Miidchenerziehmg.
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kurzweg damit entscheiden, daß man auf die Bestimmung der Mädchen für die häus-lichen Geschäfte sich beruft. Wie wenn nicht gerade diese Seite des weiblichen Berufsdie ernsteste Rücksicht auf die ganze Erziehung der Mädchen erheischte! Aber es ist jaauch dieser Gesinnung mit dem Nachdenken über all diese Fragen gar nicht Ernst und manhat in ihr eben nur die alte niedrige Ansicht von der weiblichen Natur überhaupt vor sich.
Nicht viel anders liegt die Sache da, wo man lediglich die Ausbildung der soge-nannten Talente zur Hauptsache der Mädchenerziehung machen will, wozu denn in ersterLinie die Musik, ferner das Zeichnen, Malen, Tanzen, das Sprechen fremder Sprachenu. s. w. gerechnet wird. Man wird keines dieser Gebiete der weiblichen Bildungüberhaupt verschließen wollen, ja noch mehr, sie werden vielleicht alle für die gebilde-teren Stände relativ nothwendig sein und der hervortretenden Anlage wird eine Be-rechtigung nicht versagt werden können; auch mögen die sichtbaren und hörbaren Re-sultate dieser Unterrichtszweige eine gewiße Vorliebe für deren Pflege Hervorrufen (HanneMore in den „s88a^s on various subjsots", übersetzt von Dr. R- König). Aber dertiefste und allgemeinste Grund dieser Vorliebe und der ungeheuerlichen Uebertreibungauf diesem Gebiete liegt unverhüllt genug in dem Wunsche, die Mädchen mit diesenFertigkeiten zu schmücken, damit sie eben durch diese Vorzüge glänzen, gefallen undfesseln mögen. Wie herabwürdigend diese Ansicht für das weibliche Geschlecht ist, be-darf keines Wortes; glücklicherweise ist sie auch grundverkehrt. Oder soll es wirklichnichts besseres geben, was ein liebenswürdiges und verständiges Weib kennen und be-sitzen soll, als jene Fertigkeiten, welche die Muße erheitern und schmücken mögen? Solldas Weib nicht zur Gefährtin des Mannes im ganzen vollen Ernst des Lebens, solles nur zur Genossin seiner Ruhe, zum Spielzeug seiner Laune bestimmt sein? Auchist es ganz abgesehen hievon eine sehr erwägenswerthe Frage, ob nicht eine solche ein-seitige Pflege der Talente für die Entwicklung edler Weiblichkeit sehr gefährlich ist. Seies die unwcibliche Zurschaustellung der Anlagen, das Streben nach Effect bei anderen,sei es die Störung der Gesammtwirkung der Gemüthsharmonie durch einseitige Aus-bildung einer einzelnen Anlage, sei es die Bedrohung des Sinnes und der Interessender Häuslichkeit, oder endlich die Steigerung der weiblichen Neigung zur Leidenschaft-lichkeit und Uebertreibung: immer noch sah man auf diesem Boden die traurigsten Ent-artungen des weiblichen Lebens erwachsen. Auch die größte Begabung befreit nicht vonder Pflicht, daß der allen Frauen gemeinsame natürliche Beruf nicht durch einen an-deren besonderen absorbirt werden darf; auch die feinste virtuoseste Ausbildung allergeselligen und künstlerischen Talente darf bei dem Weibe immer nur den Zweck haben,dasselbe nur noch tüchtiger zu machen für seinen natürlichen Beruf. Auch die beru-fenste Künstlerin im edelsten, vollsten Sinne des Worts wirkt nur so lange wohlthuend,als sie das Wesen der Weiblichkeit nicht verletzt. Hier aber handelt es sich nicht umden Kunstberuf, sondern im Gegentheil um die einseitige Pflege solcher Dinge oftgenug sogar bei peinlichem Mangel aller Befähigung dafür. Nimmt man noch dazudie höchst oberflächliche Art, sie zu treiben, so kann man nur den treffenden WortenE. M. Arndt's zustimmen (in seinen Briefen an Psychidion über weibliche Erziehung,im siebenten Briefe): »Aber! Aber! Dies, was die Lust des Hauses und des MannesFreude sein sollte, wird häufiger seine Plage. Denn bei wie wenigen dringt es gleichlebendigen Quellen aus dem innersten Triebe des Gemüthes hervor und will sich alseigenstes Leben entfalten! Bei den meisten ist es nichts als ein Modespiel, das sie ineine Menge halber Anklänge und falscher Reize lockt und ihr Herz zu einen: rathlosumlaufenden Rade von Eitelkeiten und Wünschen macht. Da ich so viel gesehen
habe und alle Tage sehe, was diese ganze Spielerei und Tändelei in der Welt be-deutet, so sage ich gerade heraus, daß ich lieber wollte, daß die wirklichen Talente inden Weibern unentwickelt liegen blieben, wenn dadurch die halben Talente und ihreAefferei und Ziererei aus der Welt verschwinden könnten. Denn ein saurer Ostwindim Aprillenmond ist den: Menschen nicht unfreundlicher und unerquicklicher, als einsolches Lügenasfenspiel mit Talenten, das sich gar wohl Kunst nennen läßt."