490
Sächsische Herzogthümer.
Zu- und Glcichsausen rc. Bezugs der Orthographie bestimmt der Methodus: „Wennein Zweifel vorfället, mit welchem Buchstaben ein Wort zu schreiben sei, so soll derPräceptor darüber den Pfarrer fragen, oder es soll das Lesebüchlein und sonder-lich die deutsche Bibel Richter sein. Cap. V handelt von der Erthcilung derLcctionen in den Schulstunden. Es wird in diesem Capitel für jede Stundeder Lehrgcgenstand und der Lehrstoff bestimmt, so z. B. Montags Vormittag in der erstenFrühstunde soll Katechismusunterricht ertheilt, dann sollen Gesangsbuchslieder hergesagtund die Predigt repetirt werden rc. Cap. VI. Von der Art und Weise, den Ver-stand des Katechismi zu treiben. Es waltet hier die Anschauung vor, welcheLuther in seiner Vorrede zum kleinen Katechismus zuerst entwickelt hat: erst sollen dieKinder den Katechismus den Worten nach recht fertig lernen, und erst später (inderOberclasse) soll das Answendiggelernte erklärt werden. Bemerkt ist in diesem Capitel,daß der Pfarrer wöchentlich einmal dem Präceptor an die Hand gehen und in derSchule im Beisein des Lehrers eine Hebung in der Katechismuserklärung vornehmensoll. Cap. VII. handelt von der An- und Unterweisung, wie die Predigtgcmerket und cxaminirt werden soll. Es sollen nämlich die Kinder sich Sonn-tags beim ersten mal Läuten in der Schule versammeln, und beim Ausläuten still undpaarweise unter Anführung des Präceptors in die Kirche gehen. Dort sollen siebeten rc. und während der Predigt die Predigt nach sch reiben. Sic sollen dabeiachten a) auf den Eingang der Predigt, b) auf das Thema und die Theile, o) aufdie Abhandlung der vorgenommcnen Stücke und ä) auf den seligen Gebrauch undNutzen rc. Cap. VIII. Von den natürlichen und anderen nützlichen Wissen-schaften, und wie selbige zu treiben. Es wird in diesem Capitel, (das jedenfallszu den interessantesten des ganzen Methodus gehört und ganz auffällig an die Bestre-bungen des Amos Comenius erinnert), bestimmt, daß zu diesem Unterrichte erst danngeschritten werden soll, wenn die Kinder die anderen lootionos absolviret haben. Zuerstsoll von den natürlichen Dingen gesprochen werden. Was zur Meßkunst gehöre,soll mit den Knaben allein betrieben werden, u) Bei den natürlichen Wissen-schaften soll der Präceptor die Länge einer Stunde an einer Sand- oder Sonnenuhrzeigen, sodann soll er die 12 himmlischen Zeichen erklären und auf den Sonn- rndMondauf- und Untergang Hinweisen. Bei der Besprechung über die Sternschnuppenund Irrlichter soll er des fliegenden Feuers, der Drache genannt, gedenken, dem Aber-glauben steuern und lehren, „daß es nicht eben allezeit der böse Feind sei, sonderndaß Gott nur bisweilen mit natürlichen Dingen sein Spiel treibe." Bei der Be-trachtung von Donner und Blitz soll der Präceptor den Vergleich mit einem Büchsen-schuß brauchen und daran veranschaulichen, „daß man das Feuer eher flehet, abcrdenKnall langsamer höret." In der Geographie soll er die Himmelsgegenden au denKirchen zeigen, weil allemal der Altar gegen Morgen stehe, man also hinter sich Abend,rechts Süden, links Norden habe. Wenn das die Kinder wissen, sollen sie den Windbeobachten und sagen, von welcher Seite er Weht. Ueber Erdbeben soll das Nöthigemitgetheilt werden, insbesondere aber sollen die Kinder Kräuter, Bäume und Staudenkennen lernen und es soll deshalb der Präceptor allen Fleiß anwenden, daß dergleichenGewächse in den nächsten Gärten gezcuget, oder gedörrt auf Papier genähet oder auf-geleimet und also den Kindern gezeiget werden. Besonders sollen die Kinder auf denNutzen des Waid, der Weidenbäume, des Hollunder rc. aufmerksam gemacht werden.In der Thierkunde sollen die Kinder recht unterscheiden lernen z. B. Kröte undFrosch, und es soll sodann der Präceptor die Kinder dahin führen, wo ein Schweinoder sonsten ein Thier geschlachtet wird und den Kindern die Eingeweide zeigen, derenNamen nennen und sagen, daß der Thiere Leiber mit dem menschlichen Leibe in denmeisten Stücken Übereinkommen rc. I») Bei den geistlichen und weltlichen Sachensoll der Präceptor die Kinder über das thüring'sche Land, über den Unterschied derOerter, Dörfer und Städte und was sich in den Städten und Dörfern befindet, be-