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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

eine Industrieschule für Kinder ins Leben trat. Wie hätte Sachsen in der liebevollenFürsorge für den beklagenswerthesten Theil der Kinder, die Taubstummen, Zurück-bleiben können. Samuel Heinicke nahm sich derselben auf eigene Hand an, aberschon 1777 empfieng er kurfürstliche Unterstützung und 1786 ward die Anstalt unterdie Aufsicht der Universität gestellt.*) In ihrem neuen stattlichen Hause und ihrerzweckmäßigen Einrichtung steht sie gegenwärtig als eine Zierde und ein Kleinod nichtallein Leipzigs, sondern des ganzen Königreichs da. Die Bürgerschulen schwanktenzuerst lange, ehe sie ein Princip fanden, von einem einheitlichen sind sie bekanntlichnoch jetzt entfernt, weil sie zu vielen Bedürfnissen, zum Theil sehr localen, ge-nügen müssen. Die kleineren Städte konnten nur ihre Elementar- und Volksschulenerweitern, indem sie die Einkünfte derselben erhöhten, mehrere Lehrer anstellten, mehrereElasten einrichteten, die Geschlechter im Unterricht trennten: das Ziel hieng meist vonden Lehrern ab und in vielen Fällen mag dies höchst nützlich gewesen sein. In andernStädten, welche ihre eigenen lateinischen Schulen hatten, wurden die untern Elastenerweitert und ihnen die Leistungen der Bürgerschule auferlegt, während man größten-theils die höheren Elasten auf den eigentlichen Gymnasialunterricht beschränkte.**) Mitvollständiger Durchführung der Idee giengen die beiden Hauptstädte voran, Dresden,indem es 1803 die lateinische Schule in Neustadt in eine Bürgerschule umgewandelteröffnete, Leipzig, indem 1804 die errichtete Bürgerschule ins Leben trat und unterdes würdigen Gedike Directorat bald die Aufmerksamkeit nicht allein im Vaterland,sondern von ganz Deutschland auf sich zog. Gehen wir zu den Gelehrtenschulenüber, welche schon jetzt mehr und mehr mit dem Namen Gymnasien bezeichnet wur-den. Untaugliche Köpfe von dem Studium der Wissenschaften abzuhalten, schärfte dasGenerale vom 24. Juli 1769 den Eltern ein, daß sie ihre Söhne, ehe sie dieselbender Schule und Universitätsstudien widmeten, von dem dazu verordneten und mit An-weisung versehenen Superintendenten, Pfarrern und Schullehrern prüfen lassen möchten,ob an ihneneine seltsame Fähigkeit" wargenommen werde, damit sie sich nicht inder Hoffnung auf Beneficien getäuscht fänden. Diese Verordnung scheint mir im Zu-sammenhangs zu stehen mit der Ernestischen Schulordnung, welche ja bereits1769 den Landständen vorgelegt wurde. Konnte man von einer solchen die nöthigeWirksamkeit erwarten, wenn sie mit vielen untauglichen Schülern ausgeführt werdensollte? Jene Schulordnung haben wir schon oben unter Anerkennung ihrer Vortreff-lichkeit für die Gelehrtenschulen erwähnt. Wir gedenken hier noch der Initia äootrinassoliäioris, des Lehrbuchs, welches zwischen den Sprachstudien und den realen Forde-rungen zu vermitteln bestimmt war und vielen Lehrern die größten Dienste geleistet hat.Im allgemeinen muß man beklagen, daß zur Verfolgung der neuen Richtungen ge-bildete Fachmänner fehlten. Die meisten Lehrer gehörten mit ihrer Jugendbildung einerfrüheren Periode an. Mit der deutschen Literatur waren sie ganz unbekannt undlernten erst durch die Wegnahme der den Schülern verbotenen Bücher daö Neue kennenund die Vortrefslichkeit ahnen.***) Sie arbeiteten fleißig nach Polyhistorie, griffen abermanchmal darin recht fehl, ff) Und dennoch zeichnet sich jene Zeit durch dasjenige aus,was in unsrer Zeit leider sehr verschwunden ist, ein Verhältnis echter Pietät zwischen

Eine Erörterung darüber würde hier zu weit führen, obgleich sie in einer Schulgeschichte Sachsenseine weitere Stellung finden müßte.

*) Gretschel III S. 28Z.

**) Gretschel III S. 232.

***) S. die Anekdote bei Gretschel III. S. 284 Anm.

-j) Ich will den sonst so braven Matemathicus einer Schule nicht nennen, der über dierichtige Anlegung von Feueressen seinen Schülern Vorträge hielt, auch jenen nicht, der ihnenAnthropologie und zwar Anatomie vortrug. Sie richteten, indem sie ihren Lieblingsneigungenfolgten, vielleicht weit mehr aus, als wenn sie sich mit Gegenständen beschäftigt hätten, die sieerst selbst hätten lernen müßen.