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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mädchenerziehlmg.

irrigen Ansichten über weibliche Erziehung die in Rede stehende die unschädlichste ist,der unter Umständen sogar ihr Werk auf überraschende Weise gelingen kann. Sieweiset doch immer das Mädchen in die richtige Sphäre des Hauses und ihr Mangelbesteht nicht darin, daß sie einen verkehrten Weg einschlägt, sondern darin, daß sie deneingeschlagenen Weg nicht bis zu dem rechten Ziele verfolgt. Wenn, wie in dem Epi-taphium jener Römerin die Summe eines Frauenlebens sich in die Worte zusammen-fassen läßt:äomi nmnsit, larmiL tsoit", so erfüllt uns das mit gerechter Wehmuthdarüber, daß es Zeiten geben konnte, in denen das bessere Theil weiblicher Kraft sobrach liegen mußte; aber wir blicken mit Achtung auf ein solches Leben, welches, auchohne die geistige Erhebung der Bildung, doch stark genug war, die sittliche Schranke,in welche die Natur das Weib gewiesen hat, festzuhalten.

Die Familienhaftigkeit alles weiblichen Lebens haben in neuerer Zeit Riehl vomsocialen, Karl von Raumer (im 3. Bd. 2. Abschn. seiner Geschichte der Pädagogik, inder Abhandlung:Erziehung der Mädchen") vom pädagogischen Standpuncte aus

kräftig hervorgehoben. Dem letzteren ist heftiger als nöthig war widersprochen worden.Da auch ihm die bloßhaushälterische" Erziehung der Mädchen nicht genügt, und erneben dieser eine gediegene geistige Bildung fordert, weil er sehr gut weiß, daßbeidem Mangel derselben in dem Mädchen ein unnützes, ja wahrhaft seelenverderblichesInteresse an ganz nichtigen, eitlen Dingen nothwendig erwachen muß", so ist im Principgegen ihn nichts einzuwenden. Wenn er dagegen die geistige Bildung der Mädchennicht der Schule, sondern dem Unterrichte der Mutter anvertrauen will, so liegt zwardarin eine zwiefache Verkennung dessen, was die Schule vermag, und dessen, was dasHaus in den meisten Fällen nicht vermag; aber ein Widerspruch gegen seine eigenenGrundforderungen liegt nicht vor, eher eine Jdealisirung derselben, die der Wirklichkeitnicht entspricht. Wo das Haus so frei von den äußeren Bedingungen des Lebens ist,daß es den Aufgaben der Erziehung ganz leben kann, wo Vater und Mutter selbsteiner wahren Bildung sich erfreuen, da ist die Naumer'sche Idee, daß die Töchter nurvon der Mutter unterrichtet werden sollen, keineswegs unausführbar, wie sie ja invielen Familien in England und vereinzelt auch in Deutschland in der That ausgeführtwird. Aber eine solche Stellung des Hauses ist nicht nur die Ausnahme, sondernsie soll es sein. Eine Familie, die ganz nur sich selbst lebt, hört auf in jenem leben-digen Zusammenhänge mit dem Volke zu stehen, der dein Hause immer neue sittlicheund geistige Lebenskräfte zuführt. Und so kommt ja Raumer selbst schon auf die auseinem Verein von Müttern gebildete Mädchenschule. Der Jrrthum Raumer's bestehtvielmehr hauptsächlich in der Ausschließung des schulmäßigen und damit des männ-lichen Unterrichtes. Im übrigen sind seine Ansichten aller Aufmerksamkeit werth. Erhat Ernst gemacht mit der Forderung, die schon Schleiermacher aufgestellt und auf welchedieser den ganzen Unterschied der Mädchenschule von der Knabenschule basirt hat, daßder Unterricht und die Disciplin der Mädchenschule den Charakter der Familien-haftigkeit bewahren müße, eine Forderung, welche in den meisten höheren und niederenMädchenschulen kaum annäherungsweise erfüllt wird. Ueberhaupt aber liegt der Rau-mer'schen Idee die Wahrheit zu Grunde, daß ein Mädchen nur dasjenige von allem,was sie lernt, sich innerlich aneignen und für ihre geistige Bildung wirklich verwerthenkann, wofür sie die Resonanz in der Familie findet. Nun aber gehört Raumer auchzu denen, welche mit Nachdruck die Wichtigkeit der Gemüthsbildung und insbeson-dere der religiösen Erziehung für das weibliche Geschlecht betont haben. DieAnsicht, das Weib müße zur Frömmigkeit erzogen werden, ist in unserenTagen so oft wiederholt worden, daß darüber gewißermaßen ein stillschweigendes Ueber-einkommen zu herrschen scheint. Indessen ist weder eine wesentliche Aenderung in derErziehung und dem Unterrichte der Mädchen nach dieser Seite hin bisher warzunehmen,noch liegt die Sache so einfach, wie sie gewöhnlich genommen wird. Denn wenn aufevangelisch-christlichem Standpuncte überhaupt so geurtheilt werden muß, daß Frömmig-keit der Anfang und das Ziel aller wahren Bildung ist, so daß ohne Religiosität eine