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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sächsische Herzogtümer.

liche deutsche Gesänge vr. Luthers mit Fleiß und deutlich lehren, und nachmals inden vorgesprochenen oder vorgelesenen Artikeln des Katechismi wiederum verhören undcxaminiren." Neben diesen kirchlichen Katechisationcn sollen aber auch „alle Oustoäosund Dorfküster Schule halten und darinnen die Kinder Lesen, Schreiben und christlicheGesänge, so in der Kirche gebraucht werden, lehren." „DeS Procnrirens und Ad-vocirens sollen sich die Küster enthalten, auch in ihre Wohnungen keine Miethlcntenehmen und keine gebrannte Wcinschenken anlcgcn." Dagegen sollen die Gemeindenfernerhin den Küster, wenn derselbe seinen jährlichen Leihkauf bekommt, „nicht un-billig durch Zecherei beschweren, nicht einen Theil seines Gehaltes versaufen, sondernsolche unchristliche Schinderei durchaus abschaffen." „Nur wenn der Onstos zumersten mal gewählt wird, soll er der Dorfschaft etliche Groschen (aber nicht über 6Groschen) zu vertrinken geben." Eigentümlich ist die Bemerkung der Kirchenordnungüber die Nebenbeschäftigung der Küster. „Weil nämlich die Glöckner gemeiniglich ge-ringe Besoldung haben und weil die Kirchen und Gemeinden gemeiniglich nnvermög-lich sind, einen Müßiggänger auf solchem Dienst zu erhalten, so soll cs den Dorf-kirchnern, welche ein Handwerk können, nachgelassen sein, dasselbe daheim im Hauseund außer den Schulstunden zur Nothdurft zu treiben, dagegen soll cs ihnen verbotensein, auf Hcrrenhöfcn zu arbeiten, oder ihre Sachen zum feilen Kauf zu bieten unddadurch den umliegenden Städten oder Meistern desselbigen Handwerks Nachtheil zubringen." — Aus allen diesen Bestimmungen geht zur Genüge hervor, daß die Küsterin einer traurigen Lage waren und daß ein ordentliches Volksschulwesen damalsnoch nicht bestand. Die Küster waren vorzugsweise Kirchen- und Pfarrdiener und erstin zweiter Linie Lehrer. Die Schule hatte nicht den Zweck, die im Menschen liegendenAnlagen naturgemäß und harmonisch zu entwickeln, sondern sie war eine kirchliche An-stalt, bestimmt für den Dienst einer bestimmten Confessicn und für die Weiterverbrei-tung des evangelischen Cultus. Mit dem Eintritt des 30jährigen Krieges aber brachalles zusammen! Geistliche und Lehrer flohen ans den verwüsteten Pfarr- und Schul-häusern, verließen ihre Stellen, ergaben sich der Zuchtlosigkeit des Soldatcnlebens, ver-richteten die niedrigsten Taglöhnerarbeiten, oder suchten, wie z. B. der Schulmeisterzu Mechterstädt, ihr Brod mit Betteln vor den Thüren.

Das Verdienst, in den schweren Zeiten des dreißigjährigen Krieges die gothaischeVolksschule vor dem Untergange gerettet und ans den Trümmern der Vergangenheitein neues, frisches und frommes Leben gepflanzt zu haben, gebührt dem HerzogeErnst dem Frommen (1640 bis 1675). Dieser Pädagog unter den Fürsten undFürst unter den Pädagogen ist der Vater unserer jetzigen Volksschule. Der unsknapp zngemessene Raum gestattet nicht, alles aufzuzählen, was Herzog Ernst zurWicdcraufrichtung unv Förderung des gothaischen Volksschulwesens gethan hat. Essei darum nur einiges hier hervorgehoben. Gleich nach seinem feierlichen Einzuge indie Stadt Gotha (am 24. Oct. 1640) erließ Herzog Ernst eine an alle seine Untcr-thanen, geistliche und weltliche, gerichtete Bekanntmachung, worin er denselben eröffnete,daß er entschlossen sei, sobald als möglich eine allgemeine Kirchen-und Landesvisitatiouanstcllen zu lassen, damit er die Mängel und Gebrechen des Landes und dadurch dieMittel kennen lerne, um seinen Unterthanen durch heilsame Gesetze und Einrichtungenhelfen zu können. Durch Nescript vom 13. Oct. 1641 wurde sodann eine Visitationaller Schulen angeordnet und dabei bestimmt, daß die Pfarrer, Schuldicner und Ael-testen der Gemeinde über gewisse „Fragepuncte" (vgl. Gelbkes Leben Herzog Ernstd. F. Th. III, 41 ff.) zu vernehmen seien. Auf diesem Wege, sowie durch eigene Besucheder Schulen lernte der Herzog nicht allein die arge Unwissenheit und die schrecklicheVerwilderung kennen, in der sich das Volk befand, sondern er bekam auch einen Ein-blick in die Mittel, mit denen etwa geholfen werden könnte. Um dem eingcrissenenVerderben gründlich abzuhelfen, berief er einen Schulmann ins Land, der ganz dazugeschaffen war, das große Werk der Schulreform im Sinne des Herzogs zu fördern.