Luther.
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fürchten soll. In der Auferziehung „in der Zucht und Vermahnung zum Herrn" (kV7r«,llktk,. xV xv(,/nr>) sieht er die zwei Stücke, daß man sie soll lehren, was
zu lehren ist, und strafen, wenn sie der Lehre nicht Nachkommen. Die Lehre hat esvor allein mit geistlichen Dingen zu thuu, daß man sie erst Gott ergebe, dann welt-lichen Geschäften. „Das ist aber die Lehre Gottes, so du die Kinder lehrest erkennenden Herrn Christum, daß du sie lehrest, stets im frischen Gedächtnis haben, wie erfür uns gelitten hat, was er gethan und was er verheißen hat. Also war den KindernIsrael von Gott geboten, daß sie ihren Kindern und Nachkommen erzählen sollten dieWunder, die Gott ihren Vätern in Aegypten gethan hatte (Ps. 78, 4). Und wennsie nun solches wissen und noch nicht lernen Gott lieben, ihm danken und beten undChristo Nachfolgen, soll man weiter vornehmen die Strafe des Herrn; das ist, halteihnen vor das schreckliche Gericht Gottes und seinen Zorn über die Bösen. Dieseswill Gott den Kindern vielmehr vorgehalten haben, als der Menschen, das ist unsereeigene Strafe. Und das nicht ohne Ursache; denn daraus lernen sie allwege über sichzu Gott aufsehen und nicht Menschen, sondern Gott fürchten. Dann sollte man sieallein gewöhnen zu der Eltern Furcht, so käme es dazu, daß sie endlich auch in denDingen, die Gott angenehm, sich vor den Menschen fürchten, und würden also klein-müthig werden. Darum soll man die Kinder also ziehen, nicht daß sie ihre Elternfürchten, sondern daß sie wissen, daß sie Gott erzürnen, wenn sie ihre Eltern nichtfürchten." — Was die Lehre betrifft, so fordert er, daß keiner sollte ein Vater werden,er hätte denn gelernt, daß er seinen Kindern kann predigen die Gebote Gottes unddas Evangelium, daß er fromme Christen zöge, also daß ein Vater eigentlich ein Bischofund Pfarrherr seines Hauses sein soll. Er hält es für die Schuldigkeit eines jeglichenHausvaters, daß er die Woche zum wenigsten einmal seine Kinder und Gesinde Um-frage und verhöre, was sie von Religion wissen oder lernen, und wo sie es nicht können,mit Ernst dazu halte. Insbesondere verlangte er, daß die Eltern ihren Kindern etlichesonderliche Gebetlein verordnen und sprechen lassen, wenn sie zu Tisch oder Bette gehenwollen, in welchem sie die Sünde bekennen und Gott beide, ihre eigene und gemeineGefahr und Noth, vortragen und um Errettung und Linderung bitten. Von denöffentlichen Predigten in den Kirchen erwartete er für die Jugend wenig, da die Kindernicht viel davon lernen und behalten. Darum wollte er, daß die Eltern in den Häuserndasselbige, das sie in der Kirche von den Predigern gehört haben, ihre Kinder undGesinde fleißig lehren und darüber verhören. Das Strafamt der Eltern hielt erfür ein Werk der göttlichen und christlichen Liebe. Eltern sollen ihre Kinder auch mitRuthen und Schlägen züchtigen, auf daß etwas gutes aus ihnen werden möge, gleichwie das deutsche Sprüchwort lautet: Je lieber Kind, je schärfere Ruthen. Wenn maneinen Sohn, der voll Untugend ist, vermahnt, und wo es nicht helfen will, mit ernst-lichen Worten strafet, ja auch Ruthen und Knittel aufträgt, daß der Sünde und Unartin der Zeit gewehret werde, das heißt Barmherzigkeit geübet. Müßen doch zuweilendie Aerzte ein Bein oder Arm abnehmen, auf daß der Leib errettet werde. Warumwollte man hier zürnen, da es nicht um das zeitliche Leben, sondern um das ewige,und nicht um den Leib, sondern um die Seele zu thun ist. Darum ist's „ein Werkder Barmherzigkeit, das Gott belohnen will, wo böse Kinder und Gesind im Hauseist, daß man einen eichenen Butterwecken in die Hand nehme und schmiere ihnen dieHaut damit voll. Solches ist eine geistliche Salbe wider der Seelen Krankheit, dieda heißt Ungehorsam gegen Vater und Mutter." Ein solches Zürnen der Eltern sollaber kein böser Zorn sein, sondern ein Zorn der Liebe, ein freundlicher, väterlicherZorn, wie die mit einander zürnen, die sich lieb unter einander haben. Welcher Zorndazu dient, daß die Liebe hernach desto hitziger und ganz neu wird. Darum lobteLuther die Eltern, die, wenn sie die ungehorsamen Kinder nach Verdienst gestrafet haben,ihnen darnach wieder gute Worte geben und sie also gleichsam wieder versöhnen. Dennsolche Unbeständigkeit diene für die Kinder, daß sie darum nicht, weil sie sich vor derRuthe fürchten, auch den Eltern feind werden. Kurz und treffend sagte er Uber das
Pädag. Encyklopädie. IV. r. Aufl. 45