Wichtig ist namentlich dieBerücksichtigung des Umganges. Es ist Kindern im allgemeinen nicht gut, nur aufdie Gesellschaft der Erwachsenen beschrankt zu werden; sie bekommen dadurch leicht, unddies gilt besonders von dem feiner und rascher als der Knabe beobachtenden Mädchen,etwas altkluges. Der Umgang mit anderen Kindern muß auch dort, wo Geschwisterfehlen, dem kleinen Mädchen um so inehr dargeboten werden, als die weibliche Aengst-lichkeit durch den Mangel solchen Verkehrs auf gefährliche Weise, leicht bis zur Blödig-keit, gesteigert werden kann. Neben der oben geforderten Gewohnheit stiller Selbstbeschäf-tigung, welche fortdauernd gepflegt werden muß, dürfen daher auch die Stunden fröh-licher Gemeinschaft mit anderen Kindern nicht fehlen. lieber die Frage, ob man deinkleinen Mädchen auch Knaben zu Spielgefährten geben solle, ist Verschieden-heit der Meinungen vorhanden. Weibliche Autoren, die den Gegenstand berühren, wider-rathen es größtentheils. So fürchtet z. B. Rosa Fischer (Gedanken über weibl. Erziehung,mit einleitenden Worten von C. I. Braniß S. 33 ), daß kleine Mädchen, wenn sic zuviel mit Knaben spielen, leicht ungraziös in ihren Bewegungen werden. Dieser Grundist aber gerade das Bedenklichste an der Sache. Die Grazie, welche wir vom Weibefordern, muß auf einem sittlichen Boden ruhen, der in der Kinderseele noch nicht ge-sucht werden kann. Nun giebt es zwar auch eine kindliche Grazie, eine kindliche Leichtig-keit und Anmuth der Bewegung, welche überaus wohlgefällig ist; aber diese ist nicht andie Geschlechtsdifferenz geknüpft, sondern an die Elasticität und Frische der körperlichenKraft und findet sich daher bei kleinen Knaben öfter als bei kleinen Mädchen. Ist aberdie Wildheit gemeint, zu der das kleine Mädchen durch den Umgang mit Knaben ver-leitet werden könnte, so ist dies gerade einer der Puncte, an welchen die Indifferenz derGeschlechter berechtigt ist, sich geltend zu machen. Der Gegensatz zwischen knabenhafterWildheit und mädchenhafter Gesetztheit tritt erst in der nächsten Periode hervor (sieheAltersstufen S. 68 f.); in der eigentlichen Kindheit ist weder der Knabe so wild, nochdas Mädchen sich eines anderen Wesens und Berufes so bewußt, daß beide nicht miteinander spielen könnten, ja es gereicht dem Mädchen zu heilsamer Kräftigung, wenn esgelegentlich durch die beweglichere und kräftigere Natur des Knaben zu gleicher Uebungder Glieder angereizt wird. Was von äußerlich angelernter Grazie in diesen: Alterdem Mädchen beigebracht werden könnte, wäre gewiß eher verwerflicher als erfreulicherArt, eben weil es nur äußerlich wäre. Die Meinung, daß auf dieser LebensstufeKnaben und Mädchen in ungehemmter Gemeinschaft mit einander gelassen werdenmäßen, welche von den meisten Pädagogen getheilt wird, ruht auf tieferen Gründen,namentlich auf dem, daß der Gegensatz der Geschlechter nicht auf unnatürliche Weise
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