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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sächsische Herzogthüiner.

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Die sächsischen Hcrzogthümcr. Wie die sächsischen Herzogthüiner (Großherzogth.Weimar-Eisenach, Herzogth. Meiningen, Herzogth. Coburg-Gotha, undHerzogth. Altenbnrg) in geographischer Hinsicht, trotz ihrer theilweisen Getrenntheitund in national-ökonomischer und politischer Beziehung, trotz mancher Verschiedenheitder Interessen und staatlichen Einrichtungen im einzelnen, doch als zusammengehörigeGlieder eines Ganzen erscheinen, so ist dies auch in Bezug auf ihre Schuleinrich-tungen der Fall. Nicht bloß als naturgemäßes Ergebnis einer im allgemeinen gleich-artigen Entwicklung des öffentlichen wie des Privatlebens unter der Regierung ver-wandter Fürstenhäuser, sondern auch infolge besonderer historischer Vorgänge unddirectcr obrigkeitlicher Anordnungen waren, wenigstens bis auf die neuere Zeit, dieSchulen in den genannten Ländern ziemlich übereinstimmend organisirt, und die Leitungdes niedern wie des höhern Unterrichtswesens auf gleiche Principien basirt. Diebeiden Factoreu, welche dieses Ergebnis hauptsächlich herbeiführten, sind die Refor-mation im 16. und die Schulorganisation Ernst des Frommen in der 2.Hälfte des 17. Jahrhunderts.

Abgesehen von wenigen einzelnen Schulen, deren Bestehen bis in das Mittelalterzurückdatirt werden kann, verdankt das herzoglich-sächsische Schulwesen sein Dasein derEinführung der Kirchenverbesserung, welche nirgends tiefer und allseitiger, alsgerade hier, in das Staats- und Volksleben eingriff, und in den thüringisch-sächsischenLändern überall nach gleichen Grundsätzen, mit gleichen Zielpunkten und gleichen Mitteln,zum Theil von denselben Männern, durchgcführt wurde. Auch in die damals nochselbständige, erst später auf Grund erbrechtlichee Verträge den sächsischen Herzogthümerneinverleibte Grafschaft Henneberg wurde die Reformation nach dem dort üblichenModus eingeführt und Schule wie Kirche analog organisirt.

Noch wichtiger für eine einheitliche Gestaltung des Schulwesens in Thüringenist aber die tief eingreifende Wirksamkeit Herzogs Ernst des Frommen gewesen.In der unten folgenden Skizze der Entwicklung des Schulwesens im HerzogthumGotha ist dieselbe ihren Hauptzügeu nach charakterisirt; hier aber muß noch bemerktwerden, daß die Verordnungen Ernsts des Frommen und die von ihm ins Leben ge-rufenen Einrichtungen sich unmittelbar auf mehr als zwei Drittel aller jetzigen herzog-lichen und großherzoglicheu sächsischen Länder, namentlich auf alle Bestandthcile derjetzigen Herzogthüiner Meiningen, Coburg-Gotha und Altcnburg erstreckten, mittelbaraber auch in dem übrigen Theile derselben, im Herzogthum Weimar-Eisenach, Eingangfanden, indem die Weimarsche Negierung dieselben adoptirte und als Norm für ihreeigne Schulgesetzgebung auffaßte. Wurden hier infolge hemmender Einwirkungen dieernestinischen Schuleinrichtungen auch nicht sofort ins Leben eingeführt, so erhielt sichdoch ihr maßgebender Einfluß auch in Weimar bis auf die neueste Zeit, und cS stelltesich somit je länger desto mehr in sämmtlichen thüringisch-sächsischen Ländern eine we-sentliche Uebereinstimmung des Schulorganismus auf der von Ernst dem Frommengegebenen Grundlage heraus. Erst in den letzten Deccnnien hat sich eine größereVerschiedenartigkeit der Einrichtungen und Tendenzen kundgegeben. Namentlich hatman im Herzogthum Gotha — nicht gleichmäßig auch in dem unter einem Fürstenmit Gotha stehenden Herzogthum Coburg — die ernestinischen Verordnungen für dieVolksschule in sehr wesentlichen Stücken aufgebeu und nicht bloß bezüglich der Objecteund der Methode des Unterrichts den Lehrern der modernen Pädagogik, sondern na-mentlich auch hinsichtlich der Stellung der Schule zur Kirche den Forderungen derNeuzeit nach größerer Selbständigkeit der erstem Rechnung tragen zu müssen geglaubt.Das Nähere wird sich aus den folgenden Abschnitten ergeben, die wir wegen des obenangedeuteten Einflusses der von Gotha ausgegangenen Schulgesetzgebung Ernsts desFrommen auf alle übrigen thüringisch-sächsischen Länder mit einer möglichst objektivgehaltenen Darstellung der Schuleinrichtung im Herzogthum Gotha selbst beginnen.

Weidemann.