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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehung.

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daraus erklären sich so viele Aeußerungen über die Geschlechtsdifferenz, welche daraufhinausgehen, daß an dem Weibe zu schätzen sei, was es ist, und an dem Manne,was er thut; denn da das Weib unmittelbarer von der Substanz der Objecte be-rührt und bestimmt wird, als der Mann, der im Gegentheil zu einer bedeutenderenspontanen Einwirkung auf die Objecte im Denken und Handeln berufen ist, so kommtfür das Weib alles darauf an, durch welche Objecte es von vornherein bestimmtist und die allgemeine Richtung seines Wesens empfangen hat. Wenndaher das vorherrschende Gefühl die weibliche Natur besonders empfänglich macht, wiefür alle Eindrücke, so auch für die religiösen, so fordert eben diese Erregbarkeit derEmpfindung, damit sie nicht zur Charakterlosigkeit entarte und der Macht zufälligerEindrücke anheimfalle, daß das Weib in der Substanz des religiösen Lebensverweile, d. h. daß die Gefühle des Weibes von Anfang an in die Bahn derReligiosität geleitet und dauernd in ihr erhalten werden.

Auch dem Manne darf diese mystische Seite der Frömmigkeit nicht fehlen, ja siemag als psychische Potenz in einzelnen Männern energischer wirken, als in vielen Frauen,sie mag in der männlichen Seele überhaupt gelegentlich mit einer Gewalt hervortreten,mit welcher sic sich in der weiblichen Natur nur selten oder nie kund giebt; aber daßsie in dem Manne eben nur momentan, in gewitzen Intervallen und auf gewißenHöhepuncten des Glaubens, bei der Frau aber in ununterbrochener Stetigkeitsich äußert, daß sich die Richtung des Mannes auf das Göttliche viel dauernder in demSuchen nach Erkenntnis, in der Begründung der Wahrheit für die Ueberzeugung, indem Ringen mit dem Zweifel, also in der intellectuellen Ausgestaltung des religiösenTriebes darstellt, als in der Stetigkeit religiöser Empfindungen, darin offenbart sich einebenso unleugbarer als bedeutsamer Unterschied der Geschlechter. Von dem Manne, dermit der Negation des Glaubens beginnt, läßt sich immer noch eher erwarten, daß ermit dein Glauben enden werde, als von der Frau, die in ihrer Jugend das Herz an dieEitelkeit der Welt gehängt und die religiöse Empfindung in ihrer Seele nicht hat aufkommenlassen. Jenen kann die Wissenschaft, die Erfahrung und der Ernst des Lebens zurWahrheit zurückführen, die er nun mit doppelter Innigkeit als das schwer errungeneResultat seines Strebens umfaßt, aber diese wird, nachdem sie die Kraft ihrer Empfin-dung auf die vergänglichen Güter verschwendet hat, auch wenn sie die Nichtigkeit der-selben erkannt, schwerlich das so geartete Herz noch einmal von den unwürdigen Gegen-ständen ihrer Neigung losreißen und mit ganzer Wärme dem Göttlichen zuwenden können.Der polarische Gegensatz der Geschlechter läßt sich also in Beziehung auf die Form,in welcher das religiöse Leben in ihnen waltet, dahin präcisiren, daß es dem Weibeeignet, continuirlich und eben darum in jeder Lebensäußerung von vornhereinreligiös bestimmt zu sein, dem Manne dagegen, bei aller Versenkung in die Welt derObjecte auf die Erkenntnis und Darstellung des Göttlichen als auf den letzten de-finitiven Zw eck aller praktischen und theoretischen Wirksamkeit gerichtet zu sein. Daßdie heilige Flamme frommer Gesinnung am häuslichen Heerde niemals verlösche, istSache der Frau, daß das Licht der ewigen Wahrheit alle Institutionen des öffentlichenLebens durchleuchte, ist Aufgabe des Mannes. Wenn nun immer wieder darauf hin-gewiesen werden muß, daß es sich hier nur um einen relativen Gegensatz handelt, inso-fern ja auch dem Weibe im Hause selbst eine Fülle von religiösen Zwecken unmittelbar-gegeben und eine mittelbare Einwirkung auf die allgemeinen Verhältnisse von unberechen-barer Weite eröffnet ist, insofern auch des Mannes Wirken für die Zwecke des ReichesGottes nur insoweit gelingen kann, als er selbst sich innerlich zu einem lebendigen Bau-steine am Tempel Gottes machen läßt, so wird doch für die Erziehung und den Unter-richt beider Geschlechter durch jenen relativen Gegensatz ein Anhalt gegeben, der nichtübersehen werden darf. Nur muß man diesen Unterschied nicht so ausdrücken, daß dasMädchenvorzugsweise« religiös gebildet werden solle, denn die Religion ist allermenschlichen Bildung gleich wesentlich, sondern, entsprechend dem eben dargestcllten Gegen-sätze, so, daß das Mädchen in der Substanz des religiösen Lebens, d. h. von vorn-