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Miidchenerzichnng.
gebundenen, persönlich-gemüthlichen Verkehrs, die Öffentlichkeit in der Form des gesetzlichbestimmten, allgemein-geistigen Lebens. Darum wird das häusliche Leben durch die Sittegetragen, denn diese ist nichts anderes, als der familienhafte und individuelle Aus-druck der Volkseigenthümlichkeit. Was aber zur Sitte werden soll, das muß aus dentiefsten Lebensbedingungen, aus der Natur und der Geschichte eines Volkes hervorgegangensein, und alles, was von dieser Art ist, soll auch zur Sitte werden, und in dem Burg-frieden der Häuslichkeit sollen alle heiligsten Güter einer Nation recht geborgen werden,auch für den Fall, daß die Leidenschaften, die das öffentliche Leben oft bewegen, jeneGüter gelegentlich unsachten und verkennen. So dringen die religiösen und politischen,die künstlerischen und alle anderen Interessen des nationalen Lebens in das Haus underst dort ist die volle und rechte Häuslichkeit, wo diese Interessen in der ganzen Sittedes Hauses einen Ausdruck und eine Pflege gewonnen haben. In diesem Sinne istdann der paradoxe Satz W. H. Riehl's (die Familie, S. 61 ), „daß das echte Fami-lienleben an sich schon eine Form des öffentlichen Lebens sei", zu verstehen, weil dasHaus zum Träger der Volksthümlichkeit geworden ist, und so erfüllt sich das WortI. I. Wagner's, daß sich das Volk in seinen Familien selber anschaue. Blicken wirvon hier aus auf das Weib, welches die eigentliche Repräsentantin und die Trägerindes häuslichen Lebens ist, so ergeben sich daraus sehr wichtige Folgerungen für dasWesen der weiblichen Bildung. Denn zunächst soll dem Weibe kein nationaler odermenschlicher Vorzug vorenthalten werden, es soll Theil haben und Theil nehmen anallem, was einem Volke Gutes, Edles, Großes und Heiliges verliehen ist; denn es istdas Wesen des Hauses, daß es den ganzen Inhalt nationaler Entwicklung in seinerSitte abspiegele und bewahre; aber das Weib soll eben mit seiner Theilnahme in denSchranken der Sitte und des Hauses bleiben. Nur der Coefficient ist ein verschiedener,mit welchem die bewegenden Gedanken und Kräfte des Volkslebens in der Sphäre derHäuslichkeit und in der der Oeffentlichkeit erscheinen, an sich sind sie dieselben. Unddie Gesundheit nationaler Entwicklung ist gerade an dieses Grundverhältnis gebunden.Findet sich die Bethätigung eines Factors des nationalen Lebens vorzugsweise nur inder Oeffentlichkeit, in den Gotteshäusern, den Parlamenten, den Museen, den Clubbs,den Vereinen rc., dringt das Interesse dafür nicht in die Häuser und Familien, dasinnere Leben derselben gestaltend, so hat ein solcher Factor keine Wurzel im Volke.Mit Recht erwarten wir darum erst dann ein wahrhaft kirchliches Leben wiederkehrenzu sehen, wenn der häusliche Gottesdienst wieder hergestellt sein wird. Aber mit denpatriotischen, bürgerlichen, künstlerischen Interessen ist es dasselbe; sie wollen und sollenalle ihre tiefste Wurzel im Familienleben finden. Verhält es sich aber so, so mußauch das Weib für diese Interessen Sinn, muß ein Verständnis derselben haben undfür sie erwärmt sein. Der richtige Begriff der Häuslichkeit schließt daher die gei-stige Bildung keineswegs aus, sondern fordert dieselbe vielmehr, dadas Haus selbst der Träger der nationalen Idee sein soll. Am wenigsten ist es zu-läßig, das Wesen der Häuslichkeit auf die Haushaltungskunst zu beschränken, denn dieseist selbst ohne Bildung nicht denkbar. Ist doch die ganze Haushaltung in der Familieauch nur der individualisirte Ausdruck für das Verhältnis, welches der Geist desVolkes zur Natur, theils in Abhängigkeit von derselben, theils in Beherrschung derselbeneinnimmt. Aber dieses Verhältnis unterliegt der Entwicklung, die das ganze Volkdurchmacht. Die Entdeckungen der Naturwissenschaften, die Vortheile des freieren Han-delsverkehrs, die Fortschritte der Gewerbsthätigkeit und der gesammteu Industrie übenauf das Haus einen fortdauernden und unermeßlichen Einfluß, den zu würdigen, inseinen gefährlichen Wirkungen abzuwehren, in seinen heilsamen zu benutzen, nur einegebildete Frau vermag. So hat z. B. das Spinnen und Weben, worin die deutscheHausfrau länger als ein Jahrtausend ihren Reichthum und ihren Ruhm fand, fürunsere Zeit diese Bedeutung nicht mehr, seitdem die Handarbeit gegenüber der Fabrik-industrie zur Verschwendung geworden ist. Ganz ähnliche Veränderungen sind einge-treten in der Art der Ernährung, in allen Puncten der leiblichen Diät, in der Be-