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oben gesagt wurde, ein Bild des ganzen Lebens sein; gerade so, wie des Weibes Tu-gend nur eine ist, in der doch alle Tugenden harmonisch geeint sind, soll das Leben derFamilie die Totalität sittlicher Lebenszwecke im engen aber goldenen Nahmen der Liebegeeinigt uns darstellen. Und wie hier die Natur des Weibes ihrer sittlichen Aufgabeentgegenkommt, so auch in demjenigen Pnncte, an welchen: die unreifen Emancipations-theorien unserer Zeit so großen Anstoß nahmen, in der Abhängigkeit des Weibes vondein Manne und der äußeren Unterordnung unter ihn. Es heißt völlig den Sinndes Weibes verkennen, wenn man die natürliche Neigung desselben, sich leiten, sich be-stimmen, sich beherrschen zu lassen übersieht. Der oberflächlichste Blick in's Leben mußuns davon überzeugen, daß nur diejenige Frau eine glückliche ist, welche zu einem cha-rakterfesten Manne aufblicken kann. Freilich, je edler die Natur eines Weibes, destoedler soll auch der Herr sein, dem es sich beugt, denn »die Treue hält nicht an dem,der ihin selbst untreu ist."
Da nun alle Eigentümlichkeiten der weiblichen Natur gerade so, wie das Christen-thum, das Weib in die Schranken der häuslichen Abhängigkeit und Zurückgezogenheitweisen, so wird Häuslichkeit zur specisischen Form der weiblichen Sittlichkeit. Das Hausin seiner vollen ethischen Würdigung giebt also nicht nur die wesentlichen Seiten,nach welchen das Weib gebildet werden soll, sowie Art und Umfang dieser Bildungdeutlich zu erkennen, sondern es nimmt auch alle Thätigkeit des Weibes für sich inAnspruch. Alles, was ein Weib an heilsamen und schönen Gaben besitzt und wodurches zum Wohle der Menschheit wirksam werden kann, soll es in der Familie — undhier allein — zur Darstellung bringen; alles, was es von der Mannigfaltigkeit undBewegung des Lebens in sich aufnehmen kann und will, soll ihm innerhalb der Familiezu Theil, soll ihm vermittelt werden durch den Mann, soll ihm zugänglich werden anseiner Hand und unter seinem Schutz, und soll ihn: nur so viel Bedeutung haben, alses das Leben des Hauses veredelt und bereichert. E. M. Arndt bezeichnet diese Stel-lung des Weibes mit dem treffenden Worte: »das Weib soll an: Leben stehen". DerSchritt in die Öffentlichkeit soll immer verhängnisvoll für das Weib bleiben. Welcheihn wagt, wird einein tragischen Conflict zwischen ihrer Natur und ihrer selbst ge-wählten Aufgabe schwerlich entgehen, wie Schiller dieses in der Jungfrau von Orleansso herrlich darstellt.
Es bedarf nach diesen Ausführungen kaum noch der Erwähnung, daß die ethisch-psychologische Grundanschauung von dem Verhältnisse der Geschlechter zu einander, vonwelcher auf christlichein Standpuncte allein ausgegangen werden kann, nur dann fest-zuhalten ist, wenn dem weiblichen Leben eine eben so wesentliche und eben so eigen-tümlich abgeschlossene Sphäre der Wirksamkeit eingeräumt wird, als dem männlichenLeben. Daß das Haus der Öffentlichkeit gegenüber einen solchen Anspruch erhebendarf, ist im Obigen versucht worden darzuthnn. Nimint aber das häusliche Leben einesolche Stellung in der Entwicklung der Menschheit ein, daß es dem öffentlichen Lebennebengeordnet werden muß als völlig gleichberechtigt und gleichen Inhalts mit ihm, wiesehr es auch durch seinen physischen Grundfactor von ihm unterschieden sein mag, deckenauf der anderen Seite die ethischen Forderungen des häuslichen Lebens und die natür-lichen Anlagen der Weiblichkeit einander so vollständig, daß kein wesentlicher Vorzug derweiblichen Natur über jene Forderungen hinausragt, so ist offenbar beides gegeben,worauf es in der ganzen Frage ankommt: es ist nicht nur ein Ausdruck für den Be-griff der Weiblichkeit gegeben, der weit genug ist, um alle wesentlichen Seiten derweiblichen Bestimmung zu umfassen, und der doch bestimmt genug ist, um für dasGanze der Mädchenerziehung eine ausreichende Grundlage darzubieten, sondern es ruhtauch diese ethische und pädagogische Auffassung der weiblichen Bestimmung auf einersolchen Würdigung der Geschlechtsdifferenz, welche eben so sehr die Identität der persön-lichen Gleichberechtigung, als die natürlichen Unterschiede der Begabung zur Geltungbringt. Allen diesen Forderungen muß das richtige Princip der weiblichen Bildung ent-sprechen. Wenn daher F. H. Chr. Schwarz t »Grundriß einer Theorie der Mädchenerzie-