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Miidcheilerziehung.
herein und continu'rlich in der religiösen Anschauung festgehalten wer denmüße, während dem Knaben zugemuthet werden darf und soll, von der religiösen Be-trachtung der Dinge auf kürzere oder längere Zeit zuweilen abzuseheu, die Dinge selbstin der ganzen Breite ihrer Lebensentwicklung zu verfolgen und das in ihnen waltendeGesetz der Erscheinung zu suchen, damit eben dieses Gesetz ihn daun um so gewißer zurAnerkennung des Göttlichen zurückführe. Denn was von der Philosophie gesagt wordenist, daß eine tiefere Bekanntschaft mit ihr den religiösen Sinn nähre, während eine ober-flächliche denselben tödte, das gilt eben von allem Wissen, ja es gilt von allen Objectenmenschlicher Thätigkeit, weil überall der Erscheinung ein Göttliches zu Grunde liegt.Für die praktische Betätigung dieser Maxime in der Erziehung und im Unterrichtewäre es indessen eine irrige Folgerung aus allem Obigen, wenn bei Mädchen wesentlichdahin gearbeitet würde, das religiöse Gefühl als solches, bei Knaben dagegendahin, den religiösen Gedanken als solchen einseitig zu wecken. X. Schmid aus Schwar-zenberg (in seiner philosophischen Pädagogik S. 291) stellt mit Recht den Grundsatzauf, daß man die Geschlechter nicht im Widerspruche, sondern im Gegensätze zu einanderbilden, nicht die trennenden, sondern die vereinigenden Potenzen cultiviren müße. Solldas Gefühl, der vorherrschend erregte Factor der weiblichen Seele, der aus derselbendem Erzieher und Lehrer schon immer willig entgegen kommt, zum religiösen Gefühleerhoben werden, so ist eben nothwendig, daß dem Mädchen überall der Blick in dasgöttliche Walten aufgeschlossen, und in allen Gebieten des Lebens und Wissensdie religiösen Beziehungen zum Bewußtsein gebracht werden. Wasoben von der Art der intellectuellcn Bildung des Weibes gesagt worden ist, daßnämlich die allgemeinen Gesetze, die Resultate der Wissenschaft, mit einem Wort, derideale Inhalt des Wissens dem Weibe aufgeschlossen werden muß, tritt so in die innigsteUebereinstimmung mit der Aufgabe der religiösen Bildung, denn gerade an diesen idealenInhalt knüpft sich am natürlichsten die religiöse Betrachtung. Und wie mit dem Unter-richte, so verhält es sich denn auch mit der Erziehung. Nicht die bloße Vermehrungder religiösen Uebung an sich ist es, welche hier das Beste thut, sondern ein tüchtigesBeispiel der Pflichttreue, die im Glauben wurzelt, und die Forderung, daß alles Thununter dem höchsten Gesichtspuncte der heiligen Pflicht betrachtet und geübt werde. Wirdso dem Geiste des Mädchens im Denken und Leben ein heiliger Inhalt gegeben, unddie religiöse Lebensanschauung überall von vorn herein festgehalten, so wird das Gefühlsich dieses Inhaltes von selbst bemächtigen und sich zum frommen Gemüthsleben ver-klären. Dadurch wird denn das Weib der Mittelpunct auch des christlichen Hausesund von ihm gerade geht still und unbemerkt recht eigentlich die religiöse Wirkung aus,die oben dem Hause der Idee nach zugeschrieben werden mußte. In dieser wichtigenund vollen Congruenz der weiblichen Bildung mit dem Wesen des Hauses wird auchdas erst zur Wahrheit, was von den Frauen als den Erzieherinnen der Mensch-heit in unseren Tagen oft mit so hohen Worten gerühmt wird. Nur das frommeWeib kann diese ihre unendlich wichtige Wirksamkeit zu einer heilsamen machen. Jemehr aber die ungläubige Frau durch die ihr anvertraute aber misverstandene undmißbrauchte Macht die stille Innerlichkeit des Hauses und mit ihr die Keime der Fröm-migkeit in ganzen Geschlechtern zerstört, desto ernster haben wir uns anzuklagen, wennwir der weiblichen Bildung nicht den hohen Ernst widmen, der ihr gebührt.
Alles, was über das Wesen des häuslichen und des öffentlichen Lebens und überden Parallelismus beider Lebensformen mit der Geschlechtsdifferenz gesagt worden ist,gewinnt aber für die Pädagogik eine besondere Wichtigkeit durch die sittliche Bedeu-tung, welche diesem Parallelismus als einer göttlichen Ordnung zukommt. Unter wel-chem Schema man sich jenen Gegensatz des substantiell gebundenen, centralen und em-pfindungsmäßigen Lebens innerhalb der Familie gegen das peripherische und bewußte,in der Allgemeinheit des Gedankens wurzelnde Leben der Öffentlichkeit auch vorstellenmag: immer wird man sagen mäßen, dem Weibe, welches eben für das Haus mitallen seinen geistigen und leiblichen Eigenthümlichkeiten geschaffen ist, sei es höchste Pflicht,