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7 (1869) Reinlichkeit - Schule
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Sachsen.

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Zeugnis, daß die große Menge und der eigentliche Kern des Volks gleichgültig denVerschwendungen des Hofes zusah, ohne sich zur Nachahmung verführen 'zu lassen.Wie die Gelehrtenschulen ihre Zöglinge so zu bilden verstanden, daß ihnen die Gründ-lichkeit angebildet ward, aber auch Freiheit für ihre Neigungen blieb und diese An-leitung, Richtung und Nahrung fanden, darüber brauchen wir nur auf die sogenannteLeipziger Dichterschule zu verweisen, allen voran die beiden Zöglinge der MeißnerFürstenschule, Gotthold Ephraim Lessing,*) welcher wie seit Luther keiner vor ihmden deutschen Geist zu wissenschaftlicher Freiheit erweckte, und der herrliche Geliert,welcher, wie kein anderer, bis in die niedersten Schichten des Volks Wirksamkeit aus-Lbte und selbst den Verächtern der deutschen Literatur und Bildung Achtung ab-nöthigte. Auch fehlte es nicht an bedeutenden Lehrern an Schulen und an der Uni-versität. Sachsen rühmt sich das Vaterland und die erste Bildungsstätte (Chemnitz)des frühzeitig (1763) nach Göttingcn ausgewanderten Christian Gottlob Heynezu sein. Johann August Ernesti, für den 1742 eine außerordentliche Professurder Humanitätswissenschaften errichtet ward, entwickelte in der folgenden Periode diedankenswertheste und nachhaltigste Wirksamkeit. Wem wäre nicht Johann JacobReiske (geb. 1716 in Zörbig, 1748 außero. Prof, der arabischen Sprache, dann175874 Rector der Nicolaischule) und Johann Friedrich Fischer (geb. zu Co-burg 1724, 1751 Conrector der Thomasschule, 1762 außero. Prof, der Humanitäts-Wissenschaften, dann 176799 Rector der Thomasschule) bekannt? Erwähnen dürfenwir auch, daß Winkelmann 174852 in Nöthnitz bei Dresden lebte und dort dieVorstudien zu seinen so bedeutsamen Werken machte. Constatiren müßen wir übrigensnoch, daß die schlesischen und der siebenjährige Krieg zwar dem Lande kaum erträglicheLasten und Opfer auferlegten, aber von dem Charakter des dreißigjährigen Kriegs ganzverschieden waren, besonders durch den humaner gewordenen Sinn der Heerführer undSoldaten, der Schulen und wissenschaftlichen Anstalten keine Verwüstung brachte. Zu-letzt müßen wir noch der in diesem Zeitraum entstandenen Herrnhuter Brüder-gemeinde gedenken, weil sich dieselbe sehr bald auch mit der Erziehung und dem Unter-richt der Jugend zu befassen begann.

Die kurze noch in demselben Jahre (17. Dec. 1763) durch den Tod endende Regie-rung Friedrich Christians brachte die heilsamsten Maßregeln zur Heilung der tiefenSchäden, welche das Land durch den siebenjährigen Krieg erlitten, und Erleichterungder auf das Volk drückenden Lasten; das Schul- und Unterrichtswesen hätte gewiß auchdie thätigste Fürsorge erfahren, wie sie der Kunstakademie bereits zu Theil gewordenwar, wenn nicht des Todes Hand das Leben des trefflichen Fürsten abgeschnitten hätte.Wenige Regenten haben so lange Zeit (64I.) auf dem Thron gesessen, wie FriedrichAugust III. der Gerechte (176368 unter der Vormundschaft seines Oheims desPrinzen Taver, dann 17681827). Mit der Erlangung der Königskrone 1806 zer-fällt seine Regierung in zwei Abschnitte und wir behalten diese bei, weil nicht alleinin der zweiten Periode das Königreich durch seine Verkleinerung in neue Verhältnissetrat, sondern auch durch die französischen Kriege der deutsche Geist eine Kräftigung undAufweckung erhielt, die zu ungeahnten Resultaten führte. In beiden Perioden bewiessich Friedrich August gleicherweise als den Gerechten, als den jede Unbilligkeit undHärte auszugleichen ernstlichst bemühten und unerschütterlich an seinem Recht und seinenübernommenen Pflichten, war's auch zu eignem schweren Schaden festhaltenden Regen-ten. Die erste Periode trägt den Charakter der Aufklärung und des humanen Absolu-tismus, wie er durch die ganze Welt herrschte, an sich. Das Vorherrschen des Natio-nalismus unter den Geistlichen schadete der Kirche nicht so viel denn Religiositätlag den meisten am Herzen und sie waren frömmer im Leben als in der Lehre; auchdürfen wir nur den 17911812 die bedeutende Stelle des Oberhofpredigers zu Dresden

*) S. meinen Vortrag auf der Philologenversammlung zu Meißen 1863.