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Sächsische Herzogtümer.
lehrer am Dessaucr Philanthropin, Christian Gotthilf Salzmann nach Gothaberief und ihn 1784 bei Gründung der Erziehungsanstalt Schnepfenthal theils durchSchenkung eines Capitals von 4000 Thlr-, theils durch eine unverzinsliche Anleihe von8000 Thlr., theils durch anderweite Verwilligungen und Begünstigungen in fürst-licher Weise unterstützte. Ernst II. — der große Zeitgenosse des großen KaisersJoseph II. und der intime Freund Göthes und Herders — war es, der 1780 dasSchullehrerseminar in Gotha gründete und den Waisenhausprediger JohannErnst Christian Haun zum ersten Seminarlehrerund „Methodenmeister" ernannte.Ernst II-, der Gelehrte unter den damaligen Fürsten, war es, der das gothaischeSchulwesen zum zweitenmale auf den Höhepunct der Zeit erhob, so daß die gothaischenSchulen zum zweitenmale zu Musteranstalten für andere Länder wurden. WieErnst der Fromme zur Verwirklichung seiner reformatorischen Pläne sich eines „Reyher"bediente, so benutzte Ernst II. den oben genannten Haun. Der Methodenmeister Haunwurde 1783 zum Landschuleninspector ernannt, und bekam als solcher das Rechtund die Pflicht, alle Schulen des Landes (mit Ausnahme der Stadtschulen) einer ein-gehenden Inspektion und Revision zu unterwerfen. Haun hat sich dieses Auftragsin einer achtzehnjährigen Wirksamkeit in einer Weise entledigt, die seinem Verständnisals Schulmann und seinem Charakter als Mensch alle Ehre macht. Eine Eliasnatur,unbeugsam und unerbittlich, fuhr Haun wie der Sturmwind in das verderbte gothaischeSchulwesen, dasselbe gründlich von der Last untauglicher Lehrersubjecte säubernd. EinSchrecken nichtsnutziger Schulmeister hat er das große Verdienst, im Seminar durchsein praktisches Geschick eine bessere Lehrergeneration herangebildet und in den gothaischenVolksschulen dem Philanthropinismus die Bahn gebrochen zu haben. Statt des ge-dankenlosen Auswendiglernens verlangte Haun Erklärung des Deelamationsstoffes,statt deö verrotteten Gedächtniskrames verlangte er klares Verständnis und stattder alten geisttödtenden Methoden forderte er praktisch entwickelnden Unterricht. Dertyrannischen Schulzucht wurde ein Ende gemacht. Es wurde verboten, die Knaben anHalseisen zu fesseln, sie mit Koth zu bewerfen, sie in der Schule auf Erbsen knieen zulassen rc. Lehrer, die ohne Erlaubnis die Schule aussetzten, wurden hart gestraft.Die früheren gräflichen Bedienten, welche nicht im Stande waren, den neuen An-forderungen zu entsprechen, wurden suspendirt. In kurzer Zeit war die todte Massein Bewegung und überall zeigten sich die Keime einer neuen, besseren Zeit. Daß Haun,„der arge Neuerer," durch sein energisches Vorgehen sich viele Feinde zuzog, war na-türlich, bedauernswerth aber bleibt es, daß seine ärgsten Feinde gerade diejenigenWaren, die ihn am kräftigsten hätten unterstützen sollen — die Geistlichen des Landes.Es erreichten die Gegensätze eine Höhe, die heutzutage kaum noch für möglich gehaltenwird. (Vgl. den zweiten Jahresbericht des gothaischen Seminars S. 31 ff.). Wasdie Geistlichen im Bunde mit faulen Schulmeistern nicht erreichten, das suchte die Feudal-Partei, die adeligen Schulpatrone, möglich zu machen. Die Grafen und Ritter,sowie die fürstlich hohenlohe'schen Näthe protestirten im Landtage gegen einen Beitragaus Kirchenmitteln zur Besoldung des Landschuleninspectors und verweigerten energischdie Anstellung der im Haun'schen Seminar gebildeten Lehrer. Aus all diesen Kämpfengierig Haun schließlich als Sieger hervor. Was man 20 Jahre zuvor nicht für möglichgehalten hatte, war erreicht: die gothaische Volksschule war vom Grunde aus um-gestaltct, eine bessere Lehrergeneration War herangebildct und verständige MethodenWurden gehandhabt. Einen genauen Einblick in das damalige Schulwesen giebt unsder 1801 bei Georg Adam Kcyser in Erfurt erschienene „Allgemeine Schul-Methodusoder praktische Anweisung für Aufseher und Lehrer niederer Schulen jeder Art,sowie auch für Privatlehrer, in Verbindung mit genau darstellenden Tabellen ent-worfen von I. E. Christian Haun." Das Buch enthält laut Vorrede die Be-schreibung derjenigen Methoden, nach welchen in den gothaischen Schulen unterrichtetWurde; es ist darum ein redendes Zeugnis für den Geist jener Zeit. Es würde