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Luther.
Luther der Jugend zu nutz selbst einen Theil des lateinischen Gottesdienstes beibehaltenwissen wollte. In der »deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes" schreibt er:»Denn ich in keinem Wege will die lateinische Sprache aus dein Gottesdienst lassengar wegkommen; denn es ist mir alles um die Jugend zu thun. Und wenn ichs ver-möchte, und die griechische und ebräische Sprache wäre uns so gemein als die lateinische,und hätte so viel feiner Musica und Gesangs, als die lateinische hat; so sollte maneinen Sonntag um den andern in allen vier Sprachen, Deutsch, Lateinisch, Griechischund Ebräisch Messe halten, singen und lesen." Das unmittelbare Bedürfnis der Refor-mation trieb dahin, daß Leute für die gelehrten Stände vorgebildet wurden, die imPredigtamt und weltlichen Regiment die Sache Christi vertreten und fördern könnten.Luther hatte es erkannt, daß Gott die Sprachen als das Mittel geschickt habe, demEvangelium wieder den Weg zu bahnen. Bon diesem Gesichtspuncte aus empfahl erden Rathsherrn aller Städte Deutschlands die Errichtung christlicher Schulen, die haupt-sächlich auf Sprachunterricht gegründet allen Ständen ohne Unterschied offen stehensollten, da es für jedermann nützlich sei, Latein zu verstehen. »Und wenn schon einsolcher Knabe, so Latein gelernet hat, darnach ein Handwerk lernet und Bürger wird,hat man denselbigen in Borrath, ob man sein etwa zum Pfarrherrn oder sonst zumWort brauchen müßte: schadet ihm auch solche Lehre nichts zur Nahrung, kann seinHaus desto baß regieren und ist über das zugerichtet und bereit zum Predigtamt, woman sein bedarf." »Die Sprachen, sonderlich die lateinische wissen, ist allen nütze, auchKrieges- und Kaufleuten, auf daß sie mit fremden Nationen sich bereden und mit ihnenumgehen können."
Die Hauptschrift über die gelehrten Schulen ist jene Vermahuungsschrift Luther'san die Rathsherrn aller Städte Deutschlands, daß sie christliche Schulen aufrichten underhalten sollen ( 1524 ), die als der eigentliche Stiftungsbrief der Gymnasien zu be-trachten ist. In derselben sprach L. so recht aus unmittelbar göttlicher Vollmacht, weilihm »Gott den Mund aufgethan und ihn heißen reden". Seine Worte hallten wieein Donner durch ganz Deutschland und weckten die schlafenden Gewissen. Er konntesich mit Recht rühmen, daß er nicht das Seine suche, sondern das Beste des ganzen
deutschen Landes und Volkes und daß sie, wo sie ihm hierin gehorchten, ohne Zweifel
nicht ihm, sondern Christo gehorchten, und wer ihm nicht gehorchte, nicht ihn sondernChristum verachtete.
Die Grundlage aller höheren Bildung sollen die Sprachen sein, an die sich dieHistorien, die Musica und die Mathematica schließen. Dadurch soll dieJugend geschickt gemacht werden zu beidem, die heilige Schrift zu verstehen und weltlichRegiment zu führen. Die Sprachen sind hauptsächlich um des Evangeliums willen da.»Wiewohl das Evangelium allein durch den heiligen Geist ist kommen und täglich
kömmt; so ist's doch durch Mittel der Sprachen kommen und hat auch dadurch zu-
genommen, muß auch dadurch behalten werden. Denn gleich als da Gott durch dieApostel in alle Welt das Evangelium lassen kommen, gab er die Zungen dazu. Undhatte auch zuvor durch der Römer Regiment die griechische und lateinische Sprache soweit in alle Lande ausgebreitet, auf daß sein Evangelium ja bald fern und weit Früchtebrächte. Also hat er jetzt auch gethan. Niemand hat gewußt, warum Gott die Sprachenhervor ließ kommen, bis daß man nun allererst stehet, daß es um des Evangelii willengeschehen ist. Darum hat er auch Griechenland den Türken gegeben, auf daß dieGriechen verjaget und zerstreuet die griechische Sprache ausbrächtcn und ein Anfangwürde, auch andere Sprachen mitzulernen. So lieb nun als uns das Evangelium ist,so hart lasset uns über den Sprachen halten; denn Gott hat seine Schrift nicht um-sonst allein in die zwo Sprachen schreiben lassen, das Alte Testament in die ebräische,das Neue in die griechische. Welche nun Gott nicht verachtet, sondern zu seinen: Worterwählet hat vor allen andern, sollen auch wir dieselben vor allen andern ehren. —
-Und lasset uns das gesagt sein, daß wir das Evangelium nicht wohl werden
erhalten ohne die Sprachen. Die Sprachen sind die Scheide, darinnen dies Messer