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Miidchenerzichmist.
hung") die Mütterlichkeit zum Prineip der Mädchenerziehung gemacht hat, so ist,falls dabei an die Pflichten einer wirklichen Mutter gedacht werden soll, diese Grundlageoffenbar zu eng, weil die Mutterliebe zwar die tiefste, wunderbarste und herrlichste Offen-barung des weiblichen Lebens ist, aber nicht die einzige; zu unbestimmt ist sie aber,falls die Mütterlichkeit in jener Allgemeinheit der Anlage und des Begriffes gedacht wird,in welcher sie sich als hülfreiches Dienen durch das ganze Wesen der Weiblichkeit hin-durch zieht. Eben so leidet die Grundansicht A. Mvnod's in seinen vorerwähnten Reden,die zu dem Besten gehören, was in neuerer Zeit über diesen Gegenstand geschrieben ist,an dem Mangel einer abstracten und darum unbestimmten Allgemeinheit. Er sieht dieAufgabe des Weibes darin, das; es »Liebe in Demuth" üben soll. Aber soll das derMann nicht? Gewiß soll er es, aber in der eigenthümlichen Lebensform des männ-lichen Daseins. Nach bloßen Kategorien der Moral läßt sich die Aufgabe der Ge-schlechter nicht bestimmen, es muß immer der Factor der natürlichen Lebensform hin-zugenommen werden, wenn der ethische Unterschied zur vollen Klarheit gebracht werdensoll. Auch dem Manne ist kein höheres Gebot gegeben, als das »der Liebe in der De-muth", aber es sind andere Formen und Bedingungen, an welche sich für ihn die Er-füllung dieses Gebotes knüpft, als diejenigen, an welche das Weib gebunden ist. Allediese Bedingungen weisen, wie gezeigt worden ist, das Weib in die heilige Stille desHauses und wird nur das Haus in der tiefen und universalen Bedeutung, die es fürdie Menschheit hat, wird es zugleich in der ganzen ethischen Fülle und Innigkeit, welchedas Christenthum dem Familienleben verliehen hat, aufgefaßt, so dürfte schwerlich einpräciserer und umfassenderer Ausdruck für das Ganze der Mädchenerziehung gefundenwerden, als dieser, daß das Mädchen für das Haus gebildet werden solle.(Vgl. Palmer, Evang. Pädag-, 3. Ausl. S. 446.)
Von hier aus ergiebt sich sofort die Unrichtigkeit gewißer Bestrebungen und An-sichten auf diesem Gebiete, welche in ihrer Gesammtheit das Eigenthümliche haben, daßsie die weibliche Begabung überschätzen, indem sie entweder den Unterschied der Ge-schlechter in einer solchen Weise unnatürlich spannen, daß im Gegensatz gegen die antikeAnschauung, das Weib als die vollkommenere und reinere Erscheinung derMenschlichkeit angesehen wird, oder indem sie den Unterschied der Geschlechter auf dieäußerliche Sphäre des Geschlechtslebens beschränken, jede andere Verschieden-heit leugnen und darum auch die sittlichen Schranken, in welche das weibliche Leben nachdein Zeugnis der Geschichte überall gestellt ist, nur durch die Macht des Jrrthums inder Welt erklärlich finden. Beide Ansichten gehören dem modernen Geistesleben an, dochist in Beziehung auf ihren ethischen Charakter ein wesentlicher Unterschied zwischen ihnen.Jene Jdealisirung des Weibes, die namentlich in der von H. v. Veldekin eingeführtenMinnepocsie ihren Ausdruck gefunden hat, stellt sich als eine excentrische Auffassung jenerIdealität dar, welche die christliche Weltanschauung, wie über das ganze Leben, so be-sonders über das Wesen der Weiblichkeit ausgegossen hatte. Der Frauencultus desMittelalters steht, wie oft gezeigt worden ist, in innigster Beziehung zum Marien-cultus. Wenn nun auch die Geschichte überall, wo eine solche Ueberschätzung des Weibesstattgefunden, die innere Unnatur dieser Richtung deutlich genug offenbart hat, indemsie als die Kehrseite dieser hyperidealen Frauenverehrung die crasse Sinnlichkeit gezeigthat, welche ein Reich der freien Liebe und eine souveraine Herrschaft der Frauen auf-richten möchte, um jedes anderen sittlichen Zwanges ledig zu werden, so darf dochnicht verkannt werden, daß dieser überschwängliche Idealismus noch immer eine Wurzelin der Idee hat und eine, wenn auch irrthümliche, Beziehung zur Wahrheit in sichträgt. Es war doch eben das Geheimnisvolle, Ahnungsreiche und Unaussprechliche,das Herzgewinnende, Liebeathmende und an das Göttliche allzeit Erinnernde in demWesen des reinen, edlen Weibes, was germanische Innigkeit von jeher empfundenund mm im Lichte des Glaubens unendlich schöner wiedererkannt hatte, was jenenabstracten Frauendienst hervorrief. Und so war es ja auch eine tiefere sittliche An-schauung vom weiblichen Leben, welche unfern Schiller bewog, die vollkommenere Er-