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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

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halten, aber die ernste, sittliche Liebe zur Wahrheit, die lebendige Begeisterung fürgründliche Wissenschaft, die er in unserer Brust geweckt, werden wir ihm ewig dan-ken, so wie sein sichtliches herzliches Wohlwollen für uns alle. Ist der richtigste An-fang zum pädagogischen Wirken die Erkenntnis, daß nichts klar gelehrt werden könne,als was gründlich gelernt sei, das Kriterium also für die eigene Wirksamkeit, daß nurklares Wissen und Denken die Fähigkeit zum Lehren erzeuge, wir haben von ihm dieseGrundsätze praktisch angebildet erhalten.*) Wir dürfen hier auch Gottfried Hein-rich Schäfers nicht vergessen; denn obgleich seine Lehrerthätigkeit (er habilitirte sich1806, ward 1808 ao. Professor, übernahm aber 1818 die Stelle des Oberbibliothekars)nur kurz war, schon das eine Verdienst, daß man ihm die Zugänglichkeit zu der größ-ten Zahl der griechischen Schriftsteller durch seine kritisch revidirten und verbessertenTextausgaben verdankte, hat auf die philologischen Studien der Lehrer nicht nur, son-dern auch auf die der Schüler den wohlthätigsten Einfluß geübt. Wollte man ausden großen Schülerzahlen auf die Blüte der Gelehrtenschulen schließen, so würde maneinen großen Jrrthmn begehen. Während es als ein großes Lob für unser Volk be-trachtet werden muß, daß die reichen Stiftungen und die Neigung der Wohlhabendenzur Gewährung von Unterstützungen keinen Armen an Durchführung der wissenschaft-lichen Laufbahn verzweifeln hieß, es gieng doch daraus der Schade hervor, daß vielesich lange auf den lateinischen Schulen aufhielten, indem sie dort ein bequemeres Lebenfanden, als in einem körperliche Arbeit fordernden Beruf. Mit Ertheilung von Unter-richt, mit den durch die Singumgänge**) erzielten Einkünften, mit etlichen Freitischenfristeten manche ihr Leben hin, bis ihnen endlich das Glück eine Dorfschullehrerstellein den Schoß warf. Ein Hauptantrieb zu studiren war für viele die Militärfreiheit,welche den Studenten gewährt war. Wie häufig hörte man damals die Klage, daßjeder Bauer, welcher es erschwingen könne, seinen Sohn, statt ihn hinter dem Pflugegehen zu lassen, damit er nicht Soldat werden müße, auf die Universität sende. Wiediese Uebelstände der Regierung nicht entgiengen, bewies sie durch das Rescript vom8. Nov. 1811, durch welche die Rectoren der lateinischen Stadtschulen bei Aus-stellung von Zeugnissen für die Universität mit der größten Gewissenhaftigkeit zu ver-fahren erinnert und angehalten wurden, doch sagte man auch noch später manchemRector eine zu große Milde nach.***) Ans den deshalb gemachten Vorschriften undBeobachtungen gieng die Einführung eines Maturitätsexamens hervor, für welches dasMandat vom 4. Juli 1829 die noch jetzt in Kraft stehendest Grundzüge abgab. Diedrei Grade wissenschaftlicher Reife, ausgedrückt durch inprimis, oinnino, satis ckiZmus,und die Censuren über das Verhalten: nnngnnm, rnro, nlignotios roxrelwuckonäus,gelten noch heute, indes werden seit einem Jahre die Censuren in den einzelnen Fächernausgenommen und so die Charakteristik des Abiturienten vollständiger und speciellergegeben. Mochten auch in andern Ländern äußerlich glänzendere Forderungen gestelltund ans größere Universalität der Bildung gehalten werden, die sächsischen Gymnasienlegten den Schwerpunkt fort und fort auf tüchtige Betreibung der alten Sprachen unddie Anregung der Schüler zu Privatfleiß; die Regierung setzte mehr Verträuen in denPädagogischen Geist der Lehrer, als in specielle Vorschriften und suchte mehr das Hin-übergreifen in die Sphäre der Universität zu verhüten, als der Versuchung diesen

*) In einer besondern Broschüre: Gottfried Hermanns pädagogischer Einfluß, hat Ameisdies weiter und gründlicher ausgeführt.

Sowohl von der Thomasschnle. als von der Kreuzschule wird über den Abbruch an denwissenschaftlichen Studien geklagt, welche die Alumnen durch ihre Theilnabrne an musikalischenAufführungen erlitten. Von vielen Stadtschulen zogen die Chorsänger zu Weihnachten über 12Tage auf den Dörfern umher. Viele ruinirten durch die Ungunst der Witterung ihre Gesund-heit, viele leider auch durch das während der Zeit geführte liederliche Leben.

***) Gretschel III. S. 358 und S. 625.