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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mädcheiierzichmig.

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nicht entbehrt werden können, und da die Ueberfüllung der Classen, besonders in derMädchenschule, an sich schon ein Fehler ist, so kann aus derselben auch über die Taug-lichkeit der Lehrerinnen kein entscheidender Schluß gezogen werden. Immerhin bleibtauch die öffentliche Lehrerin ihrem weiblichen Berufe noch treu, denn die Öffentlichkeiteiner Schule besteht nur darin, daß diese aus öffentlichen Mitteln erhalten wird, nichtdarin, daß die Thätigkeit der Schule eine öffentliche wäre, und nur solche Berufsarten,die ein wirkliches Hinaustreten in die Sphäre der Öffentlichkeit in sich schließen, wider-streben der Weiblichkeit.

Es wird, nachdem das Princip der weiblichen Erziehung so ausführlich dargestelltworden, nur noch weniger ergänzender Andeutungen über die praktische Ausfüh-rung der Aufgabe bedürfen, da die wesentlichsten Beziehungen, auf welche es an-kommen dürfte, bereits in Obigem ihre Erledigung gefunden haben. Zunächst drängtsich die Frage auf, wo in der Erziehung der Mädchen mit der Berücksichtigung desGeschlechtscharakters der Anfang gemacht werden solle. Die Frage ist der-jenigen verwandt, ob und in welcher Weise sich der Unterricht der Mädchen von demder Knaben unterscheidet. Die extremen Ansichten werden sich an die in Obigem charak-tcrisirte Verkennung oder Uebertreibung der Geschlechtsdifferenz anschließen. Werdenbeide Momente, das der Uebereinstimmung und das der Verschiedenheit der Geschlechterrecht erwogen, so wird daraus in Erziehung und Unterricht ein solches Verfahren her-vorgehen, welches die höchsten und allgemeinsten Zwecke der menschlichen Bestimmungunverwandt in: Auge behält, dieselben jedoch immer wieder in Beziehung setzt zu derdurch das Geschlecht gegebenen Form, in der sie von den: Individuum sollen erstrebtwerden. Es wird daher in der Erziehung wie in dem Unterrichte viele Puncte geben,an denen überhaupt kein Unterschied in der Behandlung des Knaben und Mädchenshervortritt, aber es wird keinen Punct geben, an welchem sich dieser Unterschied nichtgelegentlich mit größter Entschiedenheit als ein nothwendig zu beachtender geltend machenkönnte; aus jenem folgt nicht, daß eine verschiedene Behandlung überhaupt nicht ver-nünftig sei, aus diesem nicht, daß sie in jedem Augenblicke eintreten müße. Dem sitt-lichen und pädagogischen Takte des Erziehers und Lehrers ist auch hier ein weites Feldeinzuräumen. Aber wenn es natürlich ist, daß die Berücksichtigung des Geschlechts indem Maße zunehmen muß, in welchen: das Individuum der eigentlichen Geschlechts-differenz entgcgenreift, so entsteht die Frage, ob es nicht eine Zeit giebt, in welcher,weil in ihr der Geschlechtscharakter noch gar nicht ausgesprochen ist, auch die päda-gogische Behandlung der Mädchen und Knaben vollkommen zusammenfalle. Wir Pflegendie Altersstufe der Kindheit als eine solche Zeit der geschlechtlichen Indifferenz zubezeichnen, und es haben daher viele (z. B. Rousseau) die Ansicht aufgestellt, daß indieser Zeit (etwa bis zun: 7. Jahre) ein Unterschied in der Behandlung der Mädchennicht eintreten dürfe. Fenelon ist anderer Meinung, denn er fordert die Rücksicht aufdie besonderen Zwecke der Mädchenerziehung schon im zartesten Kindesalter. Under hat Recht. Wenn von einer Indifferenz des Geschlechtes in: Kindesalter geredetwird, so wird offenbar an die Indifferenz für das Bewußtsein des Kindes selbst ge-dacht, aber es soll damit nicht gesagt werden, daß das neugeborene Kind weder einKnabe noch ein Mädchen sei. Im gesunden Gefühle für die schon in jenen: erstenLebensalter gesetzte geschlechtliche Individualität und also für die Notwendigkeit ihrerPädagogischen Berücksichtigung unterscheidet das Volk auch in jener Zeit schon dasMädchen durch die Kleidung vom Knaben. Versuche, die gemacht worden sind, diesenUnterschied durch übereinstimmende Kleidung zu verbergen, haben sehr widerwärtige Re-sultate gezeigt. Das Mädchen ist schon von seiner Geburt an als solches theils durchden zarteren und leichter verletzbaren Organismus, theils durch frühzeitig sich kundgebendeNeigung und Gemütsart, ein anderes als der Knabe, und die Berücksichtigung seinerweiblichen Eigentümlichkeit von: ersten Augenblicke seines Lebens an eine Pflicht derEltern. Diese Pflicht würde um so dringender werden, wenn die Bemerkung, welcheMadame Necker de Saussure in der Vorrede zu ihrem WerkeU'sckuoatiou xrogrss-