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Jahre über dem Donat und Alexander gelernet und dennoch nichts gelernet. „Ja, wieleid ist mirs jetzt, daß ich nicht mehr Poeten und Historien gelesen habe, und michauch dieselben niemand gelehret hat. Hab dafür mäßen lesen des Teufels Dreck, diePhilosophos und Sophisten mit großer Kost, Arbeit und Schaden, daß ich genug habedaran auszufegen." Er klagt, daß dadurch mit der Zeit „dahingefallcn ist alle Künsteund Sprachen, und anstatt rechtschaffener Bücher die tollen, unnützen und schädlichenMönchsbücher datllolicon, lUorists,, Oraooista, Uab^rintllus , Uorini ssours und der-gleichen vom Teufel eingeführet ist, daß damit die lateinische Sprache zu Boden istgegangen und nirgend eine geschickte Schule, noch Lehre, noch Weise zu studiren istübrig geblieben." Da die Lehrer selbst unwissend waren, war es dahin gekommen, daßman in den hohen Schulen und Klöstern nicht allein das Evangelium verlernte, sondernauch lateinische und deutsche Sprache verderbte, „daß die elenden Leute schier zu lauterBestien geworden sind, weder Deutsch, noch Lateinisch recht reden oder schreiben können,und beinahe auch die natürliche Vernunft verloren haben."
Die Wiederbelebung der elastischen Studien führte für die Schulen und gelehrtenAnstalten einen neuen Tag herauf. In den Vorläufern der Reformation war bereitsdas Bewußtsein lebendig, daß die Besserung der Kirche von der Erziehung der Äugendausgehen müße. Durch die Brüder vom gemeinsamen Leben wurde auf Verbreitungder Bibel in der Muttersprache gewirkt, und der Humanismus, wenn er auch keinenVolksunterricht Hervorbringen konnte, bemächtigte sich doch der lateinischen Schulen undsuchte ihnen einen neuen Geist cinzuhauchen. Es war eine gnädige Fügung Gottes, daßdieser Geist dem neugeborenen Evangelium dienstbar gemacht wurde, und daß Lutherdas auserwählte Werkzeug war, die Sprachen und das Evangelium zu einem unauf-löslichen Bunde zu vereinen. Die Idee einer deutschen Volksschule lag Luther nochfern. Er hatte, wo er Schulen empfahl, meist gelehrte Schulen im Sinne, in denendie elastischen Sprachen obenan standen. Als Ziel schwebte ihm immer die Bildungderjenigen vor, die Prediger werden wollten oder weltlich Regiment führen. Wennauch so die Bildung ausschließlich noch durch das Lateinische bedingt blieb, so wurdedoch durch Luther's Bibelübersetzung, den Kateckismus und seine geistlichen Lieder auch dieerste Veranlassung zur Einführung eines neuen zeitgemäßen Volksunterrichtes gegeben,der seine Grundlage entschieden in der religiösen Bildung hatte, doch durch die ebenangedeuteten Hülfsmittel nicht bloß der Religion, sondern auch der Wissenschaft undKunst diente.
Das v olksthümliche Element der Luther'schen Pädagogik lag somit rechteigentlich in dem Religionsunterrichte, der bald durch ihn eine neue Bedeutungund eine neue Gestalt gewann. Wie er alle Ordnung der Kirche und des Gottesdienstesnicht um deren willen stellen wollte, die bereits Christen sind, sondern am allermeistenum der Einfältigen und des jungen Volkes willen, welches soll und muß täglich in derSchrift und Gottes Wort geübt und erzogen werden, so hatte er auch die Jugend be-sonders im Auge bei den katechetischen Arbeiten, in die er die Hauptstücke des Christen-thums zusammenfaßte. Als die drei einfachsten Stücke des Christenthums hatte manvon Alters her die zehn Gebote, den Glauben und das Vaterunser betrachtet. NachdemLuther bereits 1516—17 über die zehn Gebote, 1517 in den Fasten über das VaterUnser gepredigt hatte, gab er 1518 die „Auslegung deutsch des Vater Unsers für dieeinfältigen Laien" heraus, darauf 1520 die „kurze Auslegung des heiligen Vater Unsersvor sich und hinter sich" und endlich in demselben Jahre die bereits oben erwähnte„Kurtze Form die zehen Gebote, Glauben und Vater Unser zu betrachten." In derVorrede zu derselben schrieb er, daß es nicht ohne sonderliche Ordnung Gottes ge-schehen sei „daß für den gemeinen Christenmenschen, der die Schrift nicht lesen mag,verordnet ist, zu lehren und zu wissen die zehen Gebote, den Glauben und das VaterUnser. In welchen dreyen Stücken fürwahr alles, was in der Schrift stehet und immergepredigt werden mag, auch alles was einem Christen noth zu wissen, gründlich undüberflüssig begriffen ist. Und mit solcher Kürze und Leichte verfasset, daß niemand klagen