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Miidchencrzichuilg.
als jemals erkannt und oft wiederholt worden. In der That ist es merkwürdig, wiedas Neue Testament auch in dieser Beziehung nicht nur über die zum Theil sehr edleAuffassung der weiblichen Natur, die wir bei den griechischen Dichtern, namentlich auchschon bei Homer, finden, sondern auch über die durch Tiefe und Wahrheit oft über-raschende und schwungreiche Würdigung echter Weiblichkeit (vgl. das Lob eines tugend-samen Weibes, Proverb. 31), der wir im A. Test, begegnen, mit einem Schlage weithinausgreift und in einfachen Zügen ein Bild weiblicher Holdseligkeit entwirft, deralles weichen muß, was vorher oder nachher als weibliche Tugend gekannt und ge-priesen worden. Hier, wo die Töchter mit den Söhnen gleichzeitig weissagen, wo keinMann und kein Weib, wie kein Grieche und kein Jude mehr ist, wo alle Unterschiededer Natur vor der allgemein menschlichen Sündhaftigkeit und der allgemein menschlichenBerufung zum Heile verschwinden, hier ist mit einer Entschiedenheit, die keinen Zweifelgestattet, das Axiom gegeben, daß die höchsten Rechte der sittlichen Persönlichkeit beidenGeschlechtern gemeinsame sind. Aber in diesem Axiome ist die christlich-ethische An-schauung von dem Verhältnis der Geschlechter nicht erschöpft. Das Christenthum er-kennt in diesem Verhältnisse eine Naturbestimmtheit, welche den Charakter göttlicherBestimmung trägt, und es kann schon darum diese Naturbestimmtheit nicht geringschätzen oder übersehen. Vielmehr ist es gerade das Eigenthümliche der aus dem Chri-stenthumc hervorgegangcnen Würdigung dieses Verhältnisses, daß sie den Unterschiedder Geschlechter ebenso entschieden, wie die persönliche Gleichberechtigung derselben be-tont. Es gilt, die körperliche und geistige Begabung, welche den Geschlechtscharakterdes Mannes und des Weibes bilden, als göttliche Ordnung zu erkennen, in der recktenWeise zu entwickeln und so für das Individuum selbst wie für das Gesammtleben derMenschheit heilsam werden zu lassen.
Es ist ersichtlich, daß alle verschiedenen Ansichten über das Wesen der Weiblich-keit und demgemäß über die Aufgabe der Mädchenbildung an diesen beiden Momentender christlich-ethischen Grundanschauung des Geschlechtscharakters ihr Correctiv haben.Die Verirrungen auf diesem Gebiete lassen sich unter die beiden Hauptkategorieen sub-sumiren, daß entweder in dem Gegensätze der Geschlechter die Identität der persönlichenBerechtigung verkannt oder der Unterschied des Geschlechtscharakters übersehen wird.
Von der ersten Art ist die verbreitetste Verirrung diejenige, welche das weiblicheGeschlecht in absoluter Unterscheidung von dem männlichen als das geringere, das nie-driger stehende ansieht. So wird den Orientalen das Weib zur Sclavin; die sichtbareSchwäche des weiblichen Organismus wird als Symbol für sittliche Unvollkommenheitgenommen und das Weib zählt zu den Unmündigen. Erhebt sich Griechenlands undbesonders Roms höhere Cultur zu mannigfacher Anerkennung der wirklichen Berechti-gung des Weibes, so bleibt ihm doch auch hier, wie die Rechtsverhältnisse darthun,das Recht der freien Persönlichkeit principiell versagt. Nicht als Weib, nur als Mutter,als Repräsentantin des dem Römer so hochbedeutsamen Familienzusammenhangs nimmtdie römische Frau eine ehrwürdigere Stellung ein. Selbst das christliche Rom, obwohlZeuge der religiösen und sittlichen Energie, ja des Märtyrerthums und Heiligenscheins seinerFrauen, änderte darum doch seine Ansicht über das Weib nicht und im letzten Grunde ruhtder Cölibat auf dieser antik-heindischen Geringschätzung des Weibes. Erst die germanischeWelt mit ihrer ebenso entschiedenen als zartsinnigen Hoch - und Heiligachtung des Weibes,das gerade als das schwächer und weicher organisirte auch als das geistig feiner dis-ponirte erscheint, durchbricht die verhängnisvolle Schranke, welche in der antiken Weltder Befähigung gezogen war, die ethische Bedeutung der Naturverhältnisse zu würdigen.Indessen tritt uns gleichsam als eine noch nicht überwundene Seite des alten Paganis-mus dieselbe Grundanschauung, wenn auch in anderen Formen, noch heutzutage entgegen.
Fenelon ist nicht der letzte, der (cks I'oäuoatiou äss üllos) über die Gleichgültig-keit gegen die Mädchenerziehung, ihre Probleme, ihre Ziele zu klagen hat. Gewohn-heit und Laune der Mütter, bäuerische Genügsamkeit der Väter, die nicht begreifenwollen, was die Mädchen denn zu lernen brauchen, möchten noch immer die ganze Frage