Mädchenerziehmig.
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die heftigen Bewegungen, zu denen die Kinder nur zu oft veranlaßt werden, sind nichtnur der körperlichen Entwicklung schädlich, sie versetzen auch das Gemiith in eine Auf-regung, die nur zu bald eine habituelle wird. So viel ist gewiß, daß wenn nichtjene wichtige Periode der ersten Kindheit, in welcher die Macht des instinctiven undsympathischen Triebes den Absichten der Erziehung so willig entgegenkommt, dazubenutzt wird, die Neigung zum Gehorsam und die Gewöhnung an eine feste Lebens-ordnung zu begründen, der weiteren Entwicklung ein Fundament geraubt wird, dasschwerlich auf andere Weise ganz zu ersetzen ist. Auch die Art, wie wir den Kindernin jenen ersten Jahren unsere Liebe beweisen, sollte, namentlich dem weiblichenGeschlechte gegenüber, eine vorsichtigere sein, als sie es gewöhnlich ist. EigentlicheLiebkosungen sollten weder häufig noch allzu lebhaft geschehen, und sollten nur dennächsten Verwandten gestattet sein. Werden die Kinder mit äußerlichen Liebkosungenabgespeist, so werden sie selbst sehr bald mit dergleichen auch uns abspeisen, beherrschtaber eine übertriebene Zärtlichkeit den Umgang mit ihnen, so wird Weichlichkeit undSentimentalität in ihr Herz gepflanzt; in beiden Fällen wird ihnen das Wesen derLiebe verflacht und verdunkelt. Diese sollte ihnen durch gleichmäßige Freundlichkeit,durch ein thätiges Wohlwollen und durch solche Liebkosungen bewiesen werden, welchealle Schwächlichkeit und Gereiztheit ausschließend, dem Kinde für Zeichen der Zufrie-denheit und Billigung gelten können. Das Sprechenlernen der Kinder und insbesondereder kleinen Mädchen sollte von vorn herein gewissenhafter befördert werden, als es sooft geschieht. Das leichtfertige Spiel, welches mit der durch das Wort an den Tagtretenden Seele getrieben wird, indem man sprachliche Unrichtigkeiten übersieht oderwohl begünstigt, und dem inhaltlosen Geschwätz eine Aufmerksamkeit schenkt, die esnicht verdient, rächt sich gerade bei dem Mädchen nur zu oft durch die Unfähigkeit, sichsprachliche Correctheit anzueigneu und der losen Zunge sittliche Schranken zu setzen.Kinder sprechen viel mit sich selbst und mit den Dingen und Personen ihrer Umgebung,theils weil sie sich der erlangten Fertigkeit erfreuen, theils weil ihre Phantasie allesum sie her belebt; es ist daher wichtig, daß diesem leichten Gezwitscher keine größereBedeutung beigelegt werde, als es hat- Der Knabe und der Jüngling lernt dieSchwere und die Schärfe des Wortes durch tausendfältige Uebung und Betrachtung,der Mann durch das Leben kennen; das Mädchen aber, dessen Rede nicht so geschultwird und darum unreflectirter und leichter dahiufließt, muß um so mehr schon alsKind in sprachliche Zucht genommen und gegen jede Frivolität im Mißbrauch derSprache gehütet werden. Die vorsichtigere Maxime in der Behandlung des weib-lichen Geschlechts wird eben iu dieser Zeit nach allen Richtungen hin sich in der grö-ßeren Sorgfalt und in der besonderen Gewissenhaftigkeit kundgeben, mit welcher allePflichten gegen das Kind überhaupt in's Auge gefaßt werden. Auch in der nächstenPeriode, welche die Entwicklung des Bewußtseins enthält, wird es sich größten-theils noch eben so verhalten. Hier ist die Wirkung auf das Gewissen und dieBelebung dieses ethischen Factors durch die Elemente der religiösen und sittlichenBildung die wesentliche Aufgabe. Die Grundlage für alle auf die Lösung derselbengerichtete Thätigkeit ist die Frömmigkeit der Eltern, insbesondere der Mutter, die deinMädchen in allen Stücken und zu jeder Zeit so nahe steht. Das erwachende Bewußt-sein muß die religiöse Uebung als feste Lebensordnung schon vorfinden. Das Gebetder Mutter für das Kind wird so allmählig zu einem Gebete mit dem Kinde, dennda das menschliche Herz, also auch das kindliche, seinem Wesen nach religiös ist, soentfaltet sich in demselben überall, wo es in die Substanz des religiösen Lebens ein-gctaucht wird, ein gefühlsmäßiges Verständnis für dasselbe. Verhält es sich doch ebenso mit den Gefühlen des Kindes gegen die Eltern. Lange ehe das Kind darüber zureflectiren vermag, was Vater und Mutter ihm sind, blickt es schon mit Liebe undDank, Anhänglichkeit und Vertrauen auf dieselben hin. So soll sich auch das religiöseGefühl entfalten; cs soll mit der ganzen Natur des Kindes schon zusammenwachsen,ehe dieses noch von dem Wesen Gottes die ersten Begriffe erlangt hat. Wenn dies
Pädagog. Lncyklopädie. IV. 2 . Aufl. 48