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4 (1881) Kirche - Muttersprache
Entstehung
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Luther.

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des Geistes stecket; sie sind der Schrein, darinnen man dies Kleinod traget. Sie sinddas Gefäß, darinnen man diesen Trank fasset; sie sind die Kemnat, darinnen dieseSpeise lieget. Ja, wo wir's versehen, daß wir, da Gott vor sei, die Sprachenfahren lassen, so werden wir nicht allein das Evangelium verlieren, sondern wird auchendlich dahin gerathen, daß wir weder Lateinisch noch Deutsch recht reden oder schreibenkönnen". In diesen beiden, den Sprachen und dem Evangelium, sind die Grund-züge einer Constitution der gelehrten Schule gegeben, auf welche sie sich immer wiederbesinnen muß, wenn sie ihrer Aufgabe nicht untreu werden will und sich nicht ablösenvon ihrem geschichtlichen Grunde. Nie ist so Tiefes und Schönes über diese Verbindungder Theologie und Philologie, des Christenthums und der Gelehrsamkeit geschriebenworden, wie in dieser Vermahnungsschrift Luther's. Nie ist aber auch das elastischeAlterthum mit dein Evangelium so Hand in Hand gegangen, wie damals, als manauf dein alleinigen Grund, der gelegt ist in Christus und den Propheten, die Sprachenals die Säulen des gereinigten Glaubens erhob und die alte Literatur als eine Hülfs-inacht aufrief, um den mittelalterlichen Klerus zu bekämpfen. Unter dem VorgängeLuther's verbreitete sich immer tiefer die Ueberzeugung, daß das Licht der alten Literaturbestimmt sei, in die Tiefen des göttlichen Wortes zu leuchten. Im weitern Verlaufseiner Schrift weist Luther nach, wie das Evangelium aus Unkenntnis der Sprachenverfallen sei, und wie wir es nun durch Kenntnis derselben wieder reiner haben alszur Zeit Hieronymi und Augustini. Einen besondern Werth legt er dem Studium derSprachen bei für die Vertheidignng des Evangeliums. Scharf tadelt er diejenigen,die sich des Geistes rühmen und die Schrift gering achten, sowie auch die BrüderValdenses, die die Sprachen verachten. Darauf weist er nach, wie das weltliche Re-giment ebenso wie das geistliche gelehrter Leute und guter Schulen bedarf. Auch hiersiud es die Sprachen nebst den Historien, durch die die Männer gebildet werdenmäßen, die Land und Leute regieren sollen. Denn aus den alten Poeten und Historikernsollen sie die Geschichte und Sprüche aller Welt lernen, »wie es dieser Stadt, diesem Reich,diesem Fürsten, diesem Mann, diesem Weibe gangen wäre, und könnten also in kurzerZeit gleichsam der ganzen Welt von Anbeginn Wesen, Leben, Rath und Anschläge,Gelingen und Ungelingen vor sich fassen, wie in einen: Spiegel". Daneben empfiehlt er»die Mustca mit der ganzen Mathematica" und rühmt die Griechen, die ihre Kinderdarinnen erzogen, so dadurch wundcrgeschickte Leute worden, zu allerlei hernach tüchtig.

Ueber die Bedeutung und den Nutzen der Geschichte spricht er sich an einer anderenStelle (in der Vorrede zu Galentii Capcllä Historie vom Herzog zu Mailand) nochausführlicher aus. Er sah iu den Historien nichts geringeres denn eine Anzeigung,Gedächtnis und Merkmal göttlicher Werke und Urtheile, wie er die Welt, sonderlichdie Menschen erhält, regiert, hindert, fördert, strafet und ehret, nachdem ein jeglicherverdient Böses oder Gutes. Ihre Kenntnis hält er daher für die Erziehung um sowichtiger, da die Menschen durch Exempel härter bewegt werden und vom Bösen abge-halten, als durch bloße Worte und Lehre. Nimmt man dazu, daß durch die Refor-mation auch eine richtigere Würdigung der Creatur sich geltend machte und daß Luthergerade hierin mit seiner tiefen und frommen Auffassung vorangieng, so daß dadurchdie selbständige Bedeutung vorbereitet werden konnte, welche die Naturwissen-schaften sich jetzt errungen haben, so sieht man, daß die Bahn gebrochen war füreine allseitige wissenschaftliche Bildung.

Seine Fürsorge für die Pflege und Erhaltung der neuen Bildung erstreckte sichauch auf die Gründung von Libereien und Bücherhäusern, die er nach dem Vorbildeder Stifter und Klöster empfahl, ja für die er sich auf die Sammlungen der Schriftendes Alten Testamentes durch die Könige und Propheten in Israel berief. »Erstlichsollte die heilige Schrift beide auf Lateinisch, Griechisch, Ebräisch und Deutsch, und obsie noch in mehr Sprachen wäre, darinnen sein. Darnach die besten Ausleger und dieältesten, beide Griechisch, Ebräisch und Lateinisch. Darnach solche Bücher, die zu denSprachen zu lernen dienen, als die Poeten und Oratores, nicht angesehen, ob sie Heiden