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Mädchenerziehung.
schied; in diesen tiefsten und fundamentalsten Beziehungen des Menschen zu Gott sindsie eben allzumal, Männer und Weiber, einander gleich. Nur die Form, in welcherdas religiöse Leben dem einen und dem anderen Geschlechts zugänglich ist und inne-wohnt, kann eine verschiedene sein. Aber gerade durch diese Verschiedenheit wirddie Berechtigung der Forderung, daß die Mädchenbildung vorzugsweise eine religiösesein müße, in gewißem Sinne begründet.
Blicken wir noch einmal auf die Parallele zurück, die zwischen dem Hause und demweiblichen Leben auf der einen, zwischen der Öffentlichkeit und dem männlichen Wirkenauf der anderen Seite gezogen worden ist, so leuchtet ein, wie sehr der psychologischeCharakter der weiblichen Natur mit dem Wesen des häuslichen Lebens übereinstimmt.In beiden ist das Gemüth das Grundelement des ganzen Lebens. Die Glieder derFamilie werden am stärksten zusammengehalten durch das Gefühl und zwar durch dasauf dem Naturzusammcnhange ruhende Gemeingefühl der Zusammengehörigkeit. Dahersteht das häusliche Leben unter dem Gesetze der Liebe, und es kann in der Familiekeine Thätigkeit, keine Wirkung des einen auf den anderen, nicht einmal eine Differenzder Familienglieder unter einander, gedacht werden, die das Moment der Liebe ganzausschließen dürfte. In dem öffentlichen Leben dagegen herrscht der Gedanke in seinerabstracten Allgemeinheit als Gesetz, als Recht, als äußere Ordnung, und dieser Buch-stabe des Gesetzes kann nur dadurch in Uebereinstimmung gesetzt werden mit dem Geisteheiliger Liebe, daß die einzelnen diesen Geist, der eins ist mit dein der wahren Hu-manität, aus dem Hause in die Öffentlichkeit mitbringen. Dadurch fällt dem Hausevor allem die primitive und continuirliche Anregung des religiösen Lebens zu, und dieganze Eigentümlichkeit des Familienzusammenhanges begünstigt dieselbe. Denn, wieman auch über das Wesen der Religion denken mag, dagegen wird schwerlich noch eineEinsprache erhoben werden, daß die Entwicklung des religiösen Lebens ihren Ausgangnimmt von einer Erregung heiliger Gefühle, einem unmittelbaren Jnne-wer den des Göttlichen, an welches dann, wie bei allen anderen psychologischen Ent-wicklungen, die intellectuelle und ethische Ausgestaltung der Religiosität sich anschlicßt.Ist nun die psychische Grundform des Familienlebens das Gemüth, zeigt sich im Hausedas Gefühl als der vornehmlich erregte Factor aller Seelenzustände, so folgt daraus,daß die ursprüngliche und wesentliche Pflege des religiösen Lebens nur dein Hause ge-lingen kann. Das Haus bietet aber auch dem Bewußtsein jene ersten objectiven That-sachen, Ideen und Verhältnisse dar, welche das Gefühl mit einen: religiösen Inhalteerfüllen können. Vater und Mutter werden ewig die wahrsten und tiefsten Symboleder göttlichen Macht und Liebe bleiben, und indem sich daher das Kind in diesen Ver-hältnissen orientirt, gewinnt es zugleich Anschauungen, an denen ihm seine Beziehungzu Gott verständlich wird. Diese Sätze sind freilich nicht so zu verstehen, als ob dasHaus, weil es auf dem Gemüthsleben ruht, darum an sich schon ein reli-giöses Leben producire, vielmehr gehören alle Gefühle und Gemüthserregungen zunächstganz dem natürlichen Leben an, und es kommt eben darauf an, sie über dasselbe zuerheben; aber insofern der Mensch in seinen Gefühlen unmittelbar, d. h. in der Sub-stanz seines Wesens, von der Substanz der Objecte bestimmt wird, und diese Art derErregung für das religiöse Leben die nothwendigste aller Forderungen ist, insofern mußgesagt werden, daß das Haus die wichtigste Stätte für religiöse Bildung ist. Und hiertrifft denn in auffallender Weise die psychische Organisation der weiblichen Natur zu-sammen mit der Aufgabe des häuslichen Lebens. Denn wenn der Vater das Hauptder Familie ist, so ist die Gattin, die Mutter, die Frau, die Seele desselben; sie istin ihrer vorherrschenden Innerlichkeit selbst das Urbild dessen, was das häusliche Lebensein soll: ein Herzensleben, ein Gemüthsleben; und soll nicht die Weiblichkeit selbstvernichtet werden, so muß alle Bildung dazu beitragen, dieses Gemüthsleben als solcheszu bereichern. Ebendadurch wird die Frau das natürliche Centrum der Familie unddas belebende Princip des Hauses, weil von der Unmittelbarkeit ihres Wesens alleGlieder desselben auf gleiche Weise ergriffen werden und sich ergriffen fühlen. Eben-