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4 (1881) Kirche - Muttersprache
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Kirche.

aber doch auch nicht mehr, als dieses, vielmehr die staatlichen und bürgerlichen Interessenstets ihre Vertretung ebenfalls in genügendein Maße finden. Dies ist darum aufprotestantischen: Boden viel leichter ausführbar, als ans katholischem, weil, wie obenbemerkt, für uns der Gegensatz zwischen Weltlichem und Geistlichem, zwischen Staatund Kirche gar nicht in der Weise besteht, daß, wenn beide Theile ihre Schuldigkeitthun, ein Conflict entstehen kann; die katholische Fassung dieses Verhältnisses hat da-gegen die nothwendige Folge, daß, wenn der Staat seine Pflicht thut, die Kirche augen-blicklich über Beeinträchtigung Beschwerde erhebt, letzteres also (vicka Concordate!) nurdamit vermieden wird, daß elfteres nicht geschieht.

2. Unter jene Kategorie der Unmündigen fallen aber nicht bloß die dem Alternach Unreifen und darum Erziehungsbedürftigen: es fällt darunter factisch die Masse,der große Haufe, wohl zu unterscheiden von den:, was wir Gemeinde nennen: letztereist und bleibt auch dann das Subjcct der kirchlichen Erziehung, wenn die Masse dasObject ist. Deshalb eben genügt es nicht an häuslicher Erziehung, weil die Familien-häupter selbst noch so vielfach unerzogen oder sich selbst zu regieren unfähig sind. Daßin diesem Sinne die Kirche Erzieherin des Volks ist, wird von katholischer Seite natür-lich viel stärker betont, als von evangelischer; es wird dort das ganze Triebwerk deskirchlichen Lebens, die Seelsorge, die Disciplin, der Cultus mit Predigt, Sacramenten,Sacramentalien, Künsten u. s. f., außer seiner unmittelbar religiösen Bedeutung auchwesentlich als Erziehungsmittel der Kirche bezeichnet. (So wird dieser Gegenstand inausgedehntestem Maße von Dur sch behandelt, s. dessenPädagogik rc. auf dem Stand-punct des katholischen Glaubens" S. 157 362 ; nach der bekannten Einteilung desWerkes Christi in drei Aemter wird dort auch der Kirche eine priesterliche, prophetischeund königliche Wirksamkeit zugeschrieben, schließlich auch dargethan, daß selbst die ander-weitigen, allgemein-menschlichen Potenzen, die erziehend auf den Menschen wirken, wiedie Gesellschaft, die Natur erst durch den Einfluß der Kirche befähigt werden, solcheWirkung auszuüben. In ähnlicher allgemeiner Weise rühmt sich auch die griechischeKirche, Erzieherin des Volkes zu sein, s. z. B. die Predigten des Professors zu Kiew,Amphitheatrow,über das Verhältnis der Kirche zu den Christen", übers, vonJanyschew, Wiesbaden 1855 , namentlich Pred. V. VII.) Auch der Protestant kannsich damit conformiren, daß die Kirche mit ihren Institutionen einen nicht bloß religiös,sondern allgemein-bildenden, sättigenden Einfluß habe und haben müße; ja es hat eineZeit gegeben, da man die Nothwendigkeit oder wenigstens Wohlthätigkeit des Daseinsder Kirche, oder, wie man sich coucreter ausdrückte,die Nutzbarkeit des Predigamts"(Titel einer Apologie desselben von Spalding, 1772 ), nur noch mit der pädagogischenBrauchbarkeit dieses Instituts beweisen zu können glaubte. Und was ist in unfernTagen die innere Mission anders, als eine erhöhte Anstrengung zu kirchlicher Massen-erziehung? Was ist überhaupt die Pastorale Seelsorge, die bei den Armen sich noth-wendig auch mit der Leibsorge befaßt, anders, als Erziehung? Und die Kirchenzuchtverräth ja schon durch ihren Namen ihren pädagogischen Charakter. Gleichwohl fordertdas protestantische Bewußtsein zur Sicherung der persönlich freien Stellung auch desLaien zu Gott, d. h. des allgemeinen Priestcrthums, gegen klerikale Bevormundung,daß wissenschaftlich und praktisch erkannt werde: 1) die allgemeinere erziehende Thätig-keit der Kirche, wie sie namentlich durch die Predigt ausgeübt wird, sei nur mittelbarErziehung zu nennen (wie denn derjenige Prediger einen falschen Standpunct einnehmenwürde, der seine Zuhörer principiell wie Unmündige behandelte, anstatt aus dem Be-wußtsein der Gemeinschaft heraus zu reden); 2) die besondere, umnittelbare Einwirkung,wie sie in der Seelsorge geschieht, sei, bei aller Verwandtschaft derselben mit der Er-ziehung, doch wesentlich vielmehr brüderliche Handreichung, die in Zeiten innerer oderäußerer Noth dem Einzelnen von der Gemeinschaft durch den beauftragten Vertreterderselben, den Geistlichen, zutheil werde, ohne jedoch schlechthin an diesen gebundenzu sein (s. die Pastoraltheol. des Unterzeichneten, S. 184 . 338 ); und 3 ) selbst dieunmittelbarste Pädagogie der Kirche, die in der Katechese besteht, schiebe nicht eine