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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Luther.

thun? Aber der Papst, Kardinäle und Bischöfe sollen das nicht sehen, denn sic sindes nicht werth." Ein solches Hans nennt er eine rechte Kirche, ein auserwählet Kloster,ja ein Paradies. Denn Vater und Mutter werden Gott hier gleich; denn sie sindRegenten, Bischöfe, Papst, Doctor, Pfarrherr, Prediger, Schulmeister, Richter undHerr. Darum sieht er auch in dem Ehestande den Ursprung alles weltlichen Regi-mentes und in dem Hausregiment das Fundament des guten Völkerregimentes.In seiner Auslegung von 2. Mos. 20, 21 sagt er:So haben wir nun genugsamim vierten Gebot gehöret, wie man Vater und Mutter ehren soll und was dies Gebotin sich halte und lehre; also daß man es wohl greifen kann, daß Gott viel darangelegen ist, daß dieser Gehorsam gegen Vater und Mutter im Schwange gehe. Undwo solches nicht geschieht, da sind keine guten Sitten, noch ein gut Regiment. Dennwo in Häusern Gehorsam nicht gehalten wird, wird man es nimmermehr dahin bringen,daß eine ganze Stadt, Land, Fürstenthum oder Königreich wohl regieret werde. Dennda ist das erste Regiment, davon einen Ursprung alle anderen Rcgimente und Herrschaftenhaben. Wo nun die Wurzel nicht gut ist, da kann weder Stamm noch gute Frucht folgen.Denn was ist eine Stadt anders, denn ein Haufen Häuser? Wie sollte denn die Stadtwohl regieret werden, wo in den Häusern kein Regiment ist; ja, da weder Kind, Knechtnoch Magd gehorsam ist? Item, ein ganz Land; was ist es anders, denn ein HansenStädte, Märkte und Dörfer? Wo nun die Häuser übel regieret werden, wie kannein ganzes Land wohl regieret werden? Ja, da muß nichts anderes draus werden,denn eitel Tyrannei, Zauberei, Morden, Dieberei, Ungehorsam. Denn ein Fürsten-thum ist ein Haufen Länder und Grafschaften, ein Königreich ein Hansen Fürsten-thümer, ein Kaiserthum ein Haufen Königreiche. Diese alle spinnen sich aus einzlichenHäusern. Wo nun Vater und Mutter übel regieren, lassen den Kindern ihren Muth-willen, da kann weder Stadt, Markt, Dorf, Land, Fürstenthum, Königreich nochKaiserthum wohl und friedlich regieret werden. Denn aus dem Sohne wird ein Haus-vater, ein Richter, Bürgermeister, Fürst, König, Kaiser, Prediger, Schulmeister re.Wo er nun übel erzogen ist, werden die Unterthanen wie der Herr, die Gliedmaßen

wie das Haupt. Darum hat Gott als an: nöthigsten angcfangen, daß man in: Hause

wohl regiere. Denn wo das Regiment in: Hanse wohl und rechtschaffen gehet, istden anderen allen wohl gerathene Ursache, denn wir sehen, daß das ganze inenschlicheGeschlecht daher könnnet. Denn es hat Gott also gefallen, daß aus Vater und Mutterdie ganze Welt herkomme."

Christliche Kinderzncht hält Luther für eine schwere und mit großer Verantwort-lichkeit verbundene Sache. Darum will er, daß ein jeglicher ehrlicher Mensch seines

Kindes Seele mehr, tiefer, fleißiger ansche, denn das Fleisch, das von ihn: kommen

ist, und sein Kind nicht anders achte, denn als einen köstlichen ewigen Schatz, der ihn:von Gott befohlen sei zu bewahren, daß ihn der Teufel, die Welt und das Fleischnicht stehlen und umbringen. Denn er wird von ihn: gefordert werden an: Tode undjüngsten Tage, mit gar scharfer Rechnung. Mit ernster Mahnung zieht Luther hieherdas Heulen und Klagen derer, die da rufen werden Luc. 23, 29:O selig sind dieLeiber, die nicht Kinder geboren haben, und Brüste, die nicht gesäuget haben".

Die Aufgabe aller christlichen Kinderzncht faßt er in den: Worte desPaulus Ephes. 6, 4 zusammen:Ihr Väter, reizet eure Kinder nicht zun: Zorn, sondernziehet sie auf in der Zucht und Vermahnung zun: Herrn." Bei Erklärung dieser Wortetin der Auslegung des 4. Gebotes) hebt L. zuerst hervor, daß es Pflicht der Eltern sei,ihre Kinder nicht mit Ungestüm zu erziehen, nicht zu Zorn und Kleinmüthigkeit zu reizen,damit der Kinder Gemüth, weil es noch zart ist, nicht ganz in Furcht und Blödigkeitgerathe und erwachse in ihnen ein Haß gegen die Eltern. Durch Liebe werde weitmehr ausgerichtet, als durch knechtische Furcht und Zwang. Auch soll es den Weibern,die der Kinder warten, nicht gestattet sein, mit Larven und Schreckbildcrn und anderenGaukeleien die Kinder zu fürchten zu machen. Vielmehr sollen die Kinder also erzogenwerden, daß sie eine gute Furcht haben mögen, daß sie die Dinge fürchten, die inan