Luther.
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noch sich entschuldigen kann, was ihm noth ist zur Seligkeit, denn drey Dinge sindnoth einem Menschen zu wissen, daß er selig werden möge. Das erste, daß er wisse,was er thun und lassen soll. Zum andern, wenn er nun siehet, daß er es nicht thunnoch lassen kann, daß er wisse, wo ers nehmen, suchen und finden soll, damit er das-selbige thun und lassen möge. Zum dritten, daß er wisse, wie er es suchen und holensoll." Auch an anderen Orten spricht er sich über die Wichtigkeit dieser drei Stückeauf das nachdrücklichste aus. Er wollte, daß dieselben auf den Kanzeln und in denSchulen, so wie daheim in den Häusern mit Kindern getrieben würden. In denmethodischen Vorschriften, die er darüber in seiner Schrift von der deutschen Messe undOrdnung des Gottesdienstes (1526) gab, zeigte er, daß er es verstand, zu der Fassungs-kraft der Kinder herabzusteigen. Er wollte, daß dieselben die ganze Summa des christ-lichen Verstandes in zwei Stücke, als in zwei Säcklein fassen im Herzen, welches sind:Glaube und Liebe. «Des Glaubens Säcklein habe zwei Beutlein; in dem einenBeutlein stecke das Stück, daß wir glauben, wie wir durch Adams Sünde allzumalverderbt, Sünder und verdammet sind, Röm. 5, 12. Ps. 51, 7. Im anderen steckedas Stücklein, daß wir alle durch Jesum Christ von solchem verderbten, sündlichen, ver-dammten Wesen erlöset sind, Röm. 5, 18. Joh. 3, 16. Der Liebe Säcklein habe auchzwei Beutlein; in den: einen stecke dies Stücke, daß wir jedermann sollen dienen undwohl thun, wie uns Christus gethan hat, Röm. 13, 8; in dem anderen stecke dasStücklein, daß wir allerlei Böses gerne leiden und dulden sollen, 1 Joh. 3, 16. Wennnun ein Kind beginnet solches zu begreifen, daß mans gewöhne, aus der PredigtSprüche der Schrift mit sich zu bringen und den Eltern aufzusagen, wenn man essenwill über Tische, gleichwie man vorzeiten das Latein aufzusagen pflegete, und darnachdie Sprüche in die Säcklein und Beutlein stecken, wie man die Pfennige und Groschenoder Gulden in die Taschen steckt. Als, des Glaubens Säcklein sei das gülden Säck-lein; in das erste Beutlein gehe dieser Spruch, Röm. 5, 12: Von eines einigenSünde sind sie alle Sünder und verdammt worden; und der Ps. 51, 7: Siehe inSünden bin ich empfangen, und in Unrecht trug mich meine Mutter. Das sind zweenRheinische Gulden in das Beutlein. In das andere Beutlein gehen die UngarischenGulden, als dieser Spruch, Röm. 4, 25: Christus ist für unsere Sünde gestorben undfür unsere Gerechtigkeit auferstanden; Item Joh. 1 , 29: Siehe, das ist Gottes Lamm,das der Welt Sünde trägt. Das wären zween gute Ungarische Gulden in das Beut-lein. Der Liebe Säcklein sei das silberne Säcklein; in das erste Beutlein gehen dieSprüche vom Wohlthun, als Gal. 5, 13: Dienet unter einander in der Liebe. Matth.25, 40: Was ihr einem aus meinen Geringsten thut, das habt ihr mir selbst gethan.Das wären zween silberne Groschen in das Beutlein. In das andere Beutlein gehedieser Spruch, Matth. 5,11: Selig seid ihr, so ihr verfolget werdet um meinetwillen.Hebr. 12, 6: Wen der Herr lieb hat, den züchtiget er, er stäupt aber einen jeglichenSohn, den er aufnimmt. Das sind zween Schreckenberger in das Beutlern. — Undlasse sich hie niemand zu klug dünken und verachte solch Kinderspiel." Unter denLehrern hielt er diejenigen für die besten und nützlichsten, die die zehn Gebote, denGlauben und das Vater Unser recht lehren. Er beklagte es, daß so wenige Predigeres recht verstehen und statt dessen ,,in Daniel, Hosea, Apokalypse und dergleichen schwerenBüchern hochherfliegen."
Im I. 1529 schrieb Luther zuerst seinen großen, alsdann den kleinen Katechis-mus. In der Vorrede zum ersteren sagt er: «Diese Predigt ist dazu geordnet und
angefangen, daß es sei ein Unterricht für die Kinder und Einfältigen: darum sie auchvon Alters her auf Griechisch heißet Katechismus, das ist eine Kinderlehre, so einjeglicher Christ zur Noth wissen soll; also, daß wer solches nicht weiß, nicht könne unterdie Christen gezählet und zu keinem Sacrament zugelassen werden. Gleichwie maneinen Handwerksmann, der seines Handwerks Recht und Gebrauch nicht weiß, auswirftund für untüchtig hält." lieber den Anlaß zum kleinen Katechismus spricht er sich inder Vorrede also aus: «Diesen Katechismum oder Christliche Lehre in solche kleine,