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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Lykurg.

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nicht gestattet, und wenn etwa ein Knabe sich bei seinem Vater beklagte, weil ein an-derer Bürger ihn zu hart behandelt habe, erhielt er sicherlich noch eine tüchtige TrachtSchläge. Nie erlaubten sich auch die älteren Bürger über einen der vorturnendenJünglinge, der einen Tadel in Gegenwart der Knaben auszusprechen, falls der-

selbe im Strafen zu weit gegangen war. Auch dieses geschah nur im geheimen, damitdie Auctorität des Jünglings nicht leide. So wurde der Strafe in jeder Weise ihrevolle Wirkungskraft gewahrt.

Wir unterscheiden die sittliche, leibliche oder gymnastische und intellectuelle Bildung.Freilich gehören auch in der spartanischen Erziehung diese drei wesentlich zusammenund haben gemeinschaftlich in innerer Verbindung unter einander stehend das oben be-zeichnte Bildungsideal zu verwirklichen, das seine Principien der Politik entlehnt. Ammeisten wird die sittliche Bildung durch die politische Bedeutung dieser Erziehungbestimmt. Ihr liegen großartige Gedanken und beachtenswerthe Wahrheiten zu Grunde;aber freilich, wenn man den Maßstab reiner Sittlichkeit an die spartanischen Tu-genden legt, so werden auch sie nach dem scharfen, aber wahren Ausspruch des Augu-stinus zu glänzenden Lastern sich umsetzen. Mit Recht sah man die Grundlage bür-gerlicher Sittlichkeit in der Bildung eines männlich festen Willens. Darin läßt sicheine negative und eine positive Seite unterscheiden. Der Wille beruht nämlich einmalauf der Herrschaft des Menschen über sich selbst. Das ist seine nach außen gerichteteSeite, welche abwehrt, was die Freiheit stört und den Menschen zum Sclaven einerunsittlichen Macht erniedrigt. Die positive Seite aber besteht in der Übereinstimmungdes Willens der Einzelnen mit den Forderungen der ihm übergeordneten allgemeinensittlichen Macht, in der Uebereinstimmung mit dem Gesetz. Für die Spartaner wares das Staatsgcsetz, der Wille des Staates. In beiden Richtungen löste die spartanischeErziehung ihre Aufgabe vortrefflich. Die Herrschaft des Menschen über sich selbst be-steht vorzugsweise in der Herrschaft des Geistes über den Leib; darauf beruht wenig-stens die sittliche Freiheit, welche das Alterthum erstrebte. Die Herrschaft über denLeib besteht zunächst in der Herrschaft über die Glieder, so daß man über sie frei ver-fügen und sie sicher gebrauchen kann, wie ihre Natur es zuläßt. Diese Herrschaft wirddurch eine systematisch ausgebildete Gymnastik erworben, lieber sie weiter unten; hierist sie nur als Grundlage der Willensbildung zu beachten. Das Gefühl der eigenenKraft beruht auf der Sicherheit der Herrschaft über die eigenen Körperkräfte; sie istdaher wirklich die physische Bedingung für einen starken Willen. Aber weiter giltes, die Neigungen, Begierden und Leidenschaften des Leibes im Zaum zu halten , zuunterdrücken oder in ruhige Bahnen zu leiten. Hiefür sorgt die Gewöhnung an diegrößte Einfachheit der Lebensbedürfnisse und Enthaltsamkeit in allen Genüssen (s. untenDiät). Das Hcrvordrängen der eigenen Persönlichkeit und Individualität würde aberganz besonders unverträglich mit dem spartanischen Wesen erschienen sein. Man drangdaher mit Strenge auf bescheidenes, zurückhaltendes Benehmen der Jugend und diesessuchte man zu erzielen, indem man ihr die angemessene äußereHaltung vorschrieb.So wissen wir, daß Knaben und Jünglinge, wenn sie auf der Straße erschienen, ihreHände im Mantel halten, daß sie schweigend einhergehcn und nach keiner Seite sichumsehen, vielmehr auf ihre Füße blicken mußten. Eher, sagt ein Bewunderer dieserSitte, hätte man einen Stein reden hören oder ein ehernes Bild die Augen be-wegen sehen, ehe man von einem spartanischen Jüngling auf der Straße einen Lautvernommen hätte oder ihm hätte in's Auge sehen können; ein spartanischer Knabe schienschüchterner zu sein, als ein im Inneren des Hauses erzogenes Mädchen. In der Thatdarf man jene Aeußerlichkeiten nicht zu gering achten. Die Erfahrung lehrt, daß zwi-schen äußeren Zeichen und inneren Stimmungen eine derartige Beziehung stattfindet,daß das eine das andere hervorruft, daß auch die Gewöhnung an die äußere Haltung,welche einem bescheidenen Sinn entspricht, diesen selbst erzeugen wird. Mit Recht ließman daher in der frühesten Jugend schon die Gewöhnung an diese äußeren Formenbeginnen, ehe noch ihre sittliche Bedeutung zum Bewußtsein kam. In derselben Weise