Druckschrift 
4 (1881) Kirche - Muttersprache
Entstehung
Seite
730
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Lykurg.

taner war, schrieb er nur den äußeren Ausdruck des inneren Vorgangs vor und ge-wöhnte den Knaben auf alle ihm vorgelegte Fragen in gedrängter Form eine gehalt-volle Antwort zu geben oder möglichst viel zu sagen in möglichst wenig Worten. Dieübrigen Hellenen bewunderten die Kürze derlakonischen Rede". Andererseits steht esauch keineswegs im Widerspruch mit dem Streben der Spartaner nach Würde, wennsie den Witz liebten, und bildeten. Denn in der witzigen Rede prägt sich eben dieKraft des Geistes in ihrer vollen Sammlung aus, wenn sie sich wie das in SpartaGrundbedingung war auf sittlichem Boden hält; ja der Witz ist dann selbst einZeichen der Herrschaft, welche der Mensch über seine eigenen geistigen Kräfte erlangthat, und der Freiheit, die ihn über die Außenwelt emporhebt.

Kaum eine andere Erziehungsmethode dürfte sich so großer Erfolge rühmen, alsdiese spartanische, welche das Problem zu lösen suchte, den Menschen zum Bürger eineseigenthümlich gearteten Staates *) zu bilden. Sie hat ihren Zweck vollkommen erreicht,und durch sie hat der spartanische Staat Jahrhunderte lang sich in gleicher Kraft be-hauptet, gegen sie aber ist aus dem Innern des Spartiatenthums auch in so langerZeit keine Opposition erwachsen. Einen Grund für diese ihre große Wirksamkeit kannman wohl in der Macht der Gewöhnung erblicken, welche die Spartaner so treff-lich zu nutzen verstanden; einen anderen in der mit Consequenz durchgeführten Con-centration aller Kräfte ans ein einfaches, klares, praktisches Ziel; aber das Ge-heimnis ist noch tiefer zu suchen darin, daß die Spartaner wirklich allen in dem Men-schen liegenden Kräften und Neigungen, die ein Bedürfnis zur Ausbildung haben, inner-halb des herrschenden Staatsprincipes in naturgemäßer Weise zur Befriedigung ver-halfen. Sie haben den ganzen natürlichen Menschen verstanden und die Mittelfür ihre Zwecke auch mit kluger Verwerthung seiner Schwächen aus diesem Verständnisvortrefflich gewählt. So enthält denn diese Erziehung in ihrer elementaren Einfachheiteinen Schatz pädagogischer Weisheit, aus dem man allezeit vieles lernen kann.

Noch ist einiges zu sagen über die Erziehung der Mädchen. Auf sie wurde inSparta mehr Gewicht gelegt, als in jedem anderen hellenischen Staate. Die Familiehatte dort eine edlere Bedeutung und ihr Mittelpunct war die Frau und Mutter. DieFrau stand in hoher Achtung; sie hieß Herrin (gleichbedeutend mit unserer

Frau, Dame), und hatte einen gewißen Einfluß auf den Mann. Schon darum mußteeine gewiße Gleichmäßigkeit der Bildung beider Geschlechter erzielt werden. Aber freie,edle Männer konnten, meinte man, auch nur von edlen, kräftigen und wohlgesinntenMüttern stammen. Um dieses Berufes willen nahmen also auch die Mädchen, mitgewißen Beschränkungen natürlich, an der eigenthümlich spartanischen Erziehung Theil.Sittliche Gesinnung, Vaterlandsliebe und Bürgersinn sollte auch sie erfüllen. Der Um-gang mit älteren Frauen war abgesehen von dem Einfluß, den die unmittelbare An-schauung eines so großartigen Staatslebens üben mußte, das Hauptbilduugsmittel. DieUebung im Gesang, Bekanntschaft mit den Dichtern, die Erlernung von Chorgesängenwirkte zugleich auf ihre geistige Bildung überhaupt. Sodann trieben auch sie gym-nastische Uebungen auf besonderen Uebungsplätzen und pflegten des sinnigen, mitMimik verbundenen Tanzes. An bestimmten Festen traten sie ebenfalls mit Gesängenund Tänzen öffentlich auf und die Jünglinge schauten zu, wie sie es umgekehrt bei denProductionen dieser thaten. Dadurch entstand ein Wetteifer, der auch nicht ohne Ein-fluß auf die Gesinnung bleiben konnte, durch die Regelung des Lebens überhaupt aberdoch in den nöthigen Schranken gehalten wurde. Unter den gegebenen Verhältnissendiente er dazu, jenen stolzen Sinn der spartanischen Jungfrauen zu erzeugen, den dieFremden ebenso bewunderten, wie deren körperliche Kraft und Schönheit. An der Stelleder zarten Weiblichkeit freilich, deren Ausbildung das Ziel einer eigenthümlich weiblichen

*> Vergessen darf man aber nicht, daß auch dieser Staat nur von den Bürger» einer nichteinmal stark bevölkerten Stadt gebildet wurde.