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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sächsische Herzogthümer.

für andere gab er seine Einnahmen hin.*) „Ein Fürst — pflegte er zn sagen — sollnicht allein bedenken, daß er Mensch, sondern auch, daß seineUnterthanen Menschensind". Unter solchen Verhältnissen aber kann es uns nicht Wunder nehmen, wenn imdeutschen Lande das Sprüchwort gieng, „daß des Herzogs Ernst Bauern gescheidterseien als anderwärts die Städter und Edclleute".

Am 26. März 1675 starb der fromme Herzog, der in feinem Leben nicht alleinein Bet-Ernst, sondern auch ein Th at-Ernst gewesen war. Noch auf dem Sterbe-bette ermahnte er seine Landescollegien zur Haltung guter Zucht und Ehrbarkeit inKirchen und Schulen. Sein Leichnam ist in der Grabgruft der hiesigen Margareten-kirche vermodert, aber das Andenken dieses Gerechten bleibt im Segen!

Nach Ernsts des Frommen Tode wurde das Land leider in 7 Theile zerstückeltund Friedrich I., des verstorbenen Herzogs ältester Sohn, kam als Herzog vonGotha-Altenburg an die Regierung. Friedrich I. (1676—1691) war voll tiefer Ver-ehrung für die trefflichen Einrichtungen seines Vaters, entsprach aber nicht den Er-wartungen, welche man von einem Sohn und Nachfolger des frommen Herzogs Ernstzu hegen berechtigt war. Er hatte den guten Willen, das Volksschulwesen zu fördern,allein es fehlte ihm die Einsicht, die Energie und — das Geld. Die Ursachen der da-maligen Geldnoth waren dreifacher Art. Friedrich war, nachdem das Land zerstückeltwar, nur noch Herzog von Gotha-Altenburg und hatte demgemäß auch nur ungefähr"/? der Einnahmen seines Vaters. Dann fehlte ihm die Tugend der Sparsamkeit; erverbrauchte zu viel für die nach dem Muster Ludwigs XIV. eingerichtete Hofhaltung,und verwendete einen großen Theil seiner Einnahmen für Jagden, Komödien, Feuer-werke, luxuriöse Trachten, kostspielige Speisen rc. Die meisten Einnahmen aber ver-schlang das von ihm zuerst eingeführte Soldatenheer, welches er bis zn der für daskleine Land ganz enormen Höhe von 6 Regimentern zu Pferd und 4 Regimentern zuFuß vergrößerte, so daß 1691 sogar der deutsche Kaiser auf den Gedanken kam, derHerzog habe vielleicht gar feindliche Absichten gegen ihn. So bestätigte sich denn indem kleinen Lande Gotha, was sich später auch in anderen, größeren Staaten heraus-gestellt hat, daß da, wo das Militär so bevorzugt wird, die Schulen nicht gedeihen.Das Volksschulwesen gieng im Gothaischen sichtlich zurück und die vom Herzoge mitEifer und Zuversicht betriebene Alchymie zeigte sich außer Stande, dem sinkendenVolksschulwcsen die Mittel zu seiner ferneren Erhaltung und Förderung zu verschaffen.**)Auch Friedrichs I. Sohn, Herzog Friedrich II. (1693—1732) war nicht im Stande,dem Sinken des Volksschulwesens Einhalt zu thun. Er ahmte, gleich seinem Vater,die kostspieligen Einrichtungen des Versailler Hofes nach und steigerte, trotz der ernstenEinsprachen des Landtags, die Ausgaben für das von seinem Vater gegründete und

9 vr. A. Beck erzählt in seinem Leben Herzog Ernsts des Frommen (Weimar, Bühlau)folgende ganz charakteristische Züge der Sparsamkeit des Herzogs: An den Amtmann Hackspanzu Zella schrieb der Herzog, er möge ihm eine srischmilchende Kuh zum Geburtstage seiner Ge-mahlin nach Reinhardsbrnnn schicken, dieselbe dürfe aber den Preis von 5 Gulden nicht über-schreiten. Als er einst bei einem Amtsschösser übernachtete, löschte er von den in sein Zimmergestellten 4 Lichtern zwei wieder ans, und als er bemerkte, daß der Amtmann für sich zweiLichter brannte, löschte er auch davon eines ans, mit der Bemerkung, daß schlimme Zeiten wären.Der Luxus — Pflegte der Herzog zu sagen — ist ein unersättlicher Vielfraß, und kostbare Aus-richtungen, Lustjagden, Komödien, Balleten, Feuerwerke u. dgl. beschweren die Unterthanen.

**) Ein (nach Jacobs, Beiträge zur älteren Literatur, oder Merkwürdigkeiten der Herzog!.Bibliothek zu Gotha. Leipzig 1835. Th. I. S. 13) von Friedrich I. mit eigener Hand geschriebenesSchriftstück, das den Titel führt: „Lota zur neuen großen gothaischen und altenburgischcn Fnn-dation am 18. Oct. 1664" giebt für die obige Andeutung genügenden Beleg. In jenem Acten-stllcke sagt der Herzog ausdrücklich: „Zu Werken der Barmherzigkeit, zu Kirchenschmuck und fürPfarrer und Schulmeister werden hierdurch 4,370,689 Thlr. ansgeworfen und die Mittelhierzu auf den Erfolg der unter Händen habenden Arbeit der Tinctura auf lI und A nachsehr genauer Berechnung angewiesen."