schlechte, einfältige Form zu stellen, hat mich gezwungen und gedrungen die klägliche,elende Noth, so ich neulich erfahren habe, da ich auch ein Visitator war." Daraufschildert er die erschreckende Unwissenheit des gemeinen Mannes und vieler Psarrherrnin der christlichen Lehre und beschwört die letzteren, sich ihres Amtes besser anzunehmen,sich zu erbarmen über das Volk, das ihnen befohlen sei, und zu helfen, den Katechismumin die Leute, sonderlich in das junge Volk zu bringen. Dabei ermahnt er zunächst denText fleißig zu treiben, aber immer in einerlei Form, sodann die Erklärung und erst,wenn der kleine Katechismus richtig gelehret und geübt sei, den großen vorzunehmen,um reicheren und weiteren Verstand der einzelnen Stücke zu geben.
Der Kachtechismus war Luther's Lieblingswerk. Er selbst sagt darüber in einemBriefe an Capito: Do romis wsoruiu lidrorum äisxonsuäis sgo triAiäior 8UIU stssAuior, oo guoä 8aturnins, taius xsroitus iiiugls ouxisrsw sos orunss äsvoratos.UuIIum suiiu aAuosoo justuiu rusuiu libruw, uisi torts äs ssrvo arditrio st Outsokiis-muui, und ein andermal: „Ich kanns nicht ausstudiren, noch auslernen, sondern lernedoch täglich darin und bete den Katechismus mit meinem Sohn Hansen und meinemTöchterlein Magdalenen." Noch in seinem letzten von Eisleben kurz vor seinem Todegeschriebenen Briefen erinnert er seine Käthe, den Katechismus nicht liegen zu lassen.So in dem Briefe vom 7. Februar: „Lies du, liebe Käthe, den Johannem und demkleinen Katechismum, davon du sagtest: Es ist doch alles von mir in den: Buch ge-sagt." Voll des Lobes und Preises der Hauptstücke des Katechismus nennt er die zehnGebote eine äootriua äostriusruiu, das Bekenntnis des Glaubes lustoria kiistorisrurn,das Vater Unser oratio oratiouuru und die Sacramente osrlmonias osriurouiarum.Auch in den Tischreden rühmt er den Katechismus als die beste und nöthigste Lehrein der Kirche und mahnt, daß man nicht dispntire von heimlichen und verborgenenDingen, sondern einfältig beim Katechismo bleibe. Dort findet sich auch eine Zusammen-stellung kurzer Sprüche des Katechismus, wie ihn Luther in seinem Hause lehrete.
Der Katechismus Luther's, der bereits zu Mathestus' Lebzeiten in mehr als 100,000Exemplaren gedruckt war, wurde bald in ganz Deutschland die Norm für den Religions-unterricht. Der Segen davon wurde überall sichtbar. Schon 1530 schreibt Lutheran den Kurfürsten Johann: „Es wächst gesund daher die zarte Jugend von Knäbleinund Mägdlein mit dem Katechismo und Schrift so wohl zugericht, daß mirs in meinemHerzen sanfte thut." Die Katechismuslehre wurde ein Hauptbestandtheil des Gottes-dienstes und bald wurde es allgemein, daß die Nachmittagspredigt für den Katechismusbestimmt war. Bei den späteren Visitationsstagen wurde in der Schule zuerst ermittelt,ob der Küster auch den Katechismus nebst Luther's geistlichen Gesängen und Psalmenfleißig in der Schule lehre. In dem von Melanchthon ausgearbeiteten Schulplanen desVisitationsbüchleins (1528) wird für „den andern Haufen" ein Tag, Sonnabend oderMittwoch, zu christlicher Unterweisung bestimmt. Alle Kinder, eines nach dem andernsollen das Vater Unser, den Glauben und die zehn Gebote hersagen: der Schulmeisterseinerseits soll bald das eine, bald das andere dieser Stücke richtig und einfältig er-klären und den Kindern wohl einbilden, was noth ist recht zu leben, als Gottesfurcht,Glaube, gute Werke. Daneben soll der Schulmeister etliche in diesem Sinne aus-gewählte Psalmen zu lernen geben, als den 112. 34. 128. 125. 127. 133. Andiesem Tage soll man noch Matthäum Zraiuirmtios exponiren (aus dem lateinischenTexte), auch wohl die Briefe an Timotheum und die 1. Epistel Johannis, wenn dieKinder erwachsen sind, oder die Sprüche Salomonis, aber keine anderen schwierigerenBücher.
Aus diesem Plane ersieht man zugleich, in welchem Umfange die Erklärung ver-heil i gen Schrift damals in den Schulen getrieben wurde. Zu dieser Auswahl,die nicht einmal für alle bestimmt war, kam nur noch die Lesung der Psalmen undeinzelner Abschnitte aus dem Neuen Testamente in den Wochengottesdiensten durch dieSchüler. Man ist oft zu weit gegangen, indem man geglaubt hat, daß unmittelbardurch die Reformation die Bibel das Lesebuch in der Schule und Familie geworden