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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

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Volksschulwesen. Ein Nescript vom 4. März verfügte, daß kein Kind zum Genuß desheiligen Abendmahls zugelassen werden solle, wenn es nicht die Schule gehörig besuchtund die nöthige Fertigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen und die erforderlichenKenntnisse im Christenthum besitze.*) Im Zusammenhang damit schärfte ein Nescriptvom 13. März den Consistorien Aufmerksamkeit in der Aufsicht über die Schulordnungein. Das Gutachten der Stände auf jenes Generale vom 4. März empfahl sehr nütz-liche Maßregeln: die Zeit des Schulunterrichts wurde vom Eintritt in das 6. Lebens-jahr bis zur Vollendung des 14. festgesetzt: würde die Prüfung vor der Consirmationnicht bestanden, so müße der Schulbesuch fortgesetzt werden, bis die Mängel und Lückenausgefüllt seien: gesetzlicher Zwang müße stattsinden und deshalb Strafen für Schul-versäumnisse festgesetzt und eingezogen werden: dagegen seien überall zwei Classen zubilden und besonders zu unterrichten, damit die Eltern ihre Kinder in der Hauswirth-schaft nicht zu lange entbehren müßten, und ans demselben Grund seien in der Ernte-zeit 4 Wochen Ferien anzusetzen; auch solle jeder Ort einen besondern Schulgelder-einnehmer bestellen. Die Folgen waren die Nescripte vom 6. Mai 1806 und vomS. Juni desselben Jahres, von welchen jene die Strafen für die Schulversäumnisse,dieses die Schulgelderansätze regelte. Alles dies wäre vergeblich gewesen, wenn nicht dieEinnahme der Schulstellen beträchtliche Erhöhung erfahren hätte. Wie hätte man hoffenkönnen, daß sich gute und geschickte Köpfe dem Schullehrerstand widmen sollten, wenn,wie im Anfänge dieser Periode, 873 Dorfschulstellen zwischen 100 und 80, 622 unter 80 Thlr.Gehalt einbrachten? **) Wir müßen nun eine sehr rühmenswerthe Thätigkcit der Regierunganerkennen, wenn in einer Proposition an die Stände im J. 1805 mir noch 191 Schulenmit zwischen 100 und 80, und 602 mit weniger als 80 Thlr. Gehalt erwähnt werden. Freilichwird eine hohe Summe zur Aufbesserung für nothwendig erachtet, 11,532 Thlr. Siemochte wegen der übrigen Staatsbedürfnifse nicht sofort als jährliche Ausgabe ausgeworfenwerden können, allein die Stände bewilligten wenigstens 10,000 Thlr. aus den Ucber-schüssen zum Fonds einer Landesschulcasse und auf 6 Jahre jährlich 1000 Thlr.; dieRegierung bewilligte 1000 Thlr. aus den Bußtagscollecten und forderte die Collatorenzur Unterstützung auf, worin der Kurfürst mit ermunterndem Beispiel vorangieng. Derhumanen Richtung des Zeitalters entsprang das Streben, auch den Kindern ganz un-bemittelter Eltern Schulunterricht zu verschaffen, dem herrschenden Utilitätsprincip aberentsprach die vorzugsweise Herbeiziehung praktischer Kenntnis in den Bereich der Armen-schulen und die Verbindung mit Anlernen und Ausübung von Fertigkeiten, mit denender Lebensunterhalt zu verdienen war. Dresden besaß schon lange eine Armenschulein der Neustadt, indes bewies der Umstand, daß man, nachdem sie bei der Belagerung1760 niedergebrannt war, erst 1791 zu ihrem Wiederaufbau schritt, wie entweder dieMittel oder der Eifer für ihre Ncugründung nicht vorhanden war. Mit einer andernArmenschule, welche aus Privatmitteln gestiftet war, der Linke-Johnschen, ward 1785eine Realschule und 1786 eine Industrieschule verbunden. Allen Städten des Landesgieng Leipzig voran. Zwar gedieh die 1774 gegründete Hohenthalsche Armenschulenicht, aber 1788 legte der Buchhändler Johann Wendler durch eine Stiftung von10,000 Thlr. zu der noch jetzt in reichem Segen wirkenden Freischule für 46 Kinderden Grund, und bald darauf (16. April 1792) ward, hauptsächlich auf RosenmüllersBetrieb und Rath gegründet, die Rathsfreischule, mit welcher jetzt dieWendlerscheverbunden ist, eröffnet,***) sowie in demselben Jahre mit dem Arbeitshaus für Freiwillige

*s Gretsch. III S. 352 f.

**) Gretsch. III S. 282. Die Zahl dieser Schulstellen muß mehr als die Hälfte aller ge-wesen sein. Die Gewohnheit, ausgediente Unterofficiere zu Schulmeistern zu machen, scheint inSachsen nie zur Maxime erhoben worden zu sein. Daß auf einem Dorfe ein Schneider Schul-meister war, hat der Verf. des Artikels selbst erlebt.

***) Die Leiden Directoren dieser Freischule, Plato und dann Dolz, haben einen weit-greifenden pädagogischen Einfluß geübt, der letztere allerdings in seicht rationalistischem Sinn.