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4 (1881) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Luther.

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gemein und hatte viel mehr Bedeutung als Keim neuer und weiterer Entwicklungen.Die Geschichte der Pädagogik bezeugt es, wie viele der köstlichsten Früchte aus diesenKeimen erwachsen sind und wie wir immer wieder bei allen principiellen Fragen überBildung und Erziehung auf das Zeitalter der Reformation und auf den schöpferischenGenius Luther's zurückgewiesen werden.

Daß der Hausstand ein heiliger Stand sei, bewies niemand besser als Lutherdurch das eigene Beispiel. Am 13. Juni 1525 hatte er sich mit Katharine von Boraverheirathet. Seine Ehe war mit 6 Kindern gesegnet, in deren Besitz er sich reicherfühlte als alle päpstlichen Theologen auf der ganzen Welt. Er dankte Gott, daß erihm in seiner Käthe ein freundlich, gottesfürchtig und häuslich Gemahl geschenkt habe,die er theurer achten müße denn das Königreich Frankreich und der Venediger Herr-schaft. Hier im Kreise der Seinen entfaltete der sonst so gewaltige und oft harteMann als Gatte und durch seine kinderfreundliche Erscheinung das innigste und gemüth-vollste Wesen und lernte es immer besser verstehen, daß alle, die in das Himmelreichkommen wollen, werden müßen wie die Kinder. An der Demuth und der gläubigenHingebung der Kinder begriff er so recht das Wesen des Glaubens und ward deseigenen Standes in der Gnade und Vergebung der Sünden immer gewißer. Er lerntean ihnen, wie da, wo die Erlösungswilligkeit am größten, auch die Erlösungsfähigkeitam sichersten ist. Wie ihm so im Anschauen der Kinder und ihres kindlichen Treibensoft die Ahnung höherer Dinge aufgieng, so machte ihn auch der herzliche und innigeVerkehr, in dem er mit ihnen stand, immer geschickter und fähiger zu dem Berufe einesErziehers und Seelsorgers seines Volkes. Wie er die Sprache der Kinder verstand,das beweisen am besten die unvergleichlich lieblichen Briefe an seinen Sohn Hänschenvon den lieben Englein, die die frommen Kinder behüten und von dem Paradieses-Garten, sowie das schöne Lied »Vom Himmel hoch da komm ich her", das ursprüng-lich ein Kinderlied ist. Den Höhepunet des Familicnglückes im Luther'schen Hause, wiees sich am heiligen Weihnachtsabend um den Christbaum darstellte, hat der MalerSchwerdgeburth in einem viel verbreiteten überaus anziehenden Bilde, das auch alseine Predigt vom christlichen Hausstande gelten darf, zur Anschauung gebracht. DieBriefe, die Luther von verschiedenen Reisen an seine »liebe Käthe» schrieb, bekundendie herzlichste eheliche Liebe und Treue. Aber alle Tiefe seines gotterfüllten Gemüthesoffenbarte er bei dem Tode seiner geliebten Kinder Elisabeth (f 1528) und Magdalene(st 1543), ebenso in seiner Trauer um den großen Verlust, wie in dem Tröste, mit demer sich und die Seinen aufrichtcte. In dem Hausgottesdienste, den Luther so ein-dringlich empfahl, gieng er mit dem eigenen Beispiele voran. Die Hauspostille ist ausReden entstanden, die er zu Hause für Kinder und Gesinde hielt. Im Jahre 1532predigte er ein halbes Jahr nur zu Hause seinen Kindern und Gesinde um des Ge-wissens willen als ein Hausvater, der solches zu thun schuldig sei. Noch sind dieBriefe vorhanden, die das innige Vertrauen bezeugen, durch das er mit den Lehrernverbunden war, denen er auf der von ihm besonders hochgehaltenen Schule zu Torgauseinen Sohn Johannes anvertraut hatte. Wie er den Rector Marcus Crodel vor-züglich schätzte als einen Mann, der wenige seinesgleichen habe, namentlich in Zram-mativa st oorrsotious morurn, und wie er es dankbar rühmt, daß sein Sohn es beiihm besser habe, als im eigenen Hause, so hatte er auch ein aufrichtiges Freundschafts-verhältnis zu dem dortigen Cantor Johannes Walther. Aber so mild und lieb Luthergegen seine Kinder war und so schwer es ihn ankam, sie strenge zu strafen, so schonteer doch auch der Ruthen nicht, so oft es nöthig war, auch hiebei wie in seinem ganzenHausstande eingedenk, daß ein Bischof ein Mann sein soll, der seinem Hause wohl vor-stehe, der gehorsame Kinder habe, auf daß andere Leute davon erbauet ein gut Exempelnehmen und nicht geärgert werden. Luther starb am 18. Febr. 1546.

Literatur: Gedike, Luther's Pädagogik oder Gedanken über Erziehung undSchulwesen aus Luther's Schriften gesammelt. Berlin 1792. Froböse, Dr. MartinLuther's ernste kräftige Worte an Eltern und Erzieher. Göttingen 1822. Beste,