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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Mlidchenerziehmlg.

leuchtung, in der Ausstattung unserer Zimmer und Häuser, in den Mitteln, die Rein-lichkeit derselben aufrecht zu erhalten, und in vielen anderen Puncten. Und bei denaußerordentlichen Fortschritten der Naturwissenschaften in unserer Zeit bringt jeder Tag aufdiesem Gebiete etwas neues. Wenn es in alle dem, ganz so, wie auf den allgemeinstenLebensgebieten, eine gewiße Berechtigung des Alten und eine solche des Neuen, wenn eshier, ganz so, wie im Staatshaushalte, einen Schein und eine Wahrheit des Calculs,wenn es in jedem einzelnen Hause, wie in jedem einzelnen Staate, einen Unterschiedgiebt zwischen dem, was nothwendiges Bedürfnis und was Luxus, was hier, ob es auchviel koste, doch sparsam, und was, ob es auch billig sei, doch verschwenderisch wäre, soergiebt sich, daß eben zur rechten Führung des Haushaltes neben gewitzen sittlichenEigenschaften auch eine intellectuelle Bildung nothwendig ist, die durchaus nicht zu geringveranschlagt werden darf, wenn man den unermeßlichen Einfluß erwägt, den die ver-ständige Handhabung dieser Dinge aus das Wohl und Wehe ganzer Familien und ganzerGenerationen haben muß. Aber auch die Art und Eigentümlichkeit intellec-tueller Bildung der Frauen wird durch die wohlverstandene Bedeutung des häus-lichen Lebens und durch den häuslichen Beruf des Weibes gegeben. Denn wie harmo-nische Gesammtbildung aller Kräfte dein Weibe überhaupt entspricht, so fordert auchdas Haus, welches den Schatz der Volksbildung bewahren soll, von dem Weibe im Un-terschiede von dem Manne hauptsächlich eine allgemeine Bildung. Lazarus (Das Lebender Seele, I. Bd. S. 35 f.) hat den Unterschied der allgemeinen Bildung von der(männlichen) Berufsbildung sehr trefflich auseinander gesetzt und gezeigt, wie jene all-gemeine Bildung etwas ganz anderes sei, als Vielwisserei einerseits und Philosophieoder Wissenschaft andererseits. Sie ist durchaus nicht eine zufällig aufgehäufte Summefragmentarischer Kenntnisse, eben so wenig ist sie eine Erkenntnis der Principien desWissens, oder die geistige Beherrschung eines Wissensgebietes in der systematisch geord-neten Vollständigkeit seines Inhaltes und Umfanges; die allgemeine Bildung bestehtin der klaren Auffassung derjenigen leitenden Ideen und Gesetze,welche in den verschiedenen Wissensgebieten zur Erscheinung kommen. Freilich könnendiese Gesetze nicht anders erkannt werden, als so, daß sie an dem Concreten, Factischenund Individuellen angeschaut werden; aber es genügt, aus der Menge des concretenMaterials nur diejenigen Erscheinungen hervorzuheben, an denen das betreffende Gesetzoder die vorliegende Idee sich deutlich erkennen läßt. Von der Vollständigkeit des In-haltes kann abgesehen werden, ja cs kann das concrete Material, an welchem ein all-gemeines Gesetz anschaulich gemacht und zum Verständnis gebracht worden ist, in seinenEinzelheiten dem Gedächtnisse später entschwinden; für die Intelligenz ist es entscheidend,daß dieses Gesetz erkannt ist, und daß mit der klaren Auffassung desselben das In-teresse und Verständnis für eine Menge verwandter Erscheinungen gegeben ist. Weran einer Pflanze die wesentlichen Organe des Pflanzenlebens einmal erkannt, wer ander Geschichte eines Staates die Gegenbewegung der Parteien einmal mit Klarheit ver-folgt hat, der mag immerhin gelegentlich die factischen Einzelheiten, an denen er zudiesen Anschauungen gelangt ist, vergessen, für das Verständnis des Pflanzenlebens odergeschichtlicher Vorgänge hat er einen allgemeinen Maßstab gewonnen, der ihm nichtmehr entschwinden kann. Zur Auffassung dieser idealen Elemente der einzelnen Wissen-schaften ist aber auch gerade die weibliche Natur in besonderen: Grade befähigt, da dieintellectuelle Potenz des Weibes weniger in der Form des logischen Denkens, als ineiner instinctiven Apperception der Dinge und ihrer Verhältnisse zu einander sich erweist.(Vergleiche was in dem Artikel »Bildung" S. 704 und 705 über allseitige Bildunggesagt ist.)

Daß diese Seite und Form menschlicher Bildung aber die dem weiblichen Geschlechteeinzig eignende sei, darauf werden wir noch von einer andern Seite her mit Nothwen-digkeit gewiesen. Erwägen wir den physischen Unterschied der Geschlechter, so springtsofort der Umstand in die Augen, daß die Bildungsperiode des weiblichen Ge-schlechtes gegen die des Mannes eine ungleich kürzere ist. Das Weib, physisch weit